Zitat von Wurstmopped: Das ist der Punkt!
Die Umstände sind meist finanzielle Verpflichtungen und Kinder.
Alles freiwillige eingegangene Verpflichtungen.
Man steckt sehr viel Energie in den Bau eines Hauses, Kindererziehung etc aber so wenig Energie und Arbeit in die Beziehung.
Meine These, die Prioritäten sind falsch gesetzt.
Ich finde, daß das zu kurz greift.
Kinder: Kinder zu haben, diese zu begleiten hat eine völlige Auf -(vielleicht auch inzwischen eine Überbe-)Wertung erfahren. einerseits ist das sicher gut, weil der Umgang mit Kindern in der Vergangenheit ein auch schändlicher war, anderseits aber ist an der Stelle eine gesellschaftliche, moralische Haltung entstanden, die es schwierig macht, an der Stelle auszubrechen.
Hinzukommt eigene Erfahrungswelt: Zwei Dinge, zum einen das eventuelle eigene Trauma, wenn die eigene Kindheit nicht so toll war, ist es massiv schwierig, die eigene Familie aufzugeben und sich dafür verantwortlich zu fühlen, den Kindern eventuell gleiches anzutun. Zum zweiten, es fehlen nach wie vor positive Rollenmodelle. Trennungen die gut verlaufen, Trennungen bei denen danach die Eltern- und Familienebene trotzdem weiter gut funktioniert. Ja, es gibt sie die positiven Beispiele, ja sie werden mehr, aber sie sind in unserem Denken nach wie vor nicht der Regelfall.
Gesellschaftliche Anteile: so lange wir in einer Gesellschaft leben, die noch immer das Modell des einen Hauptverdieners bevorzugt, weil ansonsten Kinderbetreuung nicht zu leisten ist, trifft das Paar eine Entscheidung, die auch wirtschaftliche und soziale Konsequenzen hat. Scheidungen in der DDR waren bei weiten nicht so problematisch, weil es weder viel Geld zu verteilen gab, noch einer von beiden einem nicht gelebten beruflichen Lebensentwurf hinterher zutrauern hatte, für dessen Nichtausleben man dem anderen auch Verantwortung zuweisen kann.
Moralische Anteile: Wir leben in einer unglaublich biedermeiernden Zeiten. Nest bauen, Horizont zuhäkeln und wehe jemand bricht aus. Wehe jemand findet sich in einer Situation wieder, in der er/sie vielleicht nicht weiß, wie er kommunizieren soll oder folgt der Blaupause des allgemeingültigen wie trenne ich mich richtig. Das Ende einer längeren Beziehung geht immer mit der Schuldfrage einher. Nicht wenige hier im Forum würden die gern wieder eingeführt sehen und die mit dem Ende natürlich einhergehende Trauer wird flugs in ein der andere hätte, sollte, könnte umgewandelt. Völlig egal, daß jemand über Jahre, Jahrzehnte ein guter Partner oder Elternteil war, am Ende ist das nichts wert, wenn er/sie nicht bis zum Tod durchgehalten hat und wenn das nicht taugt, wird dann eben das "wie" der Trennung angeprangert, siehe Schuldfrage.
Theoretisch müsste das nicht so sein, aber das ist nun mal momentan gültiger moralischer Konsens.
Und das sind nur ein paar der Dinge, die da mit reinspielen.
Es kommt gewiss darauf an, über welche Art von Affäre wir reden, aber dieses, wenn es doch die große Liebe ist, dann trennt man sich sofort, ist in meinen Augen ein ganz schöner Kindergedanke, der der Komplexität einfach nicht gut gerecht wird.