Zitat von Luk:Da hast du etwas missverstanden, denn mit Moral hat das nicht viel zu tun. Weißt du, was für eine Auswirkung Affären auf die psychische Gesundheit der Hintergangenen haben kann? Manche leiden Jahre darunter, einige können sogar niemandem mehr wirklich vertrauen, in jedem Fall ist der Schaden massiv, es sei denn, man ist schon so abgestumpft, dass es einem egal ist.
Das als eine rein moralische Frage abzutun, ist eine ziemlich krasse Verharmlosung.
Ich erkläre dir das mal an einem Beispiel:
Stell dir vor, ein guter Freund von dir, den du schon seit der Kindheit kennst, ist Vermögensberater. Und weil du gerade einen größeren Geldbetrag übrig hast, fragst du ihn, wie du das Geld möglichst sicher und ertragreich anlegen kannst, du vertraust in da zu 100%, weil ihr ja schon so lange befreundet seid.
Im Nachhinein stellt sich jedoch raus, dass er dir ganz bewusst ein viel zu riskantes Finanzprodukt eingeredet hat, weil er da die höchste Provision und die meisten Boni kassiert hat, du verlierst bei der ersten Krise einen großteil des Geldes und stehst blöd da.
Jetzt mal im Ernst: Würdest du mit ihm dann noch weiterhin befreundet sein? Würdest du versuchen, diese Freundschaft zu retten, indem du versucht, die Sache mit ihm aufzuarbeiten und mit ihm ausführlich darüber zu reden, warum er das getan hat und warum ihm seine Provision in dem Moment wichtiger war als die Freunschaft und er dein Vertrauen ausgenutzt hat? Bestimmt nicht! Du würdest mit so einem Menschen garantiert nichts mehr zu tun haben wollen.
Das ist eben etwas, was für mich nicht ganz verständlich ist: Wenn es ums Geld geht, kennt man keine Gnade, aber wenn es um die psychische Gesundheit geht, dann soll man sich ausnutzen und auf seinen Gefühlen herumtrampeln lassen, ohne Konsequenzen zu ziehen, weil man ja ach so modern und ach so tolerant ist und alles andere ist ja nur veraltete Moral?
Wenn man einen finanziellen Betrug nicht verzeihen würde, aber eine Affäre schon, dann sagt das im Prinzip nur aus, dass man auf sein Geld besser aufpasst als auf seine seelische Gesundheit.
Erfolg ist meiner Meinung nach, wenn man seinen Prinzipien treu bleibt und sich nicht verbiegen oder seine Prinzipien aufgeben muss, nur um mit der anderen Person zusammenbleiben zu können. Wenn ich also ein Mensch bin, der nicht belogen und betrogen werden will, dann sehe ich es als Erfolg, mit einem Menschen zusammen zu sein, der das nicht tut.
Aber es kann ja jedes Paar selbst seine Prinzipien definieren, wenn zwei Menschen lieber eine offene Beziehung führen wollen, dann ist das ja völlig in Ordnung, so lange es beide wollen und beide damit glücklich sind.
Das sehe ich ehrlich gesagt nicht so, im Gegenteil:
Viele entscheiden sich gerade deshalb für ein "Verzeihen", weil es einfacher ist: Man muss sich nicht scheiden lassen, man muss nicht das Sorgerecht wegen den Kindern regeln, man braucht das Haus nicht zu verkaufen, lebt weiter in seiner gewohnten Umgebung...
Außerdem ist eine Trennung auch emotional ziemlich anstrengend, vor allem nach einem Betrug: In der Zeit alleine muss man dann nicht nur das Alleinsein und den Liebeskummer aushalten, sondern sich auch mit den ganzen Selbstzweifeln auseinandersetzen. Auch die Sorgen, ob einen das in zukünftigen Beziehungen wieder passiert und ob man wieder vertrauen können wird. Außerdem ist die Partnersuche ziemlich anstrengend und falls man ein sensibler Mensch ist, der danach ziemlich down ist, ist es auch schwer, wieder attraktiv auf andere zu wirken.
Im Gegensatz dazu kann ein Fortsetzen der Ehe, nachdem man betrogen wurde, auch ein netter Ego-Push sein, weil es einem das Gefühl gibt, dass man gegen die Affäre "gewonnen" hat. Vor allem, wenn es dann anfangs wieder scheinbar besser läuft, fühl sich das kurzfristig natürlich toller an, als wenn man alleine ist und mit dem Liebeskummer kämpfen muss.
Außerdem gibt es keine Garantie dafür, dass sich der Betrüger wirklich dem allen stellt und wirklich zu 100% ehrlich ist mit der Aufarbeitung. Oft läuft es doch so, dass dann einfach nur das gesagt wird, was der andere hören will, damit möglichst schnell wieder Ruhe ist und Gras über die Sache wächst.
Sich zu trennen und mit Einsamkeit, Liebeskummer, Selbstzweifeln, Ängsten, Sorgen und darüber hinaus noch mit Scheidung, Hausverkauf und Sorgerecht kämpfen zu müssen, ist da sicher die schwierigere Variante. Und dann noch sich wieder aufbauen, das alles aufzuarbeiten und irgendwann wieder vertrauen zu können für eine neue Beziehung, ist auch nicht so leicht. Langfristig lohnt sich aber die Trennung, weil man nur dann die Chance hat, eine/n Partner/in zu finden, der/die einen wirklich zu schätzen weiß und nicht das Vertrauen scharmlos ausnutzt.
Nein Nein das verzeihen ist nach dem Betrug viel schwieriger ! Mit jemanden an der Beziehung zu Arbeiten der einen Betrogen hat. Sich den ganzen Stellen zu müssen!
eine Scheidung ist da der einfache Weg. Glaub mir ich spreche aus Erfahrung zwar keine Scheidung aber ich denke das spielt keine Rolle. Die Trennung der neu Anfang war viel einfacher. Zum Vergleich es ist leichter sich ein neues Auto zu kaufen als einen Total Schaden zu reparieren