Zitat von Frollo:Ja Schlurfi, vielleicht ist es ein Kommunikationsproblem und bei dir hat ja dann auch alles gut funktioniert, als du klar kommuniziert hast. Du hast aber denke ich mit dir selbst auch klar kommuniziert. Du hast für dich klar entschieden: nur noch 6 möchtest du.
So kann man spannungsfrei leben. Aber ich glaube nicht für immer. Dieses Spannungsfeld ausschalten ist denke ich nicht möglich. Und ungesund.
Darf ich dich mal fragen, warum du in deiner Ehe scheinbar nicht so klar kommunizieren konntest?
Natürlich darfst Du fragen, keine Scheu.
Meine Ex war meine Sandkastenliebe, ich kannte sie schon seit wir aus den Windeln entschwunden sind. Man sollte meine, wenn man sich solange kennt, kann man problemlos kommunizieren.
Ich denke, der Grund, warum wir nicht gut miteinander kommunizieren konnten waren unsere unterschiedlichen Erziehungen durch unsere Eltern, das uns beide geprägt hat, mich auf jeden Fall.
Meine Eltern lebten eine typische Arbeiterfamilie vor, Mutter war überwiegend Hausfrau und auch im Beruf tätig, meistens im Gaststättengewerbe als Bedienung, später arbeitete sie als Schaufensterdekorateurin, aber immer in, sagen wir mal, unterer Betriebsschiene, nie eigenverantwortlich. Mein Vater war Handwerksmeister, arbeitete sich hoch bis zu einem Miteigner einer mittelständischen Firma, war gesellschaftlich und privat hoch angesehen, aber auch sehr streng. Zu sich, zu uns Kindern, auch zu seiner Frau, unserer Mutter. Er war das Familienoberhaupt und Widerworte wurden nicht toleriert, Ungehorsam bestraft, drakonisch. Aber er war auch immer ein Fels in der Brandung, legt immer und überall schützend seine Hände über uns, er verteidigte seine Familie bis aufs Blut. Der Begriff Blutehre und so ist Dir vielleicht bekannt, mein Vater war dahingehend ein Verfechter. Und eben die typische Malocherempathie: Arbeit über alles. Wir bekamen klare Richtlinien mit auf dem Weg, wie wir unser Leben zu gestalten haben. Schule, Ausbildung, Führerschein. Da war wenig Spielraum für eigene Ideen. Vatern war der Mann, der immer an der Spitze des Tisches sah, respektierte man ihn, gab es keine Probleme. Aber wehe wenn..
Trotz dieser harten Hierarchie hielt unsere Familie immer zusammen. Aber Du kannst Dir sicher vorstellen, dass in uns allen Kindern der Wunsch nach Rebellion brannte.
Und da kommt meine Ex ins Spiel. Sie wuchs gänzlich anders auf, es war wohl mehr ein nichtgewolltes Wunder, dass wir schon im Kindergartenalter zusammenkamen. Meine Ex kam aus hochbürgerlichem Haus. Vermögend, alle ihre Geschwister haben reich geheiratet (außer meine Ex

), alle hatten studiert (außer meine Ex

), alle waren reich (außer meine Ex). Ihre Eltern betrachteten unsere Ehe, unsere Beziehung davor schon, als nicht tragbar. Der Unterschied zu mir und meinen Geschwistern war, meine Es ging schon im Kindesalter auf Konfrontation zu ihren Eltern.
Das gefiel mir wohl an ihr, sie war der Kämpfer in der Familie, den ich eigentlich laut meines Vaters Willen repräsentieren sollte. Aber sie begahr gegen ihre Eltern auf, ich fügte mich.
Sie war mir Jahre, Jahrzehnte voraus und dann passierte etwas, als wir bereits ein paar Jahre verheiratet waren: Während ich zum "Rebellen" mutierte, auch in meiner Ehe (was dieser nicht sehr gut bekam), wurde meine Ex zu der Art von Frau, die sich ihre Eltern immer gewünscht hatten. Das fing ganz harmlos, ganz klein an und steigerte sich von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Wir entfremdeten uns immer weiter, weil wir uns völlig gegensätzlich entwickelten. Als ich dann quasi in der Rolle des Familienoberhauptes aufgestiegen war (vorher hatten wir eine gleichberechtigte Beziehung), war sie auf einem ganz anderen Stern, da lernte sie auch jemanden kennen und zum Glück, muss ich heute sagen, beglückte dieser sie eine lange Zeit, bevor ich dahinter kam, dass meine Ex schon lange in einer Affäre verweilte.
Mit dem Bekanntwerden brach dann letztlich die Wunde auf, alles kam auf den Tisch und in jenem Moment, nach zig Jahren Ehe, war es das bis dahin erste Mal wieder, dass wir uns in einer Diskussion aufrieben, mental, dann fielen wir wie Tiere übereinander her und danach merkten wir erst, wie weit wir doch schon auseinander lagen.
Unsere unterschiedlichen Entwicklungen und Familienhintergründe haben wohl dazu beigetragen, die diese Ehe scheitern musste, theoretisch hätte es gar nicht dazu kommen können, wäre meine Ex nicht schon in frühem Alter auf Opposition zu ihren Eltern gegangen. Das reizte mich an ihr, weil das in meiner Geschichte irgendwie fehlte. Ich wuchs an ihr, sie aber nicht an mir und so kam es, wie es kommen musste.
Mir fehlte das eigene Vermögen, mich verständlich zu artikulieren, was ich wollte und schmollte lieber in meinem stillen Kämmerchen vor mich hin. Sie war unbefriedigt, sah keinen Menschen auf Augenhöhe, weder zum Reden, noch zum Leben, so ging sie fremd und es kam zu Trennung, Scheidung usw.
Sorry für den langen Monolog. Ich musste nur etwas weiter ausholen, um die Situation nachvollziehbar erklären zu können, mit zwei drei Sätzen hätte ich das nicht erläutern können.
