Zitat von ElGatoRojo: Es ist NICHT glerichzeitig wahr, dass ein bestimmtes Glas Wasser gefroren oder nicht ist sondern es kommt eben auch der Zeitfaktor hinzu.
Ja der Zeitfaktor kommt hinzu. Das habe ich ja auch nicht in Abrede gestellt sondern nach dem Verhältnis von objektiver Wahrheit und eben Veränderung gefragt. Und das auch nicht spitzfindig sondern interessiert.
Mir geht es tatsächlich um diese Frage. Ich verstehe auch nicht genau, was daran Rabulistik sein soll, noch wie ich diese vermeintliche Feststellung entkräften könnte, außerhalb von ja eh ihr habt Recht, was ich halt ja eben nicht so sehe.

Ich gehe jetzt gern auch hin und entwickle meine Gedankengänge noch ein Stück weiter, damit es nicht wieder heißt, ich würde irgendjemanden spitzfindig in die Falle locken wollen

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Also Bernhard folgendes geschrieben:
Zitat von BernhardQXY: Wenn ich eines gelernt habe ist, dass für mich die Wahrheit an erster Stelle steht.
Wie man im zwischenmenschlichen Beziehungen führt ist mir weitgehend egal, solange alle Beteiligten Bescheid wissen.
Wenn er geschrieben hätte, daß er das Bemühen (!) aller Beteiligten um Aufrichtigkeit (!) als hohes Gut einschätzt, dann könnte ich dem voll zustimmen.
Das ist aber nicht, was da steht. Und auch auf meine Einwände bezüglich des Begriffs "Wahrheit", hat er so weit ich das verstehe, am Begriff der Wahrheit festgehalten.
Es gibt zudem auch immer wieder Stimmen im Forum, die eine regelrechte Verpflichtung zur Wahrheit aus dem Bekenntnis zu Beziehung und Ehe ableiten wollen.
Für mich und völlig ohne Rabulistik sind nun aber das Bemühen um Aufrichtigkeit und der Anspruch auf Wahrheit zwei völlig verschiedene Dinge. Also keine Rabulistik sondern echte Unterscheidung.
Da Bernhard an dem Anspruch auf Wahrheit festhält, überlege ich jetzt hier so vor mich hin sinnierend, wie er dann bestimmte Probleme, die ich bei diesem sehe, löst.
An der Stelle komme ich schon in Schwierigkeiten, weil mir unklar ist, was denn die Wahrheit sein soll.
Nochmal ich halte, ich hatte das ja schon geschrieben, den Anspruch auf Wahrheit für kindlich. Bernhard hat daraus naiv gemacht. Was ich eigentlich meinte, ist daß er meinem Empfinden nach etwas sehr komplexes zu sehr vereinfacht.
Wenn wir die Existenz von objektiver Wahrheit als Grundlage der Diskussion unterstellen, dann ist doch die Frage wie dann mit Veränderung umgegangen wird, eine logische. In seinem Mordbeispiel, gibt es einen Zeitpunkt in dem der Vater noch kein Mörder ist (objektive Wahrheit) und einen, in dem der Vater dann Mörder ist. Sprich auch objektive Wahrheit verändert sich.
Für mich daher, wenn wir über zwischenmenschliche Beziehungen Aufrichtigkeit und Nähe reden, wäre nicht die Wahrheit das worauf ich abstellen würde, sondern der Zeitpunkt an dem sie sich verändert. Das würde in meinen Augen mehr Sinn haben. Aber und das ist ja gut möglich, vielleicht ist das in Bernhards objektivem Wahrheitsbegriff eh enthalten, ich kann da seine Argumentation schlecht vorweg nehmen.
Und ich muß mir auch selbst bei der Argumentation mühe geben, weil ich versuche auszublenden, daß ich ja der Überzeugung bin, dass zwei gegensätzliche Dinge wahr sein können.
Und jetzt noch mal was zu Vorwurf der Rabulistik: Die Grenzen zwischen Wortklauberei und großer Genauigkeit sind sicher fließend, aber sie sind gegeben. Der Rabulistik immanent ist, daß diese zum Ziel hat, ein Argument zu gewinnen. Ich denke so einfach nicht. Ich sehe das hier nicht als Wettbewerb, weil ich und da sind wir wieder bei Kuddel und seinem ewigen Ruf nach Legitimation auch nicht denke, daß es (oder ich) Berechtigung braucht zB zu einer Affäre. Ich habe eine geführt, ich habe so authentisch wie es mir möglich war, meine Sicht auf diese Zeit dargelegt und ich muß hier nicht "siegen", weil egal, ob meine Überlegungen verfangen oder eben nicht, sich nichts ändert.
Für mich sind das Versprechen sich um Aufrichtigkeit zu bemühen und der Anspruch das Wahrheit an erste Stelle steht, halt zwei sehr unterschiedliche Dinge. Es ist möglich, daß für Bernhard das ja eh das Gleiche ist. Dann lässt sich das aber meiner Ansicht nach wenig mit dem Begriff der objektiven Wahrheit vereinbaren und falls doch, würde mich interessieren wie.