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Unglücklich in der Ehe mit Kinder - bleiben oder gehen?

Lisssssiii

Weil seine Probleme nix mit seiner Frau zu tun haben.
Sondern mit ihm. Es gibt kein Wunder und ein Partner ändert einen komplett von heute auf morgen. Meist fällt man nach Monaten in sein altes verhaltens Muster zurück.

28.11.2018 20:19 • #91


Florentine

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@lissssiii
Demnach wäre es aber völlig egal, mit wem man zusammen ist.
Ich kann nicht sagen, dass ich mit meinem Ex dieselben Probleme hatte, wie mit meinem Mann.
Auch halte Ich die Chance für gering, dass er bei aller Arbeit an sich selbst plötzlich morgens aufwacht und denkt: "Wow, super Frau, auf die habe Ich wieder Lust!"

Ich kann für meinen Teil sagen, dass die Gründe und Gefühle deretwegen ich meinen Mann damals geheiratet habe, heute einfach nicht mehr zu meiner Person passen.

@ThomasS
Die ganz kurze Version: ich habe immer unter einem sehr schwachen Selbstwertgefühl gelitten, wusste das aber selber nicht. Ich konnte nicht gut allein sein, brauchte viel Bestätigung von außen.
Mit meinem Mann war es nie das ganz große Gefühlskino. Das war mir bewusst und ich habe damals ganz entschieden gesagt: brauche ich für mich nicht, was Solides reicht mir, weil ich Angst hatte und weil ich geschmeichelt war und nicht den Mut hatte, abzulehnen.

Viele Jahre war das so. Ich habe mich sehr nach meinem Mann ausgerichtet. Wir hatten viele Probleme (Wohnsituation, Job) und diese Probleme hielten alles am Laufen.
Nach dem 1. Kind setzten Änderungen ein. Paarberatung. 2. Kind. Wieder Probleme.
Mein Mann ist ein Eigenbrödler, schwer zu motivieren, antriebslos.
Ich fühlte, wie es mich in den gleichen Sumpf aus Desinteresse und mangelnden sozialen Kontakten zog, es stimmte nicht für mich. So bin Ich doch eigentlich gar nicht?
Ich ging zur Therapie, entwickelte mich und Selbstwertgefühl.

Heute merke ich ganz deutlich: SO will ich keine Beziehung leben. Ohne Gemeinsamkeiten, ohne Zeit, die man GERNE und SINNVOLL miteinander verbringt. Ich möchte nicht für all das zuständig sein und investieren und machen und tun und ziehen.
Eine Beziehung kann und sollte meiner Meinung nach doch nicht über derart lange Zeiträume einfach nur ermüdend und "still" sein.

Thomas, ist es denn wirklich wichtig, ob diese Trennungsgedanken durch die andere Frau ausgelöst wurden?
Manchmal braucht es einen Impuls von außen. Jemanden, der einen mit der Nase drauf stößt. Wie der alte Kumpel, der sagt: "Junge, bist du fett geworden! Tu mal was!"

Bei mir ist kein anderer Mann im Spiel und ich kann dir trotzdem nicht sagen, ob es richtig ist oder falsch oder ob diese "Idee" einer anderen Art von Beziehung, die ich gerne führen möchte, realistisch ist oder nicht oder ob es nur eine "Phase" ist und wieder vorüber geht.

Ich weiß nur für mich, dass dieses hier mich unglücklich und einsam macht.
Ob etwas anderes nachkommt, ob ich irgendwann feststelle, dass dies hier doch richtig war und bereue, ob ich mich wieder in meinen Mann verlieben kann, ob ich irgendwann jemanden treffe, mit dem es leicht und glücklich wird:
Das alles kann ich nur herausfinden, wenn ich ausspreche, was ich fühle

Dazu hatte ich bisher nicht den Mut. Da bin ich wie du, schiebe, mache, tue und drücke mich vor dem Schnerz, der Auseinandersetzung. Weil es eigentlich ja "nur" still ist, die Orga funktioniert ja weitgehend und so...sollte ich Lust haben, die nÄchsten 30 Jahre weitgehend in Abstinenz zu verbringen, kann ich diese Ehe gemütlich durchziehen bis zum Ende.
Im Moment vermisse ich das nicht mal, ich fühle mich total a se xu ell, was an sich auch schon bitter ist
Aber ich erinnere mich, dass ich daran mal Spaß gehabt habe und dass möchte ich irgendwann doch nochmal erleben.

28.11.2018 20:59 • x 2 #92


mcteapot

Zitat von Lisssssiii:
Bei der nächsten werden wieder die gleichen Probleme auftreten. Arbeite an dir und eurer Ehe.

ich würde das so nicht sehen, klar können bestimmte Probleme wieder entstehen, aber da der Mensch ein Individuum ist, welches von verschiedensten Faktoren geprägt auf die Umwelt reagiert, ist die Chance, eine Partnerin zu finden, die exakt gleich reagiert, erschwindend gering

29.11.2018 00:59 • x 2 #93


Gretel

Gretel

2036
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1970
Ich lese hier nur in möglichst vertrackte Verkopftheit sublimierte

Angst, Angst, Angst.

29.11.2018 01:03 • #94


ThomasS


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Angst kann alles blockieren. Es zu benennen ist aber nur der erste Schritt, es sollte nicht abgetan werden. Angst hat einen Grund. Wer diesen Grund nicht erkennt oder verleugnet, wird IMHO nicht wirklich weiterkommen.

Zum Eherversprechen:
Dazu habe ich zwar eine konkrete Meinung, aber mich würde hier mal interessieren, was eurer Meinung nach die Grundlage dafür ist, ein Eheversprechen überhaupt abgeben zu können.

29.11.2018 10:59 • x 1 #95


Florentine

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@ThomasS
Angst habe ich auch, natürlich.
Wer möchte schon aus einer Sektlaune heraus die eigene Familie einreißen?
Diesen Schutz, diese Sicherheit bei der Entscheidung, die ich mir wünsche: ich beginne zu ahnen, dass es eine Illusion ist, die ich zu erreichen versuche.
Denn genau hier, an dieser Gabelung, habe ich größte Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen und verharre daher im Konjunktiv (ich müsste/ich hätte/ich sollte).
Die Ursachen für diese Angst sind vielfältig und diese bearbeite ich grade in meiner Therapie, weil ich sonst niemals in der Lage sein werde, eine Entscheidung zu treffen, obwohl ich dringend spüre, dass ich eine Entscheidung brauche.
Ich würde einfach immer so weiter machen, das merke ich und mein Verstand sagt mir, dass ich das irgendwann bittet bereuen werde.

Was meist du mit "Grundlage für das Eheversprechen"?

29.11.2018 21:51 • #96


Lisssssiii

Lieber Thomas meine Gründe warum ich, dass Eheversprechen gab:
Ich kann mit meinen Mann lachen aber auch weinen. Wir können Spass haben aber auch streiten und uns auch mal anschreien ohne das einer geht. Natürlich fallen da keine Schimpfworte und es kommt vll 1-2 mal im Jahr nur vor, nicht ständig aber für uns ist das manchmal wie belast abwerfen.
Es gab schon vor der Ehe kein meins oder deins, wir waren vom ersten Moment an ein WIR. er ist mir nicht böse wenn er heim kommt und sieht, dass ich ein Katzenbaby das ausgesetzt wurde, bei uns kurz zeitig zu Hause ist. Er weiß, dass ich dem Racker nur helfen wollte und hat Verständnis dafür. Er hört mir zu wenn ich sorgen habe. ich kann ihn immer anrufen und er wird sich die Zeit nehmen auch wenn er im Stress ist in der Arbeit. Wir hielten zusammen als kein Geld mehr da war. Uns reichte es zusammen zu Hause zu sein. Wir haben beide unser Ziel nicht aus dem Augen verloren und uns sogar eine 160m2 Neubau Wohnung gekauft.
Wenn ich krank bin kocht er mir Tee wenn ich Rückenschmerzen hab krault er mich.
Klar ist es nicht immer Sonnenschein aber wir beide versuchen immer mit einander zu reden jeder darf seine Wünsche äußern. Und jeder von uns beiden hat seinen Freiraum seine Zeit für sich. Trotzdem teilen wir alles mit einander zb erzählen wie es mit den Mädels war usw.

Und genauso kann er von mir die selben Dinge haben. Wie in der früh wenn es so kalt ist, geb ich ihm Tee mit für die Baustellen. Ich koche mehrmals in der Woche. Kaufe die Wurst ein die er gerne mag. Mache für ihn zb Arzt Termine aus wenn er es besonders stressig hat.

Eine Beziehung gehört einfach dauerhaft gepflegt. Und ja es ist arbeit aber diese sollte mit Leichtigkeit passieren und nicht mit Kampf. Man sollte von Herzen aus sich um den Partner bemühen. Und es sollte auf Gegenseitigkeit passieren.

29.11.2018 23:35 • #97


Florentine

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Ich wollte irgendwo ankommen. Ich war Mitte 20, fühlte mich entwurzelt und allein.
Von meiner langjährigen Jugendliebe war ich getrennt, nach zähem Kampf und viel Herzschmerz.
Ich zog um, studierte, doch aus irgendwelchen Gründen gelang es mir nicht, "stabil" in der Uni anzukommen. Diese typischen Studentenfreundschaften hatte ich nicht, nur eine unglückliche Verliebtheit in einen WG Mitbewohner, der sich dann doch für ein anderes Mädchen entschied.
Da trat mein Mann auf. 11 Jahre älter. Das macht mir Angst und eigentlich dachte ich: das will ich nicht, der ist zu alt. Optisch hatte er mich auch nicht von Hocker gerissen. Etwas spießig, nicht unattraktiv.
Er umwarb mich beharrlich und mit viel Engagement. Wir trafen uns öfter. Redeten viel, hatten guten S.. Ich...was soll ich sagen? Ich gewöhnte mich daran. Die Beziehung war holperig zu Beginn, Fernbeziehung.
Nur eineinhalb Jahre später heirateten wir und zogen danach erst zusammen.
Ich dachte damals: ok, so ist das.
Du bist jetzt aus deiner Jugend raus. Da ist einer, der findet dich wirklich toll, er ist erfahren, klug, witzig. Er sieht nicht schlecht aus, ist zuverlässig und hört zu. Du wirst arbeiten und ein ganz normales Leben führen, wie alle anderen auch und das ist ok. Mehr ist sowieso nicht drin.

30.11.2018 00:32 • #98


ThomasS


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@Florentine

Schon erstaunlich, wie das teilweise dem, was ich so erlebt habe, ähnelt. Natürlich nicht in allen Details, aber die Einstellung, mit der Du scheinbar auf bestimmte Ereignisse reagiert hast, kommt mir sehr bekannt vor.

Und nun die schlechte Nachricht. Die Einstellung zu ändern ist sehr schwierig, wenn nicht a) der Leidensdruck oder b) die Begeisterung für ein neues Ziel groß genug sind.

Ich habe auch keine Ahnung, wie ich mich dazu motivieren soll, mich wieder aus vollem Herzen für meine Frau zu entscheiden. Es ist nicht da, obwohl auch sie eine gute, warmherzige, fürsorgliche Frau ist.
Es fühlt sich irgend wie schändlich an..


@lisssssiii
Da kann ich mich nur für Dich freuen. Nicht Weniges von dem, was Du aufgezählt hast, war bei uns auch mal so. Obwohl ich glaube, dass wir nicht so phänomenal gut sprechen konnten. Wir haben uns immer vertragen, aber ich glaube emotional ist trotzdem vieles nicht aufgearbeitet worden. Das hat man einfach beiseite geschoben und der Müllberg, der dadurch entstanden ist, ist nun über uns zusammengebrochen.
Könnte ich heute anfangen, würde ich sicher anders herangehen.

30.11.2018 15:31 • x 1 #99


Florentine

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Das stimmt.
Ich rede mit ja gerne ein, dass ich vor allem ihn nicht verletzen will und den Kindern den Schmerz ersparen möchte.
Daneben allerdings ist es ein nicht unerheblicher Teil auch: ich möchte mich nicht in dieser ausweglosen und schrecklichen Situation wiederfinden und nachher "Schuld" an der Trennung sein aus egoistischen Motiven heraus.
Denn ich kenne meinen Mann: wenn ich das einmal ausspreche, gibt es kein Zurück mehr.
Dafür ist er viel zu stolz.

Reden. Ja. Es fällt mir SEHR schwer, auch bei meiner Therapeutin, über meine Gefühle zu reden.
Mit meinem Mann ist es noch tausendmal schwerer.
Warum das so ist, weiß ich (noch) nicht.

Nächste Woche haben wir Hochzeitstag....

30.11.2018 16:29 • #100


ThomasS


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Schuld und egoistische Motive? Ja. Die Gedanken kenne ich.

Das mit dem Stolz kann ich zwar nicht beurteilen, aber ich dachte auch so von meiner Frau. Ich habe ihr vor zwei Wochen von meinem Gedanken erzählt, dass ich mir eine Wohnung nehmen sollte, weil ich so nicht weiterkomme (steht glaube ich alles auf Seite 6). Allein schon das auszusprechen war für mich unglaublich schwer und das hat sie auch deutlich gesehen.
Für Sie war es natürlich in dem Moment mindestens genau so schlimm. An dem Abend habe ich auch in einem anderen Zimmer übernachtet, weil sie mich darum gebeten hat. Sie hat zu meiner Überraschung aber auch gesagt, dass sie versuchen will, es zu verstehen. (es war auch ein längeres Gespräch und ich habe vorher ein paar Dinge von mir preisgegeben)
Sie hat mich gefragt, ob sie auf mich warten soll, wenn ich ausziehen würde. Meine Antwort war, dass ich das nicht von ihr verlange (auch nicht verlangen kann), aber dass ich es mir wünschen würde.
Aber wäre es gut, zu wissen, dass meine Frau auf mich wartet? Wäre es nicht heilsamer zu glauben ich hätte sie wirklich "verloren", und sie mich. Kann denn nicht erst dann ein echtes Umdenken einsetzen (in die eine oder andere Richtung)?

Bisher habe ich noch keine weiteren Schritte unternommen aber wenn/falls ich die Kraft aufbringen kann es auch noch konkret werden zu lassen, wird es bestimmt nochmal viel schlimmer.

Reden fällt mir immernoch schwer, aber ich versuche jetzt sehr in so eine Haltung zu kommen, dass es besser ist, auch unangenhme Dinge auszusprechen. Das kann zwar kurzfristig zu Konflikten führen, aber langfristig zahlt es sich aus.

Eigentlich eine ganz banale Einsicht, für die man nicht gerade einen Uniabschluß braucht...

Blöderweise habe ich unangenehme Dinge von Beginn unserer Beziehung an aufgeschoben.

30.11.2018 16:57 • x 1 #101


Florentine

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Zitat von ThomasS:
Blöderweise habe ich unangenehme Dinge von Beginn unserer Beziehung an aufgeschoben

Same here....leider.
Allerdings macht mein Mann das nicht wesentlich besser als ich, der war/ist ebenfalls unglücklich mit der Beziehung, hat aber von sich aus auch kein Gespräch gesucht.

30.11.2018 17:47 • #102


ThomasS


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Bisher dachte ich, dass er nicht so unglücklich ist.
Schon mal das gehört:
Lieber bekanntes Unglück, als unbekanntes Glück?
Das frage ich mich selbst fast jeden Tag.

Und weißt Du, was genau euch so unglücklich macht? Bei Dir klang es nach unerfüllten Erwartungen (wie es wohl auch oft ist)
Ich selbst habe den Fehler gemacht, zu Beginn unserer Beziehung eben nicht über meine Erwartungen zu sprechen. Aus Angst, meine Frau würde dann vielleicht "passen" (im Sinne von aussteigen), oder erkennen zu müssen, dass sie nicht die Richtige sein könnte. (zugegeben: Ich hätte auch wissen müssen, was ich eigentlich will...)
Mein geringes Selbstwertgefühl sagte mir: "Sei froh, dass Dich so eine überhaupt nimmt, Du Holzkopf!"
Ich glaube (weiß), meine Frau hätte sich durchaus andere Kerle aussuchen können.
Und heute könnte sie das sicher auch noch..
Nur mir bringt es rein gar nichts, das zu wissen.

Wie ist es, wenn Du versuchst, mit deinem Mann zu sprechen?

30.11.2018 18:28 • #103


Florentine

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Was mich unglücklich macht?
Wir Unternehmen nichts zusammen. Er hat kein Interesse an Freunden oder Aktivitäten, mit den Kindern tut er sich auch oft schwer.
Ich habe mit ihm schlicht keine Themen mehr. Habe nichts mehr zum Reden, keine Lust mehr, immer wieder dies und das vorzuschlagen, keine Lust mehr auf S. oder seine damit verbundene Erwartungshaltung.
Ich merke, dass ich über weite Strecken ganz gut alleine klar komme, er fehlt mir dann nichtmal.
Das macht mich unglücklich.
Er wiederum fühlt sich missachtet, nicht gewertschätzt und ungerecht behandelt.

Wie es ist?
Schwer zu beschreiben. Zunächst mal finde ich kaum einen Anfang. Dann gerate ich ganz schnell in eine Verteidigungs- und Rechtfertigungshaltung. Ich merke, wie ich ehrlich sprechen will, aber ich mich bremse...warum? Damit mein "Außenbild" nicht angekratzt wird, er nicht verletzt ist und mich immer noch toll findet...ich glaube, da geht es ganz viel um mein mangelndes Selbstbewusstsein
Beim letzten Gespräch fragte er mich, ob ich ihn noch liebe. In mir tobte es. "nein, ich glaube nicht. Ich weiß es nicht!" das wäre die Antwort gewesen. Ich wollte es sagen. Sah ihn an. Und was ich sagte war: "Ja."
Das fühlte sich schon beim Aussprechen falsch an. Dann war es raus und ich konnte es nicht mehr zurück nehmen.
Analog lief es über Jahre bei S. Themen oder bei allem anderen.

Ich arbeite mit meiner Therapeutin daran.
Sie meinte zuletzt, an sich wäre es heilsam, die Karten auf den Tisch zu legen, denn im Prinzip "betrüge" ich meinen Mann ja. Nicht körperlich aber trotzdem um die Wahrheit. Er weiß nicht, was wirklich in mir vor geht, weiß nicht um diese Widersprüche.
Aber allein wen ich mir vorstelle, ihm das alles zu erzählen, dreht sich mir der Magen um. Denn es ist ja nicht seine Schuld.
ICH habe nichts gesagt oder gesagt, was ich meinte, was er hören möchte.
Bevor ich darin nicht gefestigter dastehe, kann ich mein Trennungsgespräch führen. Ich würde über meine eigenen Wörter stolpern, mich verheddern, zurückrudern, einlenken....deshalb habe ich ihm als Einleitung für das letzte Gespräch einen Brief geschrieben.
Aber irgendwann muss ich das ja nun lernen...

30.11.2018 18:53 • #104


ThomasS


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Also mal sehen.
Es macht dich unglücklich, dass ihr nichts gemeinsam unternehmt, richtig? Und würdest du das gern? Z.B. wenn die Initiative von ihm käme?
Hobbies hat er keine? Gibt es etwas, das dich an ihm früher interessiert/begeistert hat?
Es klingt für mich ein wenig so, als ob du dir manchmal doch noch etwas von ihm erhoffst, vlt. dass er sich ändert/entwickelt. Ist das so? (sorry wenn das zuviele Spekulationen sind)

Mit dem Selbstwertgefühl ist das eine sehr verzwickte Sache. Vielleicht gibt Dir aber das hier einen kleinen Impuls:

An der Frau, die ich kennen lernte, habe ich viele Dinge bewundert. Ihre innere Stärke, ihren Mut, ihre Intelligenz, ihre Selbstsicherheit, ihre konsequente Haltung, ihre Souveranität und vieles mehr.
Aber all dies, konnte ich nur "sehen", weil es in mir etwas zum Schwingen gebracht hat, was schon vorher da war. Nämlich genau die o.g. Eigenschaften. Sie hat mir im Grunde gespiegelt, wer ich auch sein könnte.

Dein Selbstwertgefühl braucht vielleicht mal jemanden, der es dir spiegelt, damit du es überhaupt sehen kannst. Aber es ist definitiv da, sonst würdest du nicht soviel darüber nachdenken, sondern einfach nur unbewusst dahinexistieren und nicht wissen warum es dir eigentlich schlecht geht. Es will gewissermaßen befreit werden!

Ich habe gelernt, das es an dem Tag besser wird, an dem man beginnt, damit aufzuhören, sich in eine Opferrolle zu begeben. Das kann bedeuten, dass man sich eingestehen muss, dass einem auch "Fehler" unterlaufen sind, bzw. dass man auch mal falsch gehandelt hat. So what? Zu erkennen, das man selbst nicht ideal ist, fällt schwer. Aber es befreit auch von dem Druck, immer alles richtig machen zu wollen, vor allem für andere.

Mit den Gesprächen verhält es sich auch so. Ich will nicht der "Böse" sein, der die Frau verlässt. Aber was dann. Will ich bleiben und darüber jammern, warum das Leben so grau ist? Damit würde ich die Verantwortung für mein eigenes Leben abschieben. Das wäre nicht selbstbestimmt.

Ich bin noch lange nicht am Ziel, aber ich glaube, dass ich damit eine Richtung gefunden habe, in die ich mich nun weiterentwickeln will. Das kann auch letztlich Trennung und Leid bedeuten. Aber einfach so weiter machen, nach dieser Tortur? Nein! Keine Lust!
Es wird bei uns definitiv nochmal rund gehen und dann muss man das aushalten.
Es klingt vielleicht banal, aber es wird einen nicht töten, auch wenn die Angst genau das suggeriert, nämlich dass man sterben wird..

Du wirst aber nicht sterben, wenn Du plötzlich anfängst für dich einzustehen und deswegen existentielle oder Beziehungskonflikte aufbrechen.

Es braucht aber Zeit, um das zu verinnerichen und daran zu glauben. Da bin ich auch noch nicht wirklich angekommen. Aber es geht in kleinen Schritten voran!

Vielleicht findest Du auch bald deinen Einstieg. Ich wünsche es dir jedenfalls.

30.11.2018 22:52 • x 1 #105




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