Zitat von E-Claire:Das ist ein guter Ansatz.
Das Ding ist nur, der Dritte hatte Einfluss. Dabei kommt es nicht darauf an welchen, denn seien wir ehrlich, egal, was der Partner erzählt, dieser war offen für einen Dritten.
Wie kann man jemandem keinen Raum geben, der gleichzeitig so maßgeblich für die Veränderung in der Beziehung, also Ursache für die Veränderung, war?
Wie schafft man es den Dritten, der vom anderen erwählt wurde, so zu relativieren, daß dieser zwar Anlass für den supertollen Neubeginn der Beziehung ist, aber ansonsten nichts wert?
Um das ein bißchen zu verdeutlichen, an welcher Stelle schafft man es sich in jemanden zu verlieben, der seit langem vergeben ist, ohne zu realisieren, daß der andere nur so ist, weil er mit (!) jemandem anderen seit xyz Jahren ist?
Mir geht es nicht ums Verzeihen (so glaube ich), mir geht es um die Diskrepanz dessen, was der Dritte, wenn es einen neuen Anfang gibt, bewirkt und wie er, obwohl er Auslöser für den Neuanfang ist (keine Krankheit nicht über einen herein gebrochen sondern erwählt) gleichzeitig so abgewertet werden kann, daß man an der seit 40 Jahren verheiratet Geschichte weiter festhält.
Kurzum, was passiert, wenn alle alles getan haben, damit die Affäre nicht nur aufhört sondern überwunden wurde. Was ist danach? Wenn der gemeinsame Entschluss, den Neuanfang zu wagen, in die Tat umgesetzt wurde. Das Feindbild, der/die andere verschwunden ist, und man sich gegenseitig auf die Schulter klopft und nach langem Hadern sagt, es hätte uns nichts besseres passieren können (übertrieben gesprochen).
Was ist dann?
Nicht nach drei Wochen oder Monaten, sondern an welcher Stelle, lebt man ein authentisches Leben weiterhin, in der der Dritte Anlass der Rettung war und man diesen gleichsam zu einer Fußnote verkommen lässt, weil hinschauen schwierig ist?
Was für mich an all dem schwierig nachzuvollziehen ist, das Problem ist, ohne den Dritten keine Veränderung, aber nach der Veränderung wünscht man sich, den Dritten ins hinterletzte Ecklein verdrängen zu können. Ich bin vertraut mit Unfällen, ich bin vertraut mit dem Tod, all das verändert, obwohl es so weh tut, so schwer ist, aber es verändert, wenn man glück hat und Hilfe.
Aber die Ambivalenz bleibt. Ich hätte auf den Unfall verzichten können, über die Todesfälle naja mag ich nicht reden, jedenfalls nicht so, beides hat zu auch super positiven Veränderungen geführt und mich wachsen, reifen und ernten lassen. All das sind Dinge, die ich nicht habe beeinflussen können.
Mein Partner sieht keine andere Möglichkeit in unserer Beziehung, als diese einseitig zu kündigen? Ich verstehe super, was einen hält.
Ich verstehe nur nicht, wie ich etwas als blessing in disguise für mich selbst annehme und diesen Fluch gleichzeitig noch Jahre später entwerte.
Ach und jetzt nicht falsch verstehen, ich habe keinen Zweifel daran, daß das geht. Es gibt genug Beispiele hier oder allgemein im Forum oder aber besser im echten Leben, wo das Menschen natürlich hinbekommen. Vieles davon verstehe ich.
Meine Frage aber bleibt. der Neuanfang ist nicht trotz (!) dessen gelungen, sondern Aufdecken der Affäre oder eben Zugeben, war der Moment, in dem Neu-Anfang beginnt. Daher nicht trotz dessen, das gibt es nicht, sondern aufgrund.
Ehrlich, mit all dem, was ich weiß, mit all dem, was ich fühle, emotional ist mir klar, wie es zU einem Neuanfang kommt, aber eben nicht, wie es bei dem langfristig bleibt, bleiben kann.
Jedenfalls nicht, ohne daß ich die Außenbeziehung extrem aufwerten müsste.
Liebe E-Claire, vielen Dank für diesen tollen Beitrag und die vielen interessanten Fragen. Ich versuche mal einige Antworten zu geben, zumindest ansatzweise. Ich kann allerdings nur aus der Sicht einer Frau antworten, die eine - nennen wir es mal -Außenbeziehung oder genauer gesagt Zwichenbeziehung hatte. So wirklich betrogen habe ich meinen Partner nicht, denn er war ja zu jeder Zeit im Bilde. Dennoch gab es diesen Dritten, der in unserer Beziehung zu einer Unterbrechung und fast zu ihrem Ende geführt hat. Welche Rolle spielt er heute ?
Nun für mich war er damals sowas wie ein Rettungsanker oder schien es zumindest zu sein, als ich in meinem Leben in einer Sackgasse gelandet war. Ich hatte viele Probleme damals, viele die noch aus meiner Kindheit und Jugend herrührten. Ich hatte einiges zwar erreicht im Leben aber längst nicht alles. Viele Träume waren zerbrochen und ich war in der typischen Midlife-Krisensituation mit der Frage angelangt, ob das nun schon alles gewesen sein soll. Mein Partner konnte und wollte mir darauf keine Antworten mehr geben. Für ihn war alles ok, er war zufrieden. Er hatte auch die meisten seiner Lebensziele umsetzen können, war beruflich erfolgreich, hatte mit mir die Frau die er liebte an seiner Seite. Er hatte unser Haus gebaut und ich habe ihn da frei gestalten lassen. Er war mit seiner Ursprungsfamilie glücklich und im Reinen und er konnte meine latente Unzufriedenheit einfach nicht mehr nachvollziehen.
Als ich begann mich beruflich weiter zu entwickeln oder besser gesagt, mich endlich überhaupt zu entwickeln, bekam seine Idylle Risse. Plötzlich war ich oft weg, war nicht mehr jederzeit verfügbar und das sorgt bei ihm nun wiederum für Unzufriedenheit. Als ich dann noch durch den Tod meiner Eltern in tiefe Trauer rutschte und er auch emotional nicht mehr an mich heran kam, da tauchte dann der berühmte dritte auf. Und der hatte leichtes Spiel. Er war nicht in mich verliebt, er war einfach nur selbst auf der Suche nach Ablenkung, wollte es nochmal so richtig krachen lassen. Ihm war dazu jedes Mittel recht und er kam mir gerade recht. Es kam viel zusammen damals. Ich verliebte mich unsterblich und die Hormone gaben mir und unserer Partnerschaft den Rest. Also trennte ich mich, in der Hoffnung so meinem persönlichen Jammertal zu entkommen und mit dem anderen ein völlig neues Leben beginnen zu können. Das der alles andere als das im Sinn hatte, wusste ich nicht. Er hatte mir ja ein anderes Bild von sich gegeben. Vermutlich weil er genau wusste, das ich keine Frau für leichtfertige Abenteuer war.
Nun,ich will hier gar nicht weiter davon erzählen. Nur soviel, damit dir unsere Situation klarer wird. Worum ging es also bei unserer Geschichte? Einfach gesagt, es ging um die Heilung persönlicher Wunden, die wir alle drei mehr oder weniger davon getragen hatten. Ich wollte mit dem Ausbruch aus der bestehenden Partnerschaft meine Wunden heilen. Mein Partner wollte durch das Festhalten an mir und unserer Beziehung seiner Verlustangst entgegen wirken. Und der dritte, tja der wollte sich einfach munter durch die Gegend föhgeln, um sich als toller Hecht und begehrenswerter Mann zu fühlen. Er war nämlich ansonsten eher ein sehr schwacher Charakter, der jedem Konflikt aus dem Weg ging und sich durch Lügen und Halbwahrheiten lieber weg duckte, statt zu kämpfen.
Jeder von uns dreien hatte also eklatante Defizite, die in verheerender Weise aufeinander trafen und zur Katastrophe führten. Nachdem aber dann klar war, das mein ersehnter Neuanfang auf Sand gebaut war, war ich dermaßen im Arrsch, das ich nun wiederum wie ein Häufchen Elend auf dem Boden der Tatsachen angekommen war. Ich saß in meiner kleinen schimmeligen Wohnung, hatte den Job verloren, war psychisch krank und körperlich ein Wrack. Und da kam dann mein Partner wieder ins Spiel und sammelte auf, was von mir übrig war. Ich ließ es geschehen, weil ich für alles andere zu schwach war.
Tja und dann begann das große Aufräumen mit Hilfe einer Therapie. Die Wunden, die bis dahin im verborgenen geschwelt hatten, wurden offen gelegt und wir zeigten sie einander. Also in erster Linie mein Partner und ich. Ich zeigte auch dem Dritten meine Wunden in diversen Briefen, die ich eigentlich eher zur Selbstheilung schrieb als für ihn. Ihn interessierte das Ganze nämlich einen feuchten Kehricht. Er war längst weiter gezogen zur nächsten, bzw. zu der Frau, die auch während unserer Geschichte schon parallel immer dabei war. Ob und welche Lehren er aus all dem gezogen hat, ist mir nun wirklich wurscht. Es ist seine Sache und seine Wahl. Es interessiert mich nicht mehr.
Für meinen Partner und mich aber war das alles Grund genug, einander sehr viel mehr zu öffnen, als es jemals vorher der Fall war. Wir mussten einander unsere tiefen emotionalen Verletzungen zeigen und uns gemeinsam daran machen, diese zu heilen. Einfach war das sicher nicht. Im Gegenteil, es war schmerzhaft. Teilweise nicht zum Aushalten. Aber heute kann ich sagen, ist es uns gelungen. Wir sind einander näher als wir es jemals vorher dachten. Und wenn alte Muster zum Vorschein kommen, können wir sie nun einordnen und behandeln. Manchmal ist es dafür notwendig, sie auch wieder anzusprechen und so den anderen erneut zu erden. Aber alles das ist inzwischen Routine und bedarf nicht mehr irgendwelcher dramatischer Diskussionen.
Wir sind also an dieser Sache sehr gewachsen und stellen uns nun auch unseren Defiziten und unserer Vergangenheit. Der Dritte war dazu nur der Auslöser, der damals einfach mit seinen Baustellen wie ein fehlendes Mosaikteil in unser Beziehungssystem passte und es auseinander sprengte. Insofern bin ich dafür fast schon dankbar, denn ohne das wäre sicher vieles immer noch im Argen. Tja und deshalb bin ich dem "Zwischenmann" auch heute nicht mehr böse. Er hatte einfach seine Bedüftigkeiten, die er an mir zu stillen versuchte. Ich denke seinen Preis dafür hat er bezahlt. Auch wenn ich nicht glaube, das er daraus langfristige Lehren gezogen hat. Aber er wird sich sicher nie wieder an eine vergebene Frau auf seiner Arbeitsstelle heran machen. Dieses Jagdrevier habe ich ihm gründlich vermasselt.
Tja, ob man das alles unter den Namen der Liebe oder gar Seelenverwandtschaft stellen kann, weiß ich nicht. Für mich ist Liebe heute ein sehr abstraktes Wort geworden. Ich glaube Liebe fängt da an, wo Gefühle schon längst an ihre Grenzen gestoßen sind. Und insofern kann ich sagen, ja wir leben unsere Liebe 2.0. Und das sehr zufrieden und erfolgreich. Alles in Allem.
Liebe Grüße