Zitat von Isely:Wissen das die eigenen Eltern ?
Die Geschwister ?
Das Umfeld ?
Die Kollegen ?
Ich muss dazu sagen, dass es in der Tat niemand etwas angeht. Gerade, was das Liebesleben angeht, ist man zu keiner Auskunft verpflichtet.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es wirklich immer die Rosinenpickerei ist. In meiner Familie gab es einen Fall, bei dem eine polyamore Beziehung gelebt wurde. Obwohl ich sie nicht wirklich so nennen mag. Der Bruder meiner Oma kehrte überraschenderweise doch aus dem Krieg zurück, nachdem er für tot erklärt worden war. Seine Frau nahm ihn trotzdem zurück. Nur war der Mann so unglücklich von einer Kugel erwischt worden, dass an den handelsüblichen 6 nicht mehr zu denken war. Sein Lustempfinden hatte auch gelitten.
Seine Frau hat dann eben mit seinem Segen sich das, was fehlte, andersweitig geholt, Liebe und zärtliche Gesten gab es allerdings nur zwischen dem Ehepaar. Unter Eifersucht hat er trotzdem gelitten, aber seine Frau hat bis zu seinem Tod keine Anstalten gemacht, mit einem anderen Mann durchzubrennen. Polyamor finde ich es deswegen nicht, weil eben diese Frau nur einen Mann geliebt hat und mit ihm auch die Beziehung geführt hat. Die anderen Männer dienten eher dem Druckabbau.
Und ganz ehrlich, ich möchte nicht wissen, wieviele Beziehungen in derartiger Konstellation von Kriegen hervorgebracht worden sind.
Ferner werden polyamore Beziehungen immernoch tabuisiert. Richtig. Es gab eine Zeit da wurden auch h,om.o6uelle Beziehungen verschwiegen, schon allein, weil sie unter Strafe standen. Ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass sich da einiges geändert hat. Ich würde ja auch keine H.o.m.obeziehung leben wollen, wenn die Gesellschaft das plötzlich erwarten würde.
Nur weil etwas gesellschaftlich nicht erwünscht ist, heißt das nicht, dass es immer so bleiben wird.
In meinem Umfeld einer bestimmten Szene wurden polyamore Beziehungen gelebt und sind krachend gescheitert.
Das hatte mehrere Ursachen. Menschen können doch nicht so leicht die ureigensten Triebe unterdrücken. Der Wille nach Glück, Macht und Einzigartigkeit. Und ja, ich gehöre zu den Leuten, die nicht glauben, dass man diese Triebe einfach abstellen kann.
Allerdings gab es noch andere Gründe für das Scheitern. Die Menschen sind es schlicht nicht gewohnt, solche Beziehungen zu leben und haben wenig Erfahrung. Man kann ja auch keine Vielweiberei anführen. Die Frauen haben sich nicht freiwillig entschieden, sondern wurden schlicht gezwungen, so zu leben. Diese Ehen fußten mehr auf Hass und Verachtung, denn auf Liebe. Es ist auch kein Geheimnis, dass Frauen in Harems ihre Söhne darauf drillten, irgendwann den Haremsherren, den eigenen Vater, zu morden und seinen Platz einzunehmen. So gelangte die Macht in die Hände der Frauen, da sie die Söhne zu ihren Werkzeugen erzogen hatten.
Man kann also sagen, dass der Haremsherr soeben seine Todesursache kennen gelernt hatte, wenn er einen Sohn stolz in den Armen hielt. Ab da wurde der Harem für ihn zur Todesfalle. Und nicht eine Frau weinte ihm eine Träne nach.
Ich gestehe, dass ich mir polyamore Beziehungen für mich auch nicht vorstellen kann. Ich lebe momentan selbst gerade aus gesellschaftlicher Sicht in mehrfacher Hinsicht höchst unmoralisch. Was mich aber auch nicht juckt. Von außen betrachtet könnte man es polyamor bezeichnen. Ist es aber nicht.
a) Lebe ich nur mit einem Mann eine Beziehung und liebe ihn.
b) Wir teilen uns einen Liebhaber und das gleichzeitig. Man kann davon halten, was man will, aber ich nenne es geradezu selbstlos. Wir teilen praktisch alles.
c) So anziehend ich den Liebhaber auch finde, bestehe ich nicht gerade darauf, mit ihm allein zu sein. Mir würde mein Partner dabei aufrichtig fehlen.
d) wir leben auch nicht pausenlos so, nur Corona zwingt uns gerade von Planabweichungen.
Deswegen kann ich sagen, dass es mit Sicherheit nicht leicht ist, zwischen allen Beteiligten die gleiche Liebe aufzubringen. Das klappt ja schon in anderen, nicht6uellen Beziehungen recht suboptimal.
Ich könnte das nicht. Und ich würde es auch nicht wollen.
Allerdings kann ich nicht behaupten, dass andere es nicht schaffen. Noch weniger kann ich sagen, dass meine Situation, also Liebe und Begierde für den Partner auch auf andere zutrifft. Ich weiß nicht, wie das ist, wenn man den Partner zwar noch liebt, aber das nur platonisch. Ich bin nicht in der Situation und kann sie deswegen nicht beurteilen.
Ich fühle mich von polyamoren Beziehungen nicht bedroht. Solange ich sie nicht leben muss, sollen sie mir recht sein und gehen mich nichts an. Was andere erwachsene, mündige Personen machen, sollen sie selbst entscheiden. Selbst wenn sie scheitern, würde ich nicht mit dem Finger auf sie zeigen und rufen "haha, hab ich doch gleich gesagt!"
Wie gesagt, es fehlt an Erfahrungswerten. Viele monogame Beziehungen scheitern auch, weil wir es schlicht nicht gewohnt sind, aus Liebe zu heiraten.
Was ich allerdings sagen kann, glaube ich niemanden, dass er wirklich völlig selbstlos dem Partner alles von Herzen gönnt, zumindest, wenn er noch Liebe und Begierde für diesen Partner empfindet.
Im Grunde unseres Herzens sind wir alle noch Tiere. Und dieses Tier neigt dummerweise zum Konkurrenzausschlussprinzip.
Allerdings will ich mir nicht verbieten lassen, eine monogame beziehung, auch mit Abweichungen, leben zu wollen, deswegen kann ich anderen auch nicht vorschreiben, wie sie eine Beziehung haben wollen. Da ich nicht gezwungen werden kann, in einer polyamoren Beziehung zu leben, finde ich es völlig ok, wenn andere es ausprobieren wollen.