Grüß dich du armer Zerrissener,
ich habe mir die ersten beiden Seiten durchgelesen und den letzten Beitrag. Ich kann leider nicht erkennen, dass du im Laufe dieser langen und soweit ich sehen konnte, auch niveauvollen Diskussion weiter gekommen wärest. Ich versuche auch mal, mir dazu ein paar Gedanken zu machen.
Zitat:>>Im Grunde geht es schon um meine Schulfreundin, in die ich seit 37 Jahren letztlich unglücklich verliebt bin. Sie war und ist eigentlich schon immer meine Traumfrau, jedenfalls auf den ersten Blick und viellicht auch auf den zweiten. Und ich habe sie nun mal nicht für mich bekommen und werde sie wohl auch nie bekommen. Fakt.<<
Du schreibst wohl auch nie bekommen. Da steckt Hoffnung drin. Und ich rate dazu, diese Hoffnung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wenn du wirklich weiter kommen willst, sei brutal ehrlich dir selber gegenüber. Und dann vermute ich wirst du auch diese Hoffnung in dir entdecken.
Zitat:>>Und nach dem letzten Klassentreffen habe ich den Kontakt gesucht, richtig. Aber nicht um sie anzubaggern, wie viele hier offenbar denken, sondern um den echten Menschen kennenzulernen, nicht um meinen Traum zu vertiefen. Und zwar mit der Intention auf den 3., den 4. und jeden weiteren Blick vielleicht festzustellen, dass sie eben nicht wirklich der Mensch aus meinem Traum ist, sondern anders. Da sich eben für mich sagen kann: Nein, Sie ist nicht die Traumfrau für die du sie immer gehalten hast. Ihr würdet gar nicht dauerhaft zusammenpassen.>>
Auch hier wieder: Glaubst du dir selber, dass du ihr so nahe gekommen bist, um Beweise zu finden, dass sie doch anders ist als in deinen Träumen? Hat nicht geklappt, also muss ein neuer Weg eingeschlagen werden.
Zitat:>>Was ist, wenn ich da überraschenderweise doch feststelle, dass sie eben doch genau die Frau ist, von der ich immer geträumt habe? Wie geh ich dann damit um?<<
Das ist ja nun eingetreten. Und nun steht sie da groß vor dir mit all ihren wunderbaren Eigenschaften. Und du glaubst immer noch, du könntest sie rationell sehen und einordnen? Du bist dabei, dich tief und schmerzhaft in diese Frau zu verlieben. Diesem Umstand solltest du in die Augen sehen. Und wenn man alle sexuellen Aspekte außen vor lässt, unterscheiden sich eine gute und intime Freundschaft fast gar nicht von einer Liebe. Es werden dieselbe Hormone ausgeschüttet. Soweit ich das beurteilen kann, sind diese Hormone schon in großer Menge bei dir unterwegs. Die sexuellen Aspekte lasse ich bewusst völlig außen vor, da ich davon bisher nichts bei dir gelesen habe. Sie spielen auch (noch) keine wesentliche Rolle. Es geht einfach um die enorme Anziehungskraft, gegen die du wehrlos zu sein scheinst und die dazu führt, dass diese Frau für dich zur Zeit lebensbestimmend geworden ist.
Zitat:>>Was ist, wenn ich dabei erkenne, dass sie eben doch nicht so glücklich und verbunden in Ihrer Ehe ist wie ich es sehe. Sie und ihr Mann sich vielleicht trennen, aus ganz anderen Gründem die nichts mit mir zu tun haben? Ihr Mann, auswelchem Grund auch immer aus dem Spiel ist, oder meine Frau? Was würde das mit mir machen? Wie würde ich dann reagieren?<<
Wenn eine Beziehung mit ihr wirklich von dir nicht gewollt wäre, würdest du diese Gedanken nicht pflegen. Du träumst von ihr und du träumst ob eingestanden oder nicht auch davon, wie diese Beziehung mit ihr wäre.
Zitat:>>Für mich sind die beiden, aus meiner Sicht sehr stabilen, Ehen eher eine Art Versicherung, dass nicht mehr draus wird als ich eigentlich will. >>
Ein fataler Irrtum. Den hatte ich auch mal und das Erwachen war unglaublich schmerzhaft (Näheres nur per PN). Und ich habe im Laufe meines Lebens sehr viele Menschen gekannt, die sich ebenfalls darauf verlassen hatten, dass sie so nicht sind und so etwas nie tun würden. Auch sie sind brutal wach geworden und kannten sich selber nicht wieder.
Je länger du das, was du da begonnen hast, vertiefst, pflegst und weiter träumst, wird es immer schwieriger, dich daraus wieder zurück zu ziehen. Und es wird sehr weh tun.
Zitat:>>Und noch etwas anders ist da, etwas das ich nur schwer beschrieben kann. Unsere Unterhaltung auf dem Klassentreffen und auch später im Chat hat bei mir etwas Grundlegendes verändert. Etwas mit dem ich noch nicht richtig zurechtkomme. Ich versuche es mal so gut wie ich kann zu beschreiben:
Ich war mein ganzese Leben jemand, (..) Meine Schulfreundin hat das aber geschaft. Bei unseren Gesprächn auf dem Klassentreffen und im Chat danach. Vielleicht durch ihre besondere Art. Offen und direkt, aber auch gleichzeitg einfühlsam und empathisch. Und sie hat die Mauern anscheinend nicht nur niedergerissen, sondern offenbar so zertümmert.<<
Da sind also Mauern nieder gerissen und zertrümmert worden, und du glaubst immer noch, du könntest das auf rationaler Ebene einordnen, gefahrlos machen und abspalten? Ich halte das für einen Irrtum.
Zitat:>>Und das Ganze hat natürlich meine Gefühle für sie eher verstärkt als abgeschwächt. Das ist Teil meines Problems.<<
Und mit jedem Traum und jedem Gedanken an sie verstärkst du das mehr.
Zitat:>>Un ich glaube ehrlich immer noch nicht daran, dass dafür eine reelle chance besteht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das gerade ich das bei ihr auslösen sollte, das ich Ihren Mann aus Ihrem Herzen verängen könnte. Nein, ich glaube nach wie vor nicht das ich das könnte. Aber vielleicht irre ich mich da auch, und deshalb sollte ich wohl mit beiden auch darüber noch einmal reden.<<
Was versprichst du dir von diesen Gesprächen? Du ziehst dann die beiden zutiefst Beteiligten immer weiter in deine Gedankenwelt mit hinein. Klar, wenn das wirklich nur eine Freundschaft werden und bleiben könnte, wäre das vielleicht sinnvoll, sie einzubinden. Aber glaubst du das wirklich? Ist sie körperlich so wenig anziehend, dass du an sie als Partnerin keinen Gedanken verschwendest? Siehst du sie als Neutrum, mit dem man einfach gut reden kann? Könnte sie auch ein Mann sein?
Wenn all das nicht zutrifft, wird sich die Anziehung noch verstärken. Und du wirst dich immer machtloser fühlen. Dazu neigst du ja jetzt schon. Du bist nicht das Opfer dieses ganzen Geschehens, sondern du hast es erschaffen, ganz bewusst und mit offenen Augen. Du hast dieses Phänomen also in deine Gedankenwelt geholt und in die Welt deiner Ehe und Beziehung. Und dafür trägst du nun die Verantwortung.
Nimm diese Verantwortung bitte sehr ernst und tu alles dafür, dass niemand (außer dir) darunter leiden muss. Ich fürchte, dafür ist es schon zu spät, denn deine Frau wird das alles sicher nicht kalt lassen. Steh also zu deiner Verantwortung und suche nach Wegen, eine klare Entscheidung treffen zu können. Und wenn du die getroffen hast, bleib auch dabei.
Ich kenne ähnlich gelagerte Fälle, in denen es gelungen ist, das noch früh genug abzufangen. Man muss auch dann nicht lebenslang alle Hoffnung beerdigen, aber man muss auf absehbare Zeit die Brücken abbrechen. Das kann nur der Verstand. Der ist aber viel schwächer als das limbische System, oder das Herz. Mit dem Verstand Herzensentscheidungen zurückzunehmen oder zu beenden, ist ein gewaltiger Kraftakt, der nur selten gelingt. Sei dir darüber klar und verlass dich nicht darauf, dass die beiden Frauen das für dich irgendwie mitentscheiden könnten. Das ist dein Job. Du hast es erschaffen und du musst es dann auch so regeln, dass möglichst niemand darunter leidet.