Elfie1
Gast
Zitat von Isolde:@Elfie1
Da hast du ja Glück, dass dein Mann dich noch wollte, bei mir hättest du mit dieser Aktion keine Chance gehabt. Auch wenn ihr jetzt die Konflikte, die bei dir zu einer Affäre führten gemeinsam bearbeitet, wäre es für mich besser gewesen, die vielleicht vor der Affäre zu bearbeiten.
Ich hätte als EP immer das Gefühl, und in diesem Fall sogar doppelt, nur die zweite Wahl zu sein. Hätte dich der andere haben wollen, wärest du doch mit fliegendem Fahnen zu ihm gegangen oder nicht? Konflikte in der Ehe hin oder her? Zusätzlich hast du deinen Mann für einen ziemlichen Hallodri verlassen, also für wenig alles aufs Spiel gesetzt. Jetzt sagst du, du bist aus Liebe bei deinem Mann. Wo war die als du gegangen bist?
Ich verstehe deine Anmerkungen sehr gut. So hätte ich auch gedacht und geredet, bevor ich diese Affärenerfahrung gemacht habe. Und natürlich wäre es besser gewesen, die Probleme schon vorher anzugehen. Leider aber nahm ich die damals gar nicht als so einschneidend war, wie sie es tatsächlich waren. Ich dachte: na ja, das ist ja bei allen langjährigen Ehepaaren so, stell dich mal nicht so an. Halte einfach noch ein bisschen durch. Und ich hielt durch und landete in einer Depression.
Dafür war allerdings nicht nur meine Ehe sondern auch noch andere Lebensumstände, wie krankes Kind, Tod der Eltern, Erbschaftsstreit mit Geschwistern, Arbeitslosigkeit etc. etc. federführend. Als ich den AM kennen lernte, ging es mir zunächst wieder besser. Ich hatte gerade diesen neuen Job angetreten, lebte auf, gewann neue Energie und fühlte mich wieder lebendig. Auch durch die Zuwendung und Aufmerksamkeit meines AM. Leider ein Trugschluss und der schlimmste Fehler, den ich machen konnte.
Jedenfalls war die Affäre, die dann entstand, eine Flucht vor meinen damaligen Lebensumständen und vor mir selbst. Meine Ehe hing da wirklich nur noch an einem seidenen Faden. Von Liebe zwischen mir und meinem Mann war da keine Spur mehr übrig.
Die haben wir uns erst danach langsam und mühevoll wieder zurück erkämpfen müssen. Zuerst war unser Weitermachen in der Ehe tatsächlich eine Notlösung. Ich war einfach froh, nicht mehr in meine baufällige Wohnung zurück zu müssen, wieder meine Kinder um mich zu haben und mich sicher fühlen zu dürfen. Ich gewann Zeit und Kraft, eine Therapie zu beginnen, die mir und unserer Ehe sehr geholfen hat. Mein Mann hat mich trotz allem die ganze Zeit über geliebt. Für ihn war es keine Frage, dass er mich zurück haben wollte. Natürlich bin ich ihm dafür dankbar, und wie.
Wir haben uns aber weiter entwickelt. Heute kann ich sagen, dass ich meinen Mann wieder liebe und zwar von ganzem Herzen. Eine Vernunftehe ohne Gefühl hätte mir auf Dauer sicher nicht gereicht.
Dass ich den AM damals traf war einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände. Wir trafen zur Unzeit auf einander. Beide in einer tiefen Lebenskrise. Ich damals schon wegen Depression in psychiatrischer Behandlung und unter Medikamenteneinfluss. Er war frisch verwitwet und betäubte sich regelmäßig mit Alk.. Wenn er besoffen war, schrieb er mich an. Manchmal rief er sogar an mitten in der Nacht. Er schrieb mir Dinge, die ich so vorher noch nie von irgendeinem Mann gehört hatte.
Und tagsüber sahen wir uns auf der Arbeit. Auch da überhäufte er mich mit Komplimenten und Lob für meine Arbeit. Da war es aber weniger seine Trauer als viel mehr seine Dankbarkeit für meine tatkräftige Unterstützung seiner Arbeit. Auf die wollte er nicht mehr verzichten. Dass es neben mir noch weitere Kolleginnen gab, die er umwarb, erfuhr ich erst viel viel später.
Ich will mich eigentlich aber gar nicht mehr rechtfertigen. Was geschehen ist, ist geschehen und es war alles schlimm genug. Meiner Verantwortung für alles das bin ich mir sehr bewusst. Ich wollte nur darstellen, dass es in einem Dreieck, oder Viereck oder was auch immer nicht nur ein Opfer und einen Täter gibt. So einfach ist das nicht. Jeder trägt in irgendeiner Form zu diesem Chaos bei. Und anstatt über den anderen zu schimpfen und den zu verurteilen, ist es immer gut, sich mal die eigenen Anteile bewusst zu machen. Die Veränderung einer Situation beginnt immer zuerst bei sich selbst. Nie bei den anderen.
Das war alles, was ich dazu zu sagen habe.