@Bullymama
Guten Morgen,
ich musste erst einmal sehr tief durchatmen, als ich deinen Beitrag gelesen habe. Und dann fiel mir ein, welch wichtige Funktion du – ohne das zu wollen und zu wissen – für viele Mitleser hier haben könntest. Würde man mit nur einem deiner schweren Probleme konfrontiert, dann könnte man schon daran zerbrechen. Aber aus dem, was du hier öffentlich machst, spricht so unglaublich viel Stärke, Resilienz und Bewältigungsgewissheit, dass man als Leser Kraft und Zuversicht daraus gewinnen kann. Auch wenn du selber vielleicht manchmal an deiner Kraft und deiner Zuversicht zweifeln solltest.
Viele Leser könnten also angesichts dessen ihre eigenen übergroßen Probleme etwas relativieren. Und dabei könnten sie vieles von dir lernen. Ob ihnen das hilft, liegt dann bei ihnen.
„Alles hat seinen Sinn, man kann ihn oft nur sehr spät erkennen“ ist ein Satz, der billig Trost spenden könnte, den ich aber in meinem langen Leben immer wieder als zutreffend erlebt habe. Denn wenn wir uns darauf konzentrieren, unser Leben unter den JETZT herrschenden Rahmenbedingungen zu leben und auszukosten, dann hat dieses Leben einen Sinn, es kann Glückserleben beinhalten, es kann Halt geben. Würden wir stattdessen darüber nachdenken, „was alles hätte sein können, wenn…“, dann verpassen wir das Wichtigste. Und bei dir sehe ich die erste Variante. Du hast deinen Mann verloren, aber in dem Zustand, in dem er sich jetzt befindet, wäre er weder Halt noch Stütze. Er war damit überfordert sich so weit zurück zu nehmen, dass für dich, deine Krankheit und Eure Tochter genügend Raum und Aufmerksamkeit blieben. Es kam ins Schleudern und bog falsch ab. Da, wo er jetzt ist, geht es ihm sicher nicht so blendend, wie er glauben machen möchte. Denn die Schuldgefühle sind gewaltig, auch wenn er das nach außen nicht zeigt. Und ich finde es grandios, wie gut und nachhaltig du dich in der relativ kurzen Zeit von ihm distanzieren konntest.
Ich glaube, du hast bereits einen Sinn in dem Leben gefunden, das du jetzt führst. Ich habe auch den Eindruck, als könntest du „im Moment leben“ nach dem Motto „Carpe Diem“. Und wenn man das kann, ist nicht die Quantität der verbleibenden Tage entscheidend, sondern die Qualität. Deine Aufgabe besteht jetzt also darin, dich ausschließlich um die Qualität deines „Lebens im Jetzt“ zu kümmern. Und was die Quantität angeht, wurde ja hier schon geschrieben, dass wir darüber alle nichts wissen. Ich bin 74 Jahre alt und meine Restlaufzeit könnte erheblich kürzer sein als deine. Sie ist mir egal, denn ich lebe heute, ich atme heute, ich genieße heute. Und das wünsche ich dir möglich ähnlich.
Zitat:>> War im Sommer allein mit der Tochter im Urlaub. Will mich auch scheiden lassen nächstes Jahr. Erstmal habe ich im März wieder grosse Untersuchungen wegen dem Brustkrebs. Mist, wollte in der Zeit die mir noch bleibt, mich nicht mit so viel Schei. . beschäftigen müssen.<<
Ich rate dir Folgendes: Ja, du muss dich auch wegen der Trennung mit sehr viel Sch. beschäftigen. Aber wer sagt dir, dass es weniger wäre, wenn er noch bei dir wäre? Dein Mann konnte ganz offensichtlich nicht damit umgehen, was mit dir und bei dir geschieht durch die Erkrankung. Er war damit völlig überfordert und er wäre das vermutlich genauso, wenn er noch am selben Tisch mit dir essen würde. Du würdest dann permanent mit seiner Überforderung konfrontiert und das könnte genau das verhindern, was für dich jetzt wichtig ist: Im JETZT und im HIER zu leben und dich darauf zu konzentrieren, soviel Glückserleben wie möglich in dein Leben zu lassen.
Ich finde es großartig, dass du ihn bis auf die Mails in die Kontaktsperre setzen konntest. Und du darfst deinen Bekannten auch sagen, dass du überhaupt keinen Wert darauf legst, über sein Leben informiert zu werden. Er lebt in einer Blase und dort darf er bleiben. Du lebst im real life und du wirst Mittel und Wege finden, dort genau das zu finden, was du brauchst. Dazu von Herzen meine Besten Wünsche.