Ich habe gerade diesen Thread fast durch gelesen und denke, ich kann mich mit meiner Geschichte einbringen.
Kurz umreiße ich sie.
Nach 23 Jahren hat mich mein Ex betrogen. Er hat es mir selber erzählt, weil er durch eine Verkettung von Umständen geglaubt hat, dass ich es sowieso bald heraus finden würde.
Ich war zutiefst verletzt. Er war bereit die Beziehung zu Ihr aufzugeben, aber nicht den Kontakt (was für ein Warnsignal!) Das habe ich aber gefordert, sonst wäre es nicht weitergegangen. Ich wollte die Beziehung gerne retten. Ich habe meinen Mann geliebt und das hat ja nicht von heute auf morgen aufgehört. Wir hatten also zwei Abmachungen:
1. Kein Kontakt zur AF
2. Wenn doch, dann Ehrlichkeit
Wir haben zur Rettung der Beziehung viel versucht, oder muss ich eher sagen "ich"?
Ich habe alleine gerudert und habe es nicht gemerkt. Ich habe ständig über den Betrug nachgedacht und konnte es nicht loslassen. Ich habe schlimme Szenen initiiert, nur um ihn irgendwie spüren zu können. Immer hatte ich ein komisches Bauchgefühl, dass da noch was lief. Auf Nachfrage wurde dies verneint. Dann zog sich mein Mann mehr und mehr zurück und die Trennung war unausweichlich. Dieser Prozess hat 5 Jahre gedauert.
Er war zu feige mir zu erzählen, dass er natürlich die ganze Zeit Kontakt mit ihr hatte. Das habe ich erst Monate später herausgefunden. Die Trennung war vor zwei Jahren. Wir haben 3 Jungs, inzwischen fast erwachsen, der Älteste studiert schon und wohnt nicht mehr zu Hause.
Ich habe hart an mir gearbeitet, um diese Geschichte zu verarbeiten.
Hier ploppen ja immer wieder mehrere Themen auf. Zu denen möchte ich mich äußern. Bitte behaltet im Hinterkopf, dass meine Meinungen immer etwas mit meinen Erfahrungen zu tun haben.
1. Eigene Anteile
Ich weiß bis heute nicht, was aus Sicht meines Ex mein Anteil war. Er konnte mir darauf keine Antwort geben. Inzwischen ist es mir auch egal! Es gibt wenige Gründe, die eine Affäre rechtfertigen und auf mich trifft keiner zu. Außerdem wurde es auch nicht kommuniziert, wieso dann spekulieren. Meinen Anteil sehe ich darin nicht früher gegangen zu sein, sondern immer wieder die Familie retten zu wollen, anstatt auf mein Bauchgefühl zu hören. Es hätte mir viele leidvolle Jahre erspart.
2. Kinder
Ich kann verstehen, dass man sich eine Trennung noch mal gründlicher überlegt, wenn Kinder im Spiel sind. So war es bei mir ja auch. Aber Kinder ahnen ja auch, dass etwas nicht stimmt. Ich finde, es gibt kaum etwas Schlimmeres als Familiengeheimnisse, dann haben Kinder nicht mal die Chance das aufzuarbeiten.
Kinder haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und können auch Person und Taten differenzieren. Meine Jungs wussten die ganzen Jahre, dass mein Mann mich betrogen hat. Als wir uns getrennt haben, konnten wir endlich darüber sprechen. Mein Mann war da nicht gesprächsbereit. Ist für ihn vielleicht auch schwieriger.... Aber ich verhindere natürlich den Kontakt zum Vater nicht. Sie brauchen ihn ja auch, aber sie haben schon ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihm.
3. Was ich für mich daraus ziehe
Ich bin seit der Trennung alleine. Mein Ex ist mit seiner Affäre zusammen und sie erwarten nun ein Kind. Das hatte mich noch einmal sehr getroffen.
Ich habe die zwei Jahre genutzt, um mich wieder neu aufzustellen. Ich habe viel an meiner Selbstwirksamkeit und meinem Selbstwertgefühl gearbeitet. Ich habe jede Hilfe angenommen, die ich kriegen konnte.
Ich habe weniger um den Verlust meines Mannes getrauert, als um den Verlust meines Lebensentwurfes. Und dann war da noch der ganze Rattenschwanz einer Trennung...Veränderungen im Freundeskreis, Finanzen usw.
Aber ich bin stärker aus der Krise herausgekommen als hineingekommen

Meine Beziehung zu den Jungs, die ja an der Schwelle zum Erwachsen werden, sowieso neu definiert werden muss, ist enger geworden, aber nicht ungesund eng.
Ich fühle mich wohl mit mir selber. Ich habe für mich Standarts für eine neue Beziehung bewusst benannt. Ein Betrug wäre aber in Zukunft der Grund zu gehen, ohne wenn und aber!
Seit ich gut mit mir selber leben kann, traue ich mich so langsam und vorsichtig auch mal wieder in die Datingwelt...auch wenn noch keiner für mich dabei war, gab es nette Begegnungen- und vielleicht bin ich auch noch nicht wieder ganz so weit.
Ich lebe mehr im Hier und Jetzt! Und das genieße ich.