Elfie1
Gast
Ich organisierte Nachbarschaftsfeste, hütete die Kinder der Nachbarn, wenn deren Mütter in den Beruf zurück kehrten, gab manchmal sogar Nachhilfestunden. Ich buk den Kuchen für die Arbeitskollegen meines Mannes, wenn dieser Geburtstag hatte und ich richtete die Familienfeiern aus. Ich kümmerte mich um meine Schwägerin, als diese frisch getrennt aus einem anderen Teil Deutschlands ohne jede Habe zurückkehrte. Und ich sorgte selbstverständlich für die medizinische Versorgung unserer Kinder. Als ein Kind krank zur Welt kam, erledigte ich alle Arztbesuche alleine und verbrachte mit ihm die Zeit im Krankenhaus. Rund um die Uhr! Mein Mann kam höchstens mal für eine Spielstunde vorbei, damit ich Zeit hatte, mich zu duschen. Selbstverständlich hatte ich auch für die Unterbringung der Geschwister bei den Schwiegereltern gesorgt, vorgekocht, Wäsche gewaschen und mir die Lamenties meiner Schwiegermutter angehört, die diese Zeit lieber mit den Damen ihres Turnvereins verbracht hätte.
Man hätte also meinen können, die Kinder hätten mir ein Mindestmaß an Verständnis entgegen gebracht, als ich mich trennte und meine eigene Wohnung bezog. Pustekuchen! Plötzlich war mein Mann, der ihre ganze Kindheit durch Abwesenheit glänzte, der beste und liebste Papi der Welt. Mit mir wussten sie nicht mehr umzugehen und vermieden den Kontakt. Auch darüber war ich entsetzt und tief traurig. Aber ich brachte Verständnis auf, so gut es eben ging. Vielleicht hätte sich das im weiteren Verlauf auch wieder eingespielt. Aber ich erkannte meinen Mann in seiner Vaterrolle kaum wieder. Plötzlich war er fürsorglich, kochte für die Kinder und sorgte wirklich gut für sie. Als ich vorschlug, ich könnte ja morgens kommen um das Frühstück für die Kinder zu machen, weigerte er sich, mir den Schlüssel für unser Haus wieder auszuhändigen. Stattdessen fuhr er erst später zur Arbeit. Ein Zugeständnis das ich nie für möglich gehalten hätte, denn einen späteren Arbeitsbeginn hatte er kategorisch ausgeschlossen, wenn ich den Wunsch äußerte, eine Stelle anzunehmen um wieder berufstätig zu sein.
Alles das haben wir inzwischen aufgearbeitet. Und wenn irgendetwas gut war an dieser Geschichte, dann dass mein Mann endlich anfing, seine Vaterrolle aktiv wahrzunehmen. Inzwischen sind unsere Kinder groß und stehen fast schon auf eigenen Füßen. Auch unser Verhältnis hat sich geändert und ist nun ein erwachsenes geworden. Ich bin nicht mehr die Dienstmagd von damals. Auch meine Kinder wissen inzwischen, wo die Waschmaschine steht und ich bin seit 9 Jahren in meinem neuen Beruf wieder glücklich und zufrieden. Ich wünschte aber nach wie vor, alles das wäre ohne Affäre möglich gewesen.