Zitat von Blanca: Geht es wirklich grundsätzlich um die Wahl zwischen zwei Menschen (= wen liebe ich mehr?), wenn jemand sich entschließt, die Affäre zu beenden und in der Hauptpartnerschaft zu verweilen? Oder ist es nicht vielmehr die Entscheidung für eine bestimmte Art zu leben - die es ohne den Hauptpartner so in der Form nicht gibt?
Hier würde ich gerne nochmal als ehemalige Affärenführerin antworten. Was mich nämlich heute dankbar macht und eben sicher, dass ich die richtige "Wahl" getroffen habe, ist genau das: Ich liebe die Art, wie mein Mann und ich leben.
Damals, als ich den AM traf, war ich dessen allerdings völlig überdrüssig. Zu viel war passiert, zu sehr hatte ich mich verbiegen müssen. So empfand ich es jedenfalls. Mein Mann und meine Eltern verstanden sich nicht. Das ging soweit, dass ich mich entscheiden musste. Ich entschied mich für meinen Mann und verlor nach und nach den Kontakt zu meiner Familie. Als meine Eltern dann nacheinander starben, war daran nichts mehr zu rütteln. Meine Schwester zeigte mir noch bei der Trauerfeier meines Vaters, wo ich ihrer Meinung nach hingehörte: In die letzte Reihe bzw. an die Tür der Kapelle, wo ich neben den Nachbarn und Freunden meines Vaters gerade mal einen Stehplatz bekam. In der ersten Reihe saß meine Schwester und dachte nicht daran, mir einen Platz anzubieten. Den bekamen meine Cousinen zugewiesen, sowie weiter entferntere Verwandte. Ich muss sagen, das tat mir sehr weh.
Ich war damals noch arbeitslos, hatte meinen Beruf für die Familie aufgeben müssen. Gerne hätte ich dennoch weitere Kinder gehabt, mein Mann verweigerte sich dem aber. Auch unterstützte er mich nicht bei meinen Versuchen, irgendwie wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Als dann die weitere Familienplanung auch theoretisch aufgrund meiner Unterleibs-OP nicht mehr möglich war, ging auch dieses Kapitel zu Ende.
Ich weiß noch, wie unglücklich ich mich damals fühlte. Irgendwie innerlich abgestorben, im golden Käfig. Ich bekam manchmal kaum noch Luft. Ich funktionierte nur noch und rutschte in eine tiefe Depression.
Erst der AM holte mich da wieder raus. Trotzdem diese Affäre dramatisch endete und ich von Glück sagen kann, dass ich heute wieder zufrieden in meiner Ehe gelandet bin, gab doch erst diese Affäre den Anstoß, dass sich etwas änderte. Das war auch dringend nötig. Ich machte eine Therapie, ruderte mich beruflich einigermaßen wieder frei, bekam endlich Unterstützung und Wertschätzung von meinem Mann. Heute hilft er mir tatsächlich auch im Haushalt. Er macht die Wäsche, kümmert sich um den Garten und wenn der Hausputz ansteht, übernimmt er den Staubsauger. Heute ist das, was ich Jahrzehnte lang alleine machen musste Teamwork at its best. Es ist nicht so, dass ich das nicht schon vorher eingefordert hätte. Ich wurde einfach nicht gehört. Mein Mann stammt aus einer Großfamilie, die ich sehr liebe. Aber diese Kindheit hat ihm ein sehr dickes Fell wachsen lassen. Bis zu ihm mal eine Bitte durchdringt, braucht es schon sehr sehr viel Nachdruck. Erst die Affäre brachte da etwas bei ihm ins Rollen. Plötzlich verstand er offenbar, dass er etwas tun musste, um mich zu halten bzw. zurück zu erobern.
Nicht dass ich ihm das dann tatsächlich schwer gemacht hätte. Ich war ja echt kaputt und am Boden nach dem Affärenende in meiner winzigen verschimmelten Wohnung. Nur allzu gerne ließ ich mich von meinem Mann da raus holen und endlich hatte auch ich wieder genug Überlebenswillen, um eine Therapie zu beginnen.
Ich liebe mein Leben, wie wir es heute führen. Und ich kann sagen, ich liebe auch meinen Mann. Da beides irgendwie untrennbar miteinander verwoben ist, weiß ich nicht genau, was überwiegt. Jedenfalls bin ich froh, dass es heute so ist, wie es ist. Wir sind haarscharf an der Katastrophe vorbei gerutscht. Nicht auszudenken, wenn der AM mich tatsächlich als seine Frau gewollt hätte. Ich befürchte, ich hätte mich für ihn noch mehr verbogen und wäre irgendwann daran zerbrochen. Nee, da will ich eigentlich gar nicht mehr dran denken. Zum Glück ist dieses Kapitel vorbei.