ThomasS
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Zitat von tonja:Fast klingt es in meinen Ohren so, als wärst du in die Ehe und Familie hineingerutscht
Hineingerutscht in die Ehe. Wohlmöglich glaube ich manchmal selbst daran, aber damals war ich schon ganze 27 Jahre alt, also ein mündiger Mensch, sollte man meinen.
Meine Frau kämpft derweil um unsere Ehe. Ich versuche mich darauf einzulassen. Sie sagt, dass sie nicht glauben kann, dass da nie etwas gewesen sein soll, und dass schon eine gewisse Liebe da gewesen sein muss, als wir uns für die Ehe entschieden.
Zwischenzeitlich habe ich auch wieder mal mit einem Psychologen gesprochen (einem Landsmann meiner Frau). Später sprach auch sie noch einmal (2. Mal) mit diesem Mann. Der Psychologe hätte sie "fertig" gemacht, aber im "positiven Sinne" meinte sie. Sie wird zunehmend auf Fehler aufmerksam (bzw. aufmerksam gemacht), die sie auch selbst begangen hat. Scheinbar liegt es also nicht ausschliesslich an mir, dass so eine grosse Lücke zwischen uns entstehen konnte, in die nun eine dritte Person hineingetreten ist. Leider muss ich feststellen, dass ich von meiner Frau emotional immernoch sehr distanziert bin. Das wurde natürlich durch die andere Frau forciert. Kürzlich fand ich heraus, dass das, was mir passiert ist, einen Namen hat:
"Die Emotionale Affäre"
Wenn man das googelt, dann ist der Grundtenor, dass Frauen eine kurze s.uelle Affäre oft verzeihen können. Aber emotionale Affären wiegen deutlich schwerer. Gravierend kommt hinzu, dass es viel schwieriger ist, emotionale Affären loszulassen und das ist genau, was ich erfahre.
Ich bin ja immernoch dabei zu verstehen, was diese Frau an sich hat, das mir meine Frau nicht geben kann. Dabei meine ich aber nicht die offensichtlichen Attribute, wie Begeisterung für ähnliche Sportarten, oder dass sie auch Naturwissenschaftlerin ist und der Gleichen.
Um das zu beantworten muss man sich ja die Frage stellen, "wer man ist" und das beginnt man am ehesten mit einer Auflistung dessen, was man im Leben für wichtig und erstrebenswert hält. Wie vermutlich die meisten Menschen, suche auch ich da in meiner frühen Jugend. Etwas zu wenig Anerkennung vom Vater, liebevolle, aber übergriffige Mutter und gut 10 Jahre Ablehnung von Mitschülern hinterlassen den tiefen Wunsch, "es allen zeigen" zu wollen. Darum glaube ich heute, dass ich deswegen in allem was ich tue, nach Verbesserung strebe. Zum einen weil ich es kann und vielleicht auch will, aber zum anderen wohlmöglich aus Zwang. Meine Frau ist, was das angeht ziemlich bequem. Entsprechend versteht sie meinen Drang, weiterzukommen, nur bedingt.
In diesem Wertesystem jedenfalls erscheint meine Frau deshalb bestenfalls im Mittelfeld. Die "Andere" jedoch rangiert sehr weit oben. Anerkennung von Menschen, zu denen man selbst aufschaut ist bestimmt für jeden Menschen eines der schönsten Gefühle. Wenn dieser Mensch dann aber mehr als nur Anerkennung für einen übrig hat, dann ist das einfach unwiderstehlich und ich glaube momentan, dass dies der eigentliche Grund ist, warum ich diese Frau nicht vergessen kann/will.
Wenn ich das ganze umdrehe, verstehe ich jetzt auch etwas mehr, warum ich konstruktive Kritik von meiner Frau (und anderen) so schwer annehmen kann (obgleich ich es meist trotzdem tue). Ich empfinde es wohlmöglich als "ehrverletzend/beleidgend", von jemandem kritisiert zu werden, der in meinem Wertesystem nicht weit genug oben steht. Ich sehe da einen Mangel an Demut bei mir selbst und daran muss ich arbeiten. Wohlmöglich wird mich meine jetzige Situation auch etwas Demut lehren.
Nun frage ich mich noch, warum es mir nicht genug ist, zu wissen, dass ich diese "Selbstbestätigung" theoretisch von der "anderen" bekommen habe. Warum verschafft mir das nicht Seelenfrieden, so dass ich nun doch bei meiner Frau bleiben will?