@Scheol
Zitat:„ der traumatisierte ist selbst dafür verantwortlich, zurück in die Gesellschaft zu kommen , und nicht die Gesellschaft muss sich dem traumatisierten anpassen“
Den Satz habe ich mal bei dir gelesen, aber bekannt war er mir bisher nicht.
Ich würde ihm eingeschränkt zustimmen:
Er stimmt immer dann besonders, wenn das nahe soziale Umfeld sich mit den Traumata konfrontiert sieht.
Es gibt für Privatleute keine Verpflichtung zu helfen.
Es gibt wahrscheinlich in erster Linie viele Fragen bei nahe stehenden Menschen, wenn jemand durch das Trauma bedingtes Verhalten zeigt. Aber niemand muss sich als Angehöriger oder im näheren Umfeld den Fragen widmen. Denn wenn man anfängt sich zu informieren, kann es passieren, dass man sich zu stark in die Rolle des Retters begibt. Man gerät aber vielleicht unbemerkt auf eine glatte Spur und vollends ins Schlingern, weil man leider keine positiven Einflussmöglichkeiten hat, egal, wieviel Verständnis und Wissen man hat. Im Gegenteil, es kann sehr bitter werden, wenn man feststellen muss, dass jedes Verhalten von mir beim anderen das volle Traumaprogramm triggert. Das muss man unbedingt vermeiden.
Sich aus der Rolle wieder herauszubegeben muss man erstens wollen können und zweitens erst mal mitkriegen, was tue ich? Kann ich die Rollenanteile trennen?
Die Zuneigung ist das Eine. Die braucht aber auch Grenzen, weil man normale Grenzen wahren muss, auch in der Liebe. Fühlt sich manchmal anders an, den eigenen Kinden gegenüber z.b. scheint die Liebe unendlich belastbar, aber ich schwöre, auch da gibt es Grenzen. Die liegen sowieso in uns selbst, die Grenzen.
Das Verstehen von besonderen Umständen ist das Andere. Man selbst trägt Verantwortung dafür, was man mit seinen Ressourcen Zuneigung/Liebe/Bindung macht, aber auch wie viel ungute Nähe man durch Verstehen-wollen herstellt/zulässt.
Mich würde mal interessieren, ob seine Frau es zu schätzen weiß, dass er ihr jetzt schon zum zweiten Mal die Wohnung überlässt.
Mich würde auch interessieren, ob ihr klar ist, dass sie mit ihm verhandeln muss, um zu einer angemessenen Trennungssituation zu kommen.
Wie schon mehrfach von mir geschrieben, es kann sein, dass sie es aufgrund ihrer Erkrankung nicht gut hinkriegt, aber das ist kein Freibrief. Es ist eine schwer zu greifende Realität.