Zitat von ElGatoRojo: Mit # 7191 kommen wir doch aber der Sache sachon näher ..........
Eben das haben die meisten Leute anfangs ja auch garnicht vor. Wenn sie es danach trotzdem tun finden manche 100 Gründe, warum es nicht verwerflich ist. Dabei ist es viel einfacher, sich über sein wirkliches Motiv für die Affäre klar zu werden.
Nichts, aber auch nichts anderes schreibe ich hier Seite für Seite. Nämlich, daß ich im Rahmen von meiner (sic!) Moral handle.
Das wird ja aber die ganze Zeit nicht wahrgenommen. Ich beschönige nicht den Fakt, daß ich eine Affäre hatte, ich verwehre mich nur dagegen, daß ich deshalb von ad1) allen betrogenen Ehepartnern zur Rechenschaft gezogen werden könnte oder mich ad2) für diese zum Prellbock ihres Schmerz machen lassen müsste. Ich verwehre mich auch dagegen, daß ich in irgendeiner Form allgemein Verantwortung am Zustand von Ehen anderer Leute trage.
Wer eine Affäre führt, muß das mit sich selbst vereinbaren. Zur Not eben auch erst im Nachgang, wenn sich dann herausstellt, daß der Geliebte seinen Worten eben vielleicht doch keine Taten hat folgen lassen (wollen) oder der Vergebene, der im Außen Lösungen gesucht hat, für etwas was aller Wahrscheinlichkeit nach im Innen (seines Inneren oder im Innen der Ehe) zu reparieren ist.
Und alles, was ich tue, ist zu sagen, ich konnte das mit mir selbst vereinbaren. Gehört nicht zu den zehn stolzesten Momenten meines Lebens, aber ich bestreite die Notwendigkeit eines Büßerhemds. Denn ich (!) habe nun mal kein Vertrauen gebrochen.
So und jetzt zählen wir bis drei, und es kommen die Stimmen in denen ich den armen Kindern etwas angetan habe, zum Untergang des Abendlands beitrage und schließlich, was wenn das jeder so machen würde.
Und schließlich und endlich die große Hoffnung aller Betrogener, daß mir alttestamentarische Gerechtigkeit Wiederfahren möge. Weil in deren überschaubarer Vorstellung der kategorische Imperativ Kants eben auf ein selbstgerechtes "und was du nicht willst, daß man dir tut, das füge keinem anderen zu" reduziert wird.
Das Problem, was es in diesem Forum hier gibt, ist doch, daß ich mich nicht klein machen lassen. Daß ich mich weigere meine Rolle als Monica Lewinsky anzunehmen und meine knallharte Zurückweisung der Verantwortung an den Mann/die Frau, mit denen die Betrogenen zusammen waren, unangenehm ist. Könnte man mir wenigstens ein bißchen der (Mit-)Verantwortung aufbürden, dann könnte man den eigenen Mann/die eigene Frau so der Gedanke wenigstens etwas aus der alleinigen Täterschaft herausnehmen. Denn es gäbe keinen Täter ohne mich, so die Logik. Es gäbe auch keinen Täter ohne Ehe.
So weit aber wiederum darf die Logik und die Kausalkette dann eben doch nicht gehen, also wird eine allgemeine Verpflichtung konstruiert, die bei Lichte betrachtet in jeder Eheschließung einen Vertrag zu Lasten Dritter sieht. Weil zwei Menschen sich gegenseitig etwas Versprechen ist es am Rest der Welt, zu helfen, daß diese ihr Versprechen auch gegenseitig einhalten können.
Und wenn das alles als das entlarvt wird, was es ist, nämlich schlichtes Shaming weil man jemanden braucht, um den, den man eigentlich liebt zu entlasten, dann versteigt man sich schließlich in der Argumentation, die Welt wäre eine bessere, wenn keiner mehr am Arbeitsplatz eine persönliche Kopie anfertigt.
Aber mir Rabulistik vorwerfen.
