Zitat von ElGatoRojo: Ihre moralische Rolle wäre ja höchstens, "Nein" zu einer Affäre zu sagen.
Also doch, hätte ich "nein" gesagt, hätte der Ehemann jedenfalls mal nicht mit mir geschlafen.
So weit die Kausalität.
Ich sehe da aber keine Moral.
Wir können über meine Moral reden, da habe ich nun aber schon mehrfach gesagt, ich konnte mein konkretes Handeln in der konkreten Situation mit meiner Moral vereinbaren.
Wenn wir über die Moral der Ehefrau oder des Ehemanns reden, dann läuft es doch immer wieder darauf hinaus, daß ich zum Wächter von deren Moral werde.
Könnte ich mit meiner Moral vereinbaren, meinen Ehemann oder meinen Partner zu betrügen? Bisher habe ich das nicht gekonnt. Ich stelle mir das für mich auch sehr schwierig vor. Ich bin geneigt zu glauben, daß ich das auch nicht in Zukunft könnte, aber wissen kann ich das natürlich nicht.
Ich glaube der Satz, "es ist nicht an mir, die Ehe anderer Menschen zu beschützen", ist der zentrale Satz. Ich kann mich dafür entscheiden, insbesondere zB wenn ich beide Parteien kenne oder es andere Umstände gibt, nein zu einem Angebot zu sagen. Das ist eine Entscheidung, welche ich aus meiner Moral heraus treffe. Ich kann aber eben auch, wenn ich das mit meinem Ethos vereinbaren kann, mich zur Annahme eines Angebots entscheiden. Ich handle meiner Moral entsprechend.
Ob andere das auch tun, darauf habe ich wenig bis gar keinen Einfluss. Was nütz es dem Betrogenen Part, wenn die ersten drei Menschen eine Affäre abgelehnt haben, der vierte aber zugestimmt. Macht es das für den Betrogenen besser, so gar vielleicht schlimmer oder ändert sich gar nichts am Ausmaß des Leids?
Ich kann verstehen, daß man auf die Affäre als Betrogener auch sauer ist und ich kann verstehen, daß es einem leichter fällt auf die Affäre sauer zu sein, weil man die ja nicht liebt, vielleicht sogar gar nicht kennt

, dann nämlich lässt sich durchaus dem Partner verzeihen ohne der Affäre verzeihen zu müssen. Denn diese kennt man ja nicht, so wie eben die Affäre den Ehemann/die Ehefrau nicht kannte.
Wir können hier noch dreißig Seiten füllen, aber die Verantwortung das Ehegelübde nicht zu brechen, liegt einzig und allein bei den beiden, die es einander gegeben haben. Dort findet der Betrug statt, dort gehört der Schmerz hin.