Sister_of_Night
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ich suche verzweifelt nach Rat und möchte euch meine Geschichte erzählen.
Ich bin seit 2015 mit meinem Mann zusammen, seit 2016 verheiratet. Wir haben eine süße, bezaubernde Tochter von 3 Jahren. Wir stammen beide von ultrakonservativen Familien und hatten nicht viel Zeit uns richtig vor der Ehe kennenzulernen und haben nie zusammengelebt, in den Urlaub gereist etc. pp. D.h. Wir haben mit 24 geheiratet und sind dann erst zusammengezogen.
Trotzdem haben wir aus Liebe und freien Stücken geheiratet, waren über beide Ohren ineinander verschossen und für uns stand schnell fest, dass wir unsere Leben miteinander verbringen wollen. Romantisch, kitschig und naiv, wenn ich heute darauf zurückblicke. Ich denke, ich war damals auch eine andere Frau und wollte meinem strengen Haus auch i.wo entfliehen.
Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass mein Mann und ich sehr unterschiedlich sind. Ich bin sehr emotional, eitel, extrovertiert, will viel erleben, bin chaotisch und impulsiv. Mein Mann ist analytisch, lässt sich etwas gehen, zurückhaltend, stur, streng ordnungsliebend und kann seine Gefühle schwer zeigen und wirkt auf andere Menschen langweilig und kalt. Wir sind quasi wie Tag und Nacht. Dennoch haben wir in vielen Bereichen des Lebens die gleichen Ansichten, mögen das Reisen und Gaming, meine Familie liebt ihn und seine mich, funktionieren heute (!) als super Team für unsere Tochter , kurzum - wir sind eine richtige Familie, vielleicht schon zu viel. Er ist schon für mich „wie ein Bruder“ geworden, mein bester Freund. Romantische Gefühle, Intimitäten und Dates gibt es kaum noch, ich will ehrlich gesagt kaum und ich bin froh, wenn ich alleine bin, besonders jetzt, denn:
Anfang 2022 kriselte es extrem zwischen mir und meinem Mann. Wir haben viele Meinungsverschiedenheiten gehabt, bzgl. der Erziehung unserer Tochter (ich war überfordert als Mutter) wollten umziehen aber kamen nicht auf einen gemeinsamen Nenner wegen einer neuen Wohnung, hatten finanzielle Sorgen, ich hatte Performance-Probleme im Job den ich letztendlich verlor, also insgesamt viele Probleme wo er mich alleine ließ (weil er wohl in seinem alten Job auch nicht glücklich war und keinen Kopf für mich hatte).
Im Juni 22 arbeitete ich noch in meiner alten Firma und ein neuer Arbeitskollege fing an. Zunächst war er mir egal, dachte mir nichts bei, aber mir fielen seine Blicke auf und weil er oft das Gespräch mit mir suchte. Leider war dieser Mann optisch absolut mein Typ, machte mir immer wieder wertschätzende Komplimente, was ich von meinem Mann so nie kannte, hatte einen erfrischenden Humor und war so herrlich entspannt, top angezogen und gepflegt. Mit anderen Worten: das krasse Gegenteil von meinem Mann.
Es kam wie es kommen musste - ich verliebte mich Hals über Kopf in ihn, obwohl ich mich so schämte und moralisch nicht wollte. Ich war aber ehrlich und teilte von Anfang an mit, dass ich verheiratet sei und eine Tochter habe. Dennoch haben wir immer noch viel herumgealbert, zusammen gelacht und ich hatte mich einfach gefreut, zur Arbeit zu gehen und das traurige Heim hinter mir zu lassen. Ich vertraute ihm sogar private Probleme und Geheimnisse an. Er wurde der Lichtblick in meinem Leben und hab mir die Lebensfreude zurück und machte mich zu der fröhlichen, lebendigen Frau, die ich einmal war.
An einem Teamevent im August änderte sich alles. Wir waren Kanufahren und durch einen Trick schaffte ich es, dass AM und ich in ein Kanu kamen. Er wirkte sichtlich nervös; wollte die ganze Zeit zu den anderen Kollegen aufschließen, die auch Kanu fuhren und tauschte am Ende sogar den Platz. Ich war ziemlich verwirrt und verletzt. Beim anschließenden Restaurantbesuch jedoch setzte er sich mir gegenüber, trat mich „ausversehen“ unterm Tisch, schüttete mir ohne zu fragen Wasser ein und schob meinen Stuhl zurück, damit ich aufstehen konnte, flirtete scherzhaft mit mir, als wäre nichts gewesen. Ich verstand die Welt nicht mehr. An dem Abend kam aber auch raus, dass er jemanden seit 2 Monaten datete, was mich zutiefst enttäuschte. Wieso diese Romanze, wenn er doch auch jemanden hatte?
Als Wut darüber begann ich ihn zu ignorieren. Ziemlich dumm wenn ich daran zurückdenke…doch ich war so verletzt und dachte auch generell, es macht keinen Sinn. Das hielt ihn aber nicht ab. Er begann hartnäckiger das Gespräch zu suchen, folgte mir, wollte plötzlich, dass ich ihm bei banalen Aufgaben im Büro helfe, bis er schließlich platzte und mich konfrontierte: „was ist los mit dir? Du bist ganz anders als sonst. So kenne ich dich gar nicht!“
Ich wünschte ich könnte mir dafür eine reinhauen, aber auch da wehrte ich ihn ab und meinte mit mir sei nichts. Daraufhin meinte er skeptisch, dass er mir dann wohl glauben müsse.
Eine Woche später bereite ich es und bat ihn aber um ein Gespräch (wir befinden uns noch im August 2022). Dort wirkte er sichtlich nervös und ich sprach ihn drauf an, mit Tränen kämpfend, warum er so komisch sich beim Kanufahren verhalten hatte. Daraufhin sagte er mir, dass er sich normal verhalten hatte, erwähnte aber so ganz nebenbei „was ich am Wochenende denn mache“ und auf meine Rückfrage dann „dass er mit seiner Freundin was essen geht“.
BAM. Der saß.
Aus Wut darüber, so bloßgestellt worden zu sein (weil ich ja quasi mit dem Gespräch aufsuchen schon halb meine Gefühle offenbart habe), sagte ich: „ok viel Spaß“ und klopfte ihm freundschaftlich auf dem Arm und ging fort. Von da an veränderte er sich komplett.
Er ignorierte mich in Meetings, ging mir aus dem Weg, antwortete nicht mehr oder sehr spät und oberflächlich auf meine MS Teams Nachrichten. Ich sprach ihn einmal darauf vorsichtig im Büro an, wo er mich mitten im Wort abwürgte und auf „lass uns gerne später reden“ vertröstete (später fand nie stand). Das ganze zog sich bis Ende November 2022. In der Zwischenzeit hatte ich erfahren, dass mein befristeter Vertrag auslaufen würde und ich das Unternehmen verlassen zu Ende November 2022 müsste. Ich war ohnehin deswegen am Boden zerstört, und den AM nicht mehr sehen zu können, machte es doppelt so schwer. Kurz bevor ich gehen musste, schrieb ich AM eine letzte Nachricht, diesmal etwas wütender, ob er denn ein Problem mit mir hätte. Da kam seine Antwort, genau weiß ich es nicht mehr, etwa: „ich möchte Abstand von privaten Nachrichten von dir nehmen und dass wir uns bitte nur über die Arbeit unterhalten, damit wäre wohl deine Frage inkludiert, ob ich ein Problem mit dir hätte, danke für dein Verständnis“. Damit hatte er mir nochmal das Herz gebrochen, weswegen ich diesmal ausholte und zurückschoss: “für dich zählt anscheinend nur das Business, du bist ja wohl doch nicht so sympathisch wie du tust und ich
Möchte dann auch nichts mehr mit dir zu tun haben - trotzdem dir alles gute“. Das war unser letztes Gespräch. Danach verließ ich die Firma und wir standen uns nie wieder von Angesicht zu Angesicht. Kurz darauf löschte er mich aus LinkedIn, blockierte mich in Instagram (obwohl wir uns nie folgten!) und in WhatsApp (obwohl wir uns nie schrieben!).
Ich löschte dann alle seine Fotos, seine Nummer, und ging mit meinem Ehemann zur Caritas Eheberatung, um unsere Ehe wieder zu retten. Es half etwas, wenn auch nur für kurze Zeit. Dann begann ich selber mit einer Verhaltenstherapie, um alles geschehene aufzuarbeiten, in der ich bis heute bin.
Aber ich kann den AM bis heute nicht vergessen. Ich träume von ihm, ich wünsche mir, dass es bei mir wäre, wenn ich mit meinem Mann (selten) intim bin, dann kommt er oft in meine Gedanken, ich kann einfach nicht damit abschließen. Ich bin einfach immer noch unglücklich fremdverliebt in ihn.
Letztes Jahr habe Ich ihn gesehen, durch Zufall. Er fuhr mit dem Fahrrad vorbei. Daraufhin schrieb ich ihn an in LinkedIn und bat ihn um ein Gespräch, wo wir uns aussprechen können. Was passierte? Er blockierte mich auch da. Was soll das? Ich verstehe dieses Wesen nicht. Ich möchte ihn ja vergessen, aber ich schaffe es einfach nicht. Meine Therapeutin meint, ich leide an Angst- und Zwangsstörungen. Ich nehme auch Medikamente und habe vieles aus meiner Erziehung aufzuarbeiten einen.
Ich denke, meine Ehe ist am Ende. Der AM war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auch wenn nichts schreckliches passiert ist, so ist unsere Ehe lieblos und die Vorstellung, bis ans Ende meines Lebens so weiterzuleben ist ein Alptraum. Ich bleibe nur wegen meiner Tochter bei ihm und weil der Druck meiner konservativen Familie extrem hoch ist. Wäre etwas mit dem AM in Richtung physische Affäre gegangen, so hätte ich mich von meinem Mann absolut getrennt. Er ist ein sehr guter Mann, er hat es nicht verdient, so behandelt zu werden und das ist auch nicht meine Art. Ich hatte auch überlegt, es ihm zu sagen, aber ich möchte nicht, dass unsere Familien davon Wind bekommen, das Theater kann ich mir sparen.
Ich bitte um Meinungen, die NICHT verurteilen (es ist ja nichts passiert) und Erfahrungen von diejenigen, die in ähnlichen Situationen waren. Wie konntet ihr den AM vergessen? Was hat euch geholfen? Ich meine bei mir sind es schon fast 2 Jahre und ich habe keinerlei Verbindungen mehr zu ihm…warum lässt es mich nicht los. Es geht nicht darum irgendeinen Mann zu haben, es ging wirklich um IHN selbst. Sonst hätte ich in der Zwischenzeit natürlich wen anders finden können.
Danke.