Liebe Sina,
ich habe deinen Beitrag gelesen, und es tut mir wirklich leid, wie schwer deine Situation im Moment für dich ist. Was du gerade durchmachst, ist unglaublich belastend, und niemand sollte so viel Schmerz alleine aushalten müssen. Aber eines möchte ich dir deutlich sagen: Es ist nicht deine Schuld, wenn dein Mann zweimal fremdgegangen ist. Das ist seine Entscheidung gewesen, nicht deine. Dass du trotzdem noch fühlst, was du fühlst, zeigt nur, wie tief deine Liebe und Bindung waren. Gefühle lassen sich nicht einfach abstellen, nur weil etwas „unlogisch“ erscheint.
Dass du jetzt so viel Unruhe in dir hast, ist völlig verständlich. Dein gesamtes Leben ist plötzlich aus den Fugen geraten, und das löst Angst aus. Ich kenne diese Phase aus eigener Erfahrung und weiß, wie heftig sie ist. Aber ich weiß auch, dass wieder Ruhe reinkommt, sobald man beginnt, das eigene Leben Stück für Stück zurück in die eigene Hand zu nehmen. Und das ist nichts, was man sofort können muss. Es reicht, wenn man die ersten kleinen Schritte geht.
Ein erster Schritt könnte sein, dir einen Termin bei einem Anwalt für Familienrecht zu holen. Nicht, weil du dich sofort trennen musst, sondern damit du Klarheit bekommst. Es gibt immer zwei Ebenen, die emotionale und die wirtschaftliche. Die emotionale ist im Moment völlig chaotisch, und das ist normal. Aber die wirtschaftliche Seite ist eine, bei der man sich beruhigen kann, indem man sich informiert. Du kannst klären, was deine Rechte sind, was deine Pflichten sind, ob dir Trennungsunterhalt zusteht und ob das, was vielleicht bereits besprochen wurde, überhaupt in Ordnung ist. Und falls bisher gar nichts geklärt wurde, kannst du mit Unterstützung herausfinden, wie du dieses Gespräch angehst. Ob man es will oder nicht, irgendwann muss man sich mit diesen Dingen befassen, und je früher man das tut, desto weniger Angst macht die Zukunft.
Ich weiß, wie schwer es ist, in dieser Zeit überhaupt irgendetwas zu tun. Man möchte eigentlich nur liegen und warten, dass der Schmerz aufhört. Aber genau deshalb ist es wichtig, kleine Schritte zu gehen, die dich wieder ins eigene Handeln bringen. Das kann auch bedeuten, bewusst zu sagen: Heute habe ich einen schlechten Tag, und das ist okay. Es kann bedeuten, sich mit einer Freundin zu treffen, auch wenn man eigentlich keine Kraft hat. Es kann bedeuten, bewusst vor die Tür zu gehen, auch wenn der Winter unfreundlich ist. Meine Ex-Frau ist damals auch zwischen Weihnachten und Neujahr ausgezogen – ich weiß, wie trostlos diese Zeit sein kann. Aber gerade deshalb wünsche ich dir von Herzen, dass du jetzt anfängst, aktiv für dich zu werden. Nicht alles auf einmal, nur Schritt für Schritt.
Du bist in einer extrem schweren Phase, aber du wirst da durchkommen. Und du musst es nicht perfekt machen. Du musst nur anfangen, wieder ein kleines Stück für dich einzustehen. Ich wünsche dir viel Kraft, Mut und Menschen an deiner Seite, die dich durch diese Zeit tragen. Du bist nicht alleine.