Zitat von Bekannte:Hallo Hey_,
was Du zu den verteilten Rollen schreibst, finde ich interessant, weil es sich mit der Sichtweise "meines" damaligen AM deckt.
Ich würde Dir dazu gerne ein paar Fragen stellen.
Du schreibst:
Zitat von Hey_:Es gibt ein System in dem ich mich gut fühle, in dem ich gebraucht werde und in dem ich mich engagiere.
Mein soziales System aus Familie, Umfeld, Ehrenämter, sozialem Engagement, Anerkennung, wirtschaftlicher Sicherheit...das sind Werte die für mich wichtig ist.
...
Mein Leben lang, in mir eine Sehnsucht...und letztlich die Unfähigkeit, da zu liegen...auf einer Lichtung...mit Dir, im frischen Gras und nah bei Dir, den Augenblick zu spüren...Deine Haut zu riechen, den Vogel zu sehen, der über uns die Sonnenstrahlen durchbricht und uns zusieht, Dich zu schmecken, losgelöst, treibend in einem Meer aus Licht und Gefühl und Dir....und einfach glücklich sein zu können.
Ich finde diese strenge Zuordnung bemerkenswert.
Die EF ist für Dich Teil Deines Lebenssystems, in dem es Dir gut geht,
Die AF ist Teil des Gefühls von Freiheit und Sorglosigkeit.
Damit nehmen beide Frauen ja im Grunde nur Rollen ein, die Du bzw. das Leben ihnen so zugewiesen haben.
Mit der AF kann man nicht ewig auf einer Lichtung liegen. Derzeit, in ihrer Rolle als AF, ja, da geht das. Da wird das ToiPi etwas schneller eingekauft, um Zeit für die Auszeit mit der AF zu haben. Würde die AF zur Partnerin, wäre sie nicht mehr nur mit einem Gefühl von Freiheit verknüpft. Verlöre sie dann für Dich an Bedeutung?
Und wieso ist bei Dir das andere System ein Alles oder Nichts? Was ändert sich an Deinem ehrenamtlichen Engagement, was an Deinem Verhältnis zu Deiner Familie, was am Freundeskreis, wenn sie nicht mehr Deine EF ist? Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hätte eine Trennung denn tatsächlich? Ist das nur ein gefühlter Zusammenhang oder hält Dir Deine EF tatsächlich derart den Rücken frei, dass Du ohne sie kein guter Vater, Onkel etc. mehr sein kannst, keine Zeit fürs Ehrenamt mehr hättest? Und pflegt sie euren Freundeskreis derart allein für euch zwei, dass Du ohne sie keine Freunde mehr hättest?
Ich bin so erstaunt über eine solche Sichtweise, weil mein Leben sich aus Modulen aufbaut, nicht aus Gesamtsystemen. Mein Muttermodul (ich als Mutter meines Kindes) funktioniert völlig unabhängig von meiner Partnerschaft, meinem Beruf, meinem Freundeskreis, etc. Wenn ich den Job wechsel, steht damit nicht mein ganzes Leben in Frage. Und wenn ich mich von meinem Mann trenne, bleibt der Kern meines Lebens immer noch intakt. Ich werde dann immer noch dem gleichen Sportverein angehören etc. Genausowenig sehe ich einen Menschen in einer bestimmten Phase als Garant für Freiheit, sich glücklich fühlen o,ä, Mein AM war nicht nur für Auszeiten willkommen, sondern wurde als Ganzes angenommen.
Daher bin ich so erstaunt, dass bei Dir bestimmte Personen so eng mit bestimmten Gefühlen, Situationen oder ganzen Lebensentwürfen verknüpft sind. Denn das macht es ja tatsächlich unmöglich, sich für etwas zu entscheiden.
Wenn ich mir allein vorstellen würde, dass mit jedem möglichen Lebenspartner eine ganz bestimmte Wohnsituation verknüpft wäre (nur mal als Gedankenexperiment, also jeder Mann hätte genau eine bestimmte Wohnung, ein Haus, das unabänderlich mit ihm verknüpft ist), dann müsste ich bei der Partnerauswahl ja stets auch Gedanken haben wie "reichen die qm, die an diesem Mann dranhängen" oder "wir verstehen uns super, aber seine Küche ist so klein". Verstehst Du, was ich meine?
Dann wären ja Lebensentwurfdetails mit einer Person verknüpft, die nichts mit meinen Gefühlen oder meiner Beziehung zu dieser Person zu tun haben.
Wenn Deine EF eine Grundbedingung für Dein gesamtes Leben und alle derzeit bestehenden sozialen Bindungen zu Kindern, Eltern, Verwandten, Freunden und Nachbarn ist, Dein Garant für wirtschaftliche Prosperität, dann kannst Du sie doch unmöglich jemals verlassen, denn Du stündest dann ja ganz ausgezogen da und hättest im wahren Wortsinn Alles verloren, obwohl Du ihr derzeit als Beziehungspartner nur ganz wenig Bedeutung zumisst.
Und wenn die AF Ausdruck Deiner Sehnsucht nach Freiheit, Leichtigkeit und Glücklichsein ist, dann darfst Du sie im Grunde ja nie länger als 2 Stunden pro Woche sehen. Denn wie sollte sie so einer Aufgabe länger gewachsen sein? Was wäre, wenn sie mal diejenige wäre, die Dich braucht, von der Du gebraucht wirst? Obwohl das ja eine Funktion ist, die Du nach Deiner Zuordnung nur in dem anderen System gegenüber Deiner EF und den Kindern(?) gerne einnimmst? Verliert die AF dann an Reiz? Wärst Du dann überfordert? Wäre dann keine sonnige Lichtung mehr mit dieser Frau assoziiert?
Ich möchte wirklich verstehen lernen, wie die Dinge in Deinem Kopf verknüpft sind. Denn Du beschreibst Abhängigkeiten, die auf diese Art in meinem Leben nie existiert haben und von denen ich vor der Begnung mit "meinem" AM noch nie gehört hatte.
Herzliche Grüße
Bekannte
Hi Bekannte,
danke für Deine, übrigens von mir sehr wertschätzend empfunde Frage und Deinen Blick auf meine Worte.
Mich hat das ziemlich beschäftigt, was Du geschrieben hast und Du hast recht.
Rückblickend muss ich sagen, und das bedeutet dass es keine AF (merkwürdiger Ausdruck) mehr gibt, dass ich von Anfang an einige ziemlich große Fehler gemacht habe.
Zunächst stand am Anfang eine Unzufriedenheit, ein Wunsch nach Veränderung in meiner sehr langjährigen Beziehung. Auch nachdem ich dies thematisiert hatte, vermutlich mit den falschen Worten und einem fehlenden Engagement, welches das Einfordern von Liebe und Nähe mit dem Geben von Liebe und Nähe verwechselt hat... erkannte ich, dass mein Gegenüber keinesfalls an einer positiven Veränderung interessiert war...weil aus Ihrer Sicht alles normal und in Ordnung gewesen ist.
Mein erster Fehler war dann, dieses Gefühl einer Beziehungskrise, dieses Gefühl hatte ich ganz stark...nicht bis zum Ende zu bearbeiten. Mit zwei Möglichkeiten die am Ende stehen könnten..bleiben und weiter so oder gehen und neu beginnen...Raum für neues zu öffnen...
Ich blieb stecken, sozusagen mit meiner Unzufriedenheit im Gepäck und dem Wissen dieses auch thematisiert zu haben, und dadurch auch mit der Berechtigung gewappnet, mich umzuschauen...offen zu sein...
Bis dahin war alles soweit gut...oder auch nicht...
Bis Sie mir begegnete und der Kreisel sich zu drehen begann...ich nahm sie als Ganzes und sah nicht nur die Wiese in ihr und ja...es war mir wirklich...ernst...ganz ehrlich...
Ich hatte mich verliebt...eindeutig...und es war unglaublich intensiv und sehr schnell ließ Ich dies zuhause durchblicken und es wurde intensiver und ich wurde immer entschlossener...zumindest emotional und die Sonne auf der einen Seite wurde immer heller und die Kriege und gegenseitigen Verletzungen auf der anderen Seite immer heftiger und es wurde mir plötzlich beim Planen meines Abschieds, täglich bewusster welche Tragweite eine Entscheidung zu gehen mit sich bringen würde...und was es wirtschaftlich und sozial bedeuten könnte...ich zerbrach beinahe und beendete am Schluss dieses unglaubliche Gefühl wegen meinem Kopf...der mir täglich die Fakten präsentierte und die Konsequenz meines Handelns...
Das klingt jetzt sehr schnell....war es aber nicht....ich kann mich an jede Minute erinnern...an jede...und ich habe kein besonders gutes Gedächtnis...
Das ist noch nicht die Antwort auf Deine Frage...aber vielleicht hilfreich zu verstehen...
In dieser Zeit gab es für mich in meinem Gefühl nur schwarz oder weiss...nur zwei Systeme deren Inhalt des Einen mir bekannt und abschätzbar war und Sicherheit versprach....der andere Teil war gefärbt von schönen und unglaublich intensiven Momenten, von der Erfüllung meiner Sehnsucht, fast beunruhigend befriedigend und ....fehlendem Alltag...und der Befürchtung....am Ende doch wieder in einer Unzufriedenheit zu landen, die ich möglicherweise mein Leben lang schon im Gepäck habe...unter denkbar schlechteren Rahmenbedingungen...
Die Befürchtung, den Frust und die Erniedrigung aus einer Trennung...die mir auch angedroht wurden...mitzunehmen in etwas Neues und dieses Gift über den Beginn einer neuen Partnerschaft zu gießen..heruntergedampft auf ein Existenzmimimum und mit der Frage konfrontiert...ob eine Liebe alles trägt und niemals zögert und sich nicht abhalten lässt und nie hinterfragt und alles aushält.
Das hört sich sehr technisch und strategisch und egoistisch und irgendwie unmenschlich an...und das habe ich ebenso empfunden....und eröffnete eine dritte Front...nämlich die von mir selbst gegen mich..was bin ich für ein Mensch...fragte ich mich oft...
So lag ich also plötzlich nicht mehr auf einer Wiese...sondern steckte mittendrin in meinem von mir selbst geschaffenem Dilemma...einem Trilemma...da ich plötzlich mir selbst nicht mehr und meinen Werten gerecht werden konnte...ich liebte versprach...wollte dann nicht halten...zerbrach...
reimt sich sogar...
Mein Denken in schwarz-weiss wurde mit jeder Schippe Angst vor der unklaren Zukunft größer und größer und aus schwarz wurde die Hölle und aus weiss wurde der Himmel...aus heutiger Sicht etwas extrem...und genau so fühlte es sich an...meine Zerrissenheit frass mich auf...täglich...in jeder Minute und in jeder Sekunde...
Und weil mir ein Funken Verantwortung oder Egoismus....bin mir nicht sicher....geblieben war und ich merkte, dass ich nicht herausfinden werde aus dieser Sackgasse...und das alles um mich herum zu verbrennen begann....beendete ich also alles...mein Kopf entschied und mein Herz ist auf dem Weg...auf einem sehr langen Weg...
Heute, mit ein klein wenig Abstand, gebe ich Dir völlig Recht. Es gibt kein Schwarz und kein Weiss.
Dein Bild mit den Modulen gefällt mir gut. Auch wenn ich gehe, bleibe Ich Vater meiner Kinder und all das was ich mir aufgebaut habe...zumindest sozial und beruflich geht nicht verloren...du hast da recht...und heute ist sie weg, meine Liebe und sagt mir nach Ich hätte nicht geliebt...und ich nichts beweisen was dem Gegenteil entspricht und damit lebe ich...und zuhause...also hier...wird es keine Normalität mehr geben...weil ich diese Normalität nicht will...und ansonsten ist es...schwierig...
Es gibt einen Aspekt, den ich noch nicht angesprochen habe und der für mich vielleicht heute das Zünglein an der Waage ist.
Nach der der sehr intensiven Zeit beging ich einen weiteren Fehler oder keine Ahnung wie ich es nennen soll...
Ich begann nach Fehlern zu suchen bei meiner AF, nach etwas was nicht perfekt war und tatsächlich fand ich ein paar Dinge...wer hätte das gedacht...und lebte und mutierte in eine Vorstellung hinein, die mir zuflüsterte...wenn schon ein solch großer Schritt...dann muss es perfekt sein....
Kurzum...ich verschloss mir selbst die Tür zu gehen...Angsthase...selbstverliebtes Frettchen...ja vielleicht...
Tja, was soll ich noch sagen...ich hab ziemlich viel gesagt...Ich hoffe nicht zuviel...und nicht zu lange....und wenn möglich...bitte ich darum...nein egal...schreibt wie ihr wollt...
Mir bleibt die Erkenntnis...bevor etwas neues gutes, ehrliches und zukunftsfähiges entstehen kann...macht es...zumindest für mich selbst...Sinn, das alte ebenso ehrlich und offen zu beenden...jede andere Reihenfolge...war für mich jedenfalls...ein Ritt an der Grenze meiner gesundheitlichen Existenz und ein Schlag ins Gesicht aller anderen Beteiligten...und ohne Verantwortung...meinerseits...
Heute lebe ich...wie es eben geht...das passt schon...
Ziemlich lang jetzt...aber Du hast gefragt...
Ziemlich viele Grüße
Hey_