Shedia111
Gast
Zitat von Missu:Dein Mann hat bestimmt erst verstanden wie es dir wirklich ging, als du ausgezogen bist. Vielleicht hat das sogar eure Ehe gerettet.
Ja, so ist es wohl. Unsere Trennung war der Holzhammer, der ihm schlagartig die Realität bewusst gemacht hat. Mein Mann hat sich seitdem jedenfalls sehr zum positiven verändert. Er hilft mir im Haushalt und respektiert meine Berufstätigkeit. Eigentlich Selbstverständlichkeiten aber vor der Affäre war das grundlegend anders. Wir hatten ja lange das klassische Rollenmodell. 15 Jahre lang war ich Hausfrau und Mutter. Als ich begann, meine Rückkehr in das Berufsleben anzugehen, warf er mir Knüppel zwischen die Beine, wo es nur ging. Und er moserte an allem rum, was ihm nicht in den Kram passte. Meine Schichtarbeit z.B. war ihm lange ein Dorn im Auge und auch die Tatsache, dass ich an Wochenenden und Feiertagen arbeiten muss. Heute stört ihn das nicht mehr. Sonntags kocht er auch öfter mal und ich darf mich an den gedeckten Tisch setzen, wenn ich vom Dienst komme. Das war lange Zeit undenkbar.
Zitat von Missu:Hat dein AM dir denn jemals verraten, warum es nicht zu mehr als eine Affäre gereicht hat?
Na ja, das war die Frage, die mich über Jahre gequält hat. Die Antwort ist wohl sehr einfach: Er war nicht in mich verliebt. Verliebt war er in seine Freundin. Und wenn man uns beide vergleicht, dann liegen die Gründe dafür auf der Hand. Sie ist so der Typ Audrey Hepburn. Schlank bis zierlich, immer schick gekleidet und sehr elegant. Ich bin eher so der Typ Mutter Beimer. Sehr liebevoll, fürsorglich und durchaus gepflegt. Ich habe ein hübsches Gesicht, und tolle Augen, wie mir auch von anderer Stelle schon oft bestätigt wurde. Aber leider bin ich eher moppelig bis dick und eben nicht so elegant und grazil.
Trotzdem mochte er mich wohl sehr, denn sonst hätte ich ihn ja wohl kaum erregen können. Aber wahrscheinlich mochte er das Gefühl der Geborgenheit bei mir und das umsorgt und angehimmelt werden. Und ich war wohl die richtige Frau zur richtigen Zeit, als er was zum kuscheln und anlehnen brauchte. Und dann war ich wohl auch noch sowas wie ein Testobjekt, ob er nach der langen Zeit der Enthaltsamkeit überhaupt noch als Mann funktionierte. Alles natürlich keine sehr schmeichelhaften Annahmen.
Wenn ich ihn danach fragte und ihm meine Vermutungen offen legte, sagte er immer, das sei ausgemachter Blödsinn. Sein einziger Grund, den er immer wieder nannte, warum er keine Beziehung mit mir wollte, war, dass ich verheiratet sei. Das ist natürlich genau so Blödsinn, denn meine Ehe war ja bereits zerstört und offiziell beendet, spätestens als ich ausgezogen war. Und hätte er soviel Respekt vor meiner Ehe gehabt, hätte er ja gar nicht erst mit mir flirten dürfen, geschweige denn mit mir ins Bett gehen.
Wie immer wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen und ist jetzt auch nicht mehr wichtig. Fakt ist, es wurde nichts aus uns und wir haben uns beide in einen riesigen Schlamassel hinein manövriert.
Das alles liegt aber jetzt Jahre zurück. Es spielt in meiner Realität keine Rolle mehr. Es ist nur noch ein Gedankenkarussel, aus dem ich irgendwann aussteigen muss. Dafür braucht es nicht mehr viel. Vielleicht nur noch die Entscheidung endlich nicht mehr in diesem Forum zu schreiben. Das hier ist ein Liebeskummerforum und ich habe keinen Liebeskummer mehr.
Dir jedenfalls wünsche ich alles Liebe und viel Kraft für die Zukunft. Du schaffst das bestimmt und du wirst dich irgendwann wieder neu verlieben. Das wünsche ich dir aus ganzem Herzen.
Viel Glück!