Nachtfüchsin
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ich habe gerade den halben Tag damit verbracht hier durchs Forum zu lesen und mich entschlossen, mir einfach mal etwas von der Seele zu schreiben.
Ich nenne den Mann, mit dem diese sozial-psychologische Problematik enstanden ist, einfach mal: meinen "Herzschmerztyp". Es begann 2011. Ich lernte ihn auf einem Geburtstag kennen, war damals noch recht naiv-gutgläubig, aber dennoch nüchtern genug, um nicht an die "Verliebtheit auf den ersten Blick" zu glauben. Doch irgendetwas muss er wohl so stark in mir gespiegelt haben, dass es einfach direkt funkte. Ab diesem Zeitpunkt hatte er mich schon bezaubert.
Er war charmant, machte mir Komplimente, wir unternahmen tolle Aktionen zusammen, hatten viel gemeinsam und landeten schließlich, wie es bei erwachsenen Männlein und Weiblein, (leider) oft der Fall ist, irgendwann im Bett und alles nahm seinen Lauf...
Er wollte von Anfang an keine Beziehung, sagte dass er nicht Lieben könne und nur etwas ganz unkonventionelles Suche. Ich ließ mich darauf ein und dachte mit genügend Hingabe, Fürsorge, Toleranz und Geduld, würde er irgendwann auch vertrauen fassen können und seine Ängste (vor Nähe) diesbezüglich angehen können. Ich sagte ihm auch nach einiger Zeit, dass ich in ihn verliebt war. Er nahm es wahr, wir änderten aber nichts an unserer Beziehung zueinander, da schon festtstand, dass er in zwei Monaten eh in eine andere Stadt ziehen würde...
Nun. Es war immer eine Achterbahnfahrt. Er konnte sich tagelang nicht melden und dann mal wieder ganz spontan fünf Tage hintereinander. Danach plötzliches, kühles verschwinden und genauso überraschendes, freudiges auftauchen. Ich merkte, wie ich auf ihn stundenlang wartete, obwohl ich im Gefühl hatte "Mädel! Für DEIN Leben! Was sitzt du hier?", aber nichts dagegen unternahm. Ich musste vorsichtig sein ihm nicht zu Nahe zu kommen, verdrängte mein Bedürfnis ihn in der Öffentlichkeit zu innig zu umarmen. Da dort nichts auffallen sollte. Ich merkte wie ich mich ihm anpasste, um ihn nicht zu verärgern oder unangenehm zu berühren. Plötzliche völlig gefühlskalte Demütigungen, Respektlosigkeiten, Ablehnungen und Beleidigungen folgten nur sehr wenige, aber deshalb umso bedeutsamer emfpundene, Zärtlichkeiten, berührende Worte und Wertschätzungen... Diese hielten mich immer wieder bei ihm gefangen.
Doch letztendlich verdrängte ich meine eigene Persönlichkeit so sehr, dass ich nur noch ein Schatten meiner Selbst war, der zwar immer da war (wir hingen Phasenweise ständig zusammen rum, auch im selben Freundeskreis), aber als stille Katze die paralysiert am Rand sitzt und ihrem Kater beim Mäuschen jagen beobachten und analysieren kann (er hatte oft neuer Flirts und Bettgeschichten, ich konnte damit aber relativ tolerant umgehen). Er verunsicherte mich mit seinem Verhalten so sehr, dass ich irgendwann stark an meiner eigenen Intuition und Verstand zweifelte und auch mit einer riesigen Heulattacke zusammenbrach, weil ich nichtmehr wusste, wer ich überhaupt war...
Er sortierte Menschen auch nach seiner Nützlichkeit für ihn... ich kannte ihn mittlerweile, wusste das er sich eig. unendlich Einsam fühlte, wusste von seiner schlimmen Kindheit, bemerkte Eigenarten, die er selbst erst viel später wahrnahm - und das verletzte Kind in mir wollte sein verletztes Kind in ihm heilen, guttuen, ihn gesund streicheln. Ich übernahm einerseits die hingebungsvolle Mutterrolle, andererseits brodelten ihn mir unterdrückte, passive Aggressionen, da weder er noch ich meine eigenen Bedürfnisse wertschätzten.... Ich wurde immer unausgeglichener und bekam Schlafstörungen.
Was mir wirklich noch sehr zusätzte war, wie es sich s.uell entwickelte.
Es ist mir etwas unangenehm...
Er war sadistisch, ich war masochistisch veranlagt, es glitt öfter ins BDSM. Und es wurde immer extremer. Wenn ich jetzt darüber nachdenke kommt es mir völlig verrückt und super gedankenlos vor, wie ich da so blind vertrauen konnte und überhaupt... (Konnte ab und an tagelang nur humpeln, wegen oberschenkelgroßen Blutergüssen und war auch schon ungewollt bewusstlos).
Am Ende verschwammen die Konturen, ich wusste nichtmehr was jetzt Spiel und was Realität war, weil ich auf beiden Ebenen entwertet wurde... aus seiner Angst vor dem Kontrollverlust und durch meine stärker werdenden Versuche aus meiner zugeteilten "Rolle" auszubrechen.
Das ganze endete ziemlich unschön... Ich gestand ihm, dass ich ihn liebte, ständig meine Gefühle unterdrücken (muss) und so einfach nicht mehr Leben will und kann. Er nahm mich nicht ernst, wollte mir sagen, dass das gar nicht stimmen kann und ich mir etwas vormache.... Ich hatte schon erahnt, dass er sich darüber eher lustig machen könne, doch das milderte nicht die Härte seiner Worte...
Brachen 1/2 Jahr den Kontakt ab. Er hatte dann kurz nach mir eine Beziehung angefangen, da er sich doch wohl verlieben konnte. Das ganze hielt 2 Monate.
Wir hatten dann 1/2 Jahre später wieder Kontakt. Er hatte sich verändert, war emotionaler, aber viel verletzbarer. Wollte vieles wieder gutmachen.
Lange Rede kurzer Sinn:
Das ganze endete mit Schuldzuweisungen, Behauptungen ich würde ihn manipulieren und wäre narzisstisch, hätte soviele passive Aggressionen, würde jetzt nur retorisch besser "draufhauen" können... und ich krieche in meiner nächsten Nachricht bestimmt wieder voller Selbsterniedrigung auf dem Boden... Ich soll ihm nie wieder unter die Augen kommen... Er ist wütender auf mich wie auf alle anderen... usw usw...
Wegen einer Bagatelle. Nur weil ich ihm nicht recht gab und anders reagierte wie sonst.
Er hat auch sehr viele Freunde weggestoßen, die Menschenfeindlichkeit wurde größer, er dachte ständig alle manipulieren ihn, es nahm paranoide Züge an.
Wenn ich ihn auf der Straße nur sehe, kriege ich eine Panikattacke. Auch wenn mein Verstand erfassen kann, dass gar nichts schlimmes passiert, er nur an mir vorbeigeht, kann ich das nicht verhindern. Mein Herz rast, ich fange an zu hyperventilieren und zu zittern, will schneller gehen oder wegrennen und es braucht eine gute halbe Stunde mich wieder zu beruhigen.
Ich merke, dass ich selbst eine Bindungsangst (und Magersucht) entwickelt habe und momentan (das ist jetzt auch wieder ein halbes Jahr alles her) nicht in der Lage wäre eine Beziehung überhaupt zu führen. Ich habe Albträume, schrecke Nachts auf und habe einfach Angst davor. Auch vor körperlicher Nähe, mich zu öffnen und verletzbar zu zeigen und Gefühle zuzulassen. Ich schrecke davor zurück und bin da sehr empfindlich. Ich möchte nicht wieder fühlen müssen benutzt worden oder abhängig zu sein. Das brauch jetzt seine Zeit zum heilen...
Ich habe noch nie soviel über mich und andere gelernt, aber es ist in mir auch noch nie soviel zerbrochen, wie in der Zeit mit meinem "Herzschmerztypen". Und wenn meine Laune trüb ist, denke ich es hat sich noch nichtmal gelohnt, weil die Scherben momentan einfach überwiegen.
Zum Glück, denke ich nichtmehr oft an ihn. Nur wenn mich emotional etwas triggert, wie zb gestern ein Liebesfilm... deswegen bin ich auch hier gelandet.
Viele Grüße,
Nachtfüchsin
