Zitat von Dauerverliebt: Ich lebe nach meinen Konventionen und Anständigkeiiten, richtig.
Und dazu gehören eben nicht nur das Gefühl der Liebe, das ja gerne so hoch gehalten wird um Affären zu beschönigen. Sondern auch Loyalität und Respekt dem Partner gegenüber.
Ok. Aber wie gelingt es, Gefühle über Konventionen und Anständigkeiten im Zaum zu halten?
Das müsste dann ja auch bei Wut, Enttäuschung usw. der Fall sein.
Und wer hält die Liebe hoch, wenn es um Affären und deren Beschönigung geht? Ist das so, dann würde mich das ja sogar bestätigen. Liebesgerede, hinter dem etwa ganz anderes steckt, meist eben mir durchaus verständliche Gelüste. Wäre oder ist es, fallweise, Liebe, dann bleibt es ja nicht bei einer Affäre, sondern wird ernst.
Zitat von Dauerverliebt: Dann aber allerdings in Kauf zu nehmen dem eigentlichen Partner weh zu tun ist egoistisch und respektlos.
Ich glaube, ich habe das schon 100x gesagt, wodurch es natürlich nicht wahrer wird: Aber worum es bei Affären sicher nicht geht, ist, dem "eigentlichen" Partner wehzutun.
Sondern, kommt zumindest mir vor, in solchen Fällen wird jemand eben von seinem Begehren überwältigt. (Das übrigens ja nicht gar so unnatürlich und aus aller Welt gefallen ist - sich an eine neue, unbekannte Geschlechtligkeit heranzuwagen, hat eben seinen Reiz, da braucht man sich doch nichts vorzumachen). Wenn sich die Begehrten dann etwas anderes einreden und sich wegen eines Kurz-Fi... alle zwei Wochen geliebt fühlen, dann ist das eben eine selbstproduzierte Chimäre, die offenbar den Grund hat, sich selber geliebt zu fühlen (weil ja diese Liebe, dieses Blumengeschenk, immer diesen Geschmack des Himmels an sich trägt und tragen muss - und wer wollte nicht den Himmel und sich selber als Gott oder zumindest als Cherub vorkommen)?). Obwohl es natürlich auch hier Ausnahmen gibt, es also tatsächlich um Liebe geht und nicht lediglich um eine Art Bor...vergnügen. Auch das kann sich nur im Lauf der Zeit erweisen.
Man kann das Leben und seine Tatsächlichkeiten doch nicht verstehen wie einen Plan auf dem Reißbrett, nach dem es Punkt um Punkt funktioniert. Das Schöne, Interessante, Erfahrungstiefe, Wunderbare im Leben ist doch gerade, dass es nicht nach Plänen und Konventionen funktioniert, auch nicht bei jenen, die es darin einkoppeln wollen wie einen willfährigen Esel, vielleicht aus einer persistierenden Lebensangst und -verweigerung heraus. Leben, ist es das auch, blüht, wächst, rankt sich dahin und dorthin und ist eben nicht lediglich der Pfahl eines Weidezauns, der nichts anderes zu erwarten hat als die Vermoderung, so fest er in die Erde gerammt sein mag.
Wie auch immer. Ich verstehe es nicht und habe es auch nie verstanden, wozu es gut sein soll, sich in seinen Konventionsvorstellungen einzubunkern und quasi zum Beton-Denkmal seiner selbst zu werden.
Das ist ja wie ein entschlossenes, trotziges Nein zu sagen gegen das Leben und damit gegen sich selbst. Wir sind ja nicht hier, meine ich, um irgendeinem Paradies die Ehre unseres zufälligen Daseins zu erweisen, sondern um uns an Erfahrungen zu bereichern, auch an schlimmen, schmerzlichen, fürchterlichen, die einem eben auf die Probe stellen und ausformen.
Jedem Unglück sollte man mindestens so dankbar sein wie jedem Glück.