Zitat von Anika41: Klingt vielleicht für den ein oder anderen nach Luxusproblem oder Kinderkram. Naja.
Hm, so ganz finde ich das nicht.
Ich lass Dir mal zwei Sachen hier:
Erstens, Aufmerksamkeit ist ein sehr dehnbarer Begriff und manchmal verstecken sich hinter diesem Begriff eigentlich ganz andere Dinge. Die Frage wäre halt, geht es Dir tatsächlich um Beziehungsaufmerksamkeit oder geht es Dir vielleicht darum gewisse Lücken in Deinem eigenen Leben zu schließen? Es gibt einfach Menschen, die hauen sich ihren Tag komplett zu, die haben einen zeitintensiven Job, wollen Beziehungen zu Freunden und Familie pflegen, haben wenigstens ein Hobby etc. Die können halt nicht still sitzen (ohne Wertung). Wenn dann das eigene Leben nicht so voll ist, gerät man schnell in eine Art von Wettbewerb und wenn man dies dann auf die Beziehungsebene zieht, eben schnell auch in Konflikte, die vielleicht gar nichts mit der Beziehung zu tun haben.
Du hast nach einem halben Jahr schon seinen Wohnungsschlüssel und auch sonst scheint es ja ziemlich gut zu laufen. Die Frage ist also schon ein bissl, was ist das eigentlich genau für eine Aufmerksamkeit, die Dir fehlt. Geht es da wirklich um Beziehungsaufmerksamkeit oder um allgemeine Lebensaufmerksamkeit?
Bitte versteh das jetzt nicht falsch, aber ich zB (und ich bin keiner von diesen Activity-Points-Menschen) habe einen Vollzeitjob und im Moment dazu auch einen Nebenjob, ich täte mich sehr schwer mit jemandem der in Teilzeitarbeit (tun viele meiner Freundinnen) arbeitet und den anderen Teil der Freizeit "nur oder überwiegend" auf mich wartet. Andererseits komme ich prima klar, mit Freunden, die zwar in Teilzeit arbeiten aber ansonsten ein sehr erfülltes Leben führen, weil diese mir immer kulturell etc eine Nase voraus sind.
Und auch wenn ich mich selbst als nicht so wahnsinnig ehrgeizig empfinde, es gibt schon Zeiten, in denen ich im Job "rein beißen" muß und das natürlich auch irgendwie will. An der Stelle ist es für mich wichtig, daß jemand diese Ambivalenz von gestresst sein, weil es natürlich super viel ist, aber ich auch irgendwie naja schon auch selbst will, nicht nur angeblich versteht sondern eben gut mittragen kann.
Worum es mir geht, fehlt Dir tatsächlich nur ein Smiley oder zwei pro Tag am Handy oder versuchst Du (unbewusst) in Konkurrenz mit seinem sehr vollen Leben zu treten und von ihm Rückversicherung zu erlangen, daß Du das allerwichtigste bist, weil Du in Deinem Leben Lücken hast, die Du nicht selbst schließen kannst?
Zweitens,
Zitat von Anika41: Ich würde mich erstmal damit auseinandersetzen, wenn mein Partner ein Anliegen hat und ich merke das es ihm nicht gut geht und das auch mehrere Male anspricht.
Ganz klares Nein von mir und zwar weil ich das zum einen für ein Totschlagargument halte und zum anderen und wichtiger weil Du (!) eine Front aufmachst.
Für mich ist die goldene Regel: wir gegen das Problem, nicht wir gegeneinander.
Das gemeinsame Problem ist, wie gestalten wir zusammen unsere Beziehung, so daß wir beide diese als schön, befriedigend und lebenswert empfinden und sich keiner von uns beiden (total) verbiegen muß.
Wenn Du den Maßstab so setzt, lassen sich viele Dinge besser und schneller klären.
Am Anfang von allem steht aber, wofür genau steht die Aufmerksamkeit, die dir fehlt. Welches Bedürfnis von Dir steht da, worum geht es Dir?