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Verloren gegen die Sucht

N
@Ema das ist verrückt oder, wie ähnlich viele dieser Geschichten sich sind? Ich hab die ersten Jahre in der Selbsthilfe gedacht, die wollen mich verschaukeln. So viele Parallelen, und das, nachdem man sich in seiner Bubble so lange so alleine gefühlt hat.
Zitat von Ema:
Gab es echt Leute in deinem Umfeld, die dir so etwas erzählt haben?
Und woran - glaubst du - hat das gelegen?

Ich bin mir heute relativ sicher, dass es an der eigenen Verantwortung lag. Diese „Urteile“ kamen ohne Ausnahme aus dem direkten familiären Umfeld, in dem es in Teilen ähnliche Trinkmuster gab. Da spielt dann Schuld, Verdrängung und das unangenehme Gefühl rein, dass jemand etwas aufwirbelt. Gerade die Eltern oder engsten Freunde hätten ja mit der Akzeptanz der Tatsache in die Arbeit mit dem Thema wechseln müssen, und wären früher oder später bei sich selbst angekommen.
Ich bin niemandem böse. Nicht mehr. Meine Schwiegermutter hat mir mal einen Rat geben wollen, nachdem ich ihr erzählte, dass eines der Gespräche eskaliert war. Sie sagte „man muss auch nicht immer tausendmal über alles reden! Zu zerredest die Dinge, bis der andere eben nicht mehr mag. Irgendwann verstehst Du das!“ Nun ja. Zwei Jahre später wurde sie geschieden. Ich bin froh, dass ich es nie verstanden habe.
Das nicht so enge Umfeld, also Freunde und Nachbarn und co haben sich immer bedeckt gehalten, und es unter „das ist eure Sache, da mischen wir uns nicht ein“ gecancelt.
Ich habe eine großartige Schwägerin die immer sehr klar und direkt mit mir war, und mir viel geholfen hat. Das war elementar für mich und meine Entwicklung.

x 5 #31


hotte
@Neeela

Zitat von Neeela:
Sie sagte „man muss auch nicht immer tausendmal über alles reden! Zu zerredest die Dinge, bis der andere eben nicht mehr mag. Irgendwann verstehst Du das!“ Nun ja. Zwei Jahre später wurde sie geschieden. Ich bin froh, dass ich es nie verstanden habe.

Ich kenne das tatsächlich. Ich neige dazu alles zu zerdenken und mehr auf Worte als auf Taten zu achten. Wenn nicht alles super explizit ausformuliert und besprochen ist, war ich nicht glücklich. Das hat tatsächlich dazu geführt das vieles zerredet habe.

Das was du da beschrieben hast klang eher wie ein vorwurf aber wenn man die Emotionen da rausfiltert ist die Sachaussage gar nicht so verkehrt.

Du scheinst ja schon riesige Schritte gemacht zu haben und mit dem Kopf sehr weit zu sein. Dass das Herz noch "hinterher" hängt dürfte recht normal sein für einen Menschen der sehr gefühlsbetont agiert. Dein Text hat mich an die Diskussion erinnert wo ein User nach Jahrzehnten noch "Gefühle" in bestimmten Situationen empfindet -> lange-her-und-doch-manchmal-noch-spuerbar-t77409.html

Ich denke wenn man sein Leben mit jemandem geteilt und von ganzem Herzen geliebt hat wird immer ein Rest übrig bleiben ob man das möchte oder nicht.

x 1 #32


A


Verloren gegen die Sucht

x 3


S
Ich muss alles immer genau verstehen, sonst fühle ich mich wie auf Glatteis (unsicher).

x 3 #33


Worrior
Zitat von Sincerite:
Ich muss alles immer genau verstehen, sonst fühle ich mich wie auf Glatteis (unsicher).

Das ging mir lange genau so.
Bis ich begriff dass ich manche Dinge einfach nur akzeptieren muss.
Manchmal ist es wie es ist, da gibt es dann nichts zu verstehen.

x 5 #34


N
@hotte hallo Du Lachendes Gesicht ja ich kenne das auch, und ich bin auch gut darin. Allerdings ist das hier ein wenig anders gewesen. Das war eher ein Kleinreden und eine Schuldumkehr. Ich habe ja kein bereits besprochenes Thema immer wieder aufgetischt ( was ich super kann, keine Frage ) sondern immer wieder versucht dieses eine Gespräch zu führen, das verweigert wurde. Und ich finde, dass dort weniger der Drang etwas äußern zu können und gehört zu werden, als das Abtun und Verweigern schädlich gewesen sein können.
Ich weiß heute, dass ich auch einfach jemand bin, der Dinge sehr akribisch und ausgiebig durchdenkt. Und ich bin total fein damit, weil man sich auf Augenhöhe und mit Empathie ja durchaus auf das „wie viel ist okay“ des Gegenübers einstellen kann.

x 2 #35


N
@Sincerite du bist nicht allein Zwinkerndes Gesicht ich glaub wie immer im Leben ist die Dosis und der Umgang damit entscheidend. Kennt man sich und sein gegenüber gut genug, kann man darüber sprechen, und gut ist. Meine engsten Bezugspersonen wissen darum, dass ich hier und da einfach ein Wort mehr für meine gefühlte Sicherheit brauche. So wie ich weiß, dass sie hier und da mal Stille brauchen. Mit einer guten gemeinsamen Kommunikation muss das überhaupt nicht nachteilig sein. Aber es macht einen schon anfällig für das ein oder andere schlaflose Nächtlein mehr, stimmt 🫠

x 1 #36


S
@Neeela
Diese Eigenschaft, alles immer verstehen zu wollen, hat mir in meinem Beruf sehr geholfen.

x 1 #37


N
@Sincerite mir auch - Projekt und Prozessmanagement 🙌🏻🤣

x 2 #38


S
@Neeela Betriebsprüfung

x 2 #39


E-Claire
Zitat von Neeela:
sondern immer wieder versucht dieses eine Gespräch zu führen, das verweigert wurde.

Naja, das ist doch aber auch Teil der Sucht.
So lange jemand, am eigenen problematischen Umgang mit Genußmitteln nichts ändern möchte, wird der oder diejenige ein solches Gespräch auch vermeiden oder eben maximal defensiv reagieren.

x 2 #40


E-Claire
Zitat von Neeela:
Ich hätte, nein Verzeihung, ich habe mich gegeben. In der absolut sturen Überzeugung, dass es möglich wäre, mit der richtigen Liebe den Schmerz aus jemandem herauslieben zu können.

Ich glaube, dass ist etwas, was viele glauben, um letztlich dann doch eines Besseren belehrt zu werden.
Ich selbst habe mich oft gefragt, wie man eigentlich tatsächlich auf so eine Idee kommt.

Es tut mir sehr leid für Dich, dass es so ausgegangen ist, aber so bekommst Du jetzt die Chance auf einen wirklichen Neustart und er, je nachdem vielleicht irgendwann auch.

x 1 #41


N
@E-Claire danke ich glaube, dass da oft einfach Hilflosigkeit hinter steckt. Man hört ja immer die bösen Geschichten der Menschen die nicht gut für den Partner waren. Und dann sieht man sich selbst in der Mission, ihm oder ihr endlich die Liebe zu schenken, die er oder sie verdient haben. Und dann muss doch alles gut sein… ist ein bisschen Disney, aber ich glaub so oder so in etwa passiert uns das 😉

x 2 #42


B
Was macht er denn gegen seine Sucht? Hat er sich Hilfe gesucht?

Partner von Suchterkrankten sind mE gar nicht in der Lage zu helfen. Denn Sucht ist eine Krankheit. Er muss er erkennen, dass er krank ist. Und sich selber helfen bzw. professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

x 1 #43


B
Ich habe hier auch von den "RockBottom" Momenten gelesen. Ja, es sind oft diese absoluten Tiefpunkte durch die Süchtige gezwungen sind, sich mit ihrer Krankheit auseinander zu setzen. Und sich zu sagen: Heute nicht. Nur heute. Wichtig ist es Trigger zu erkennen und Skills zu haben, um dagegen anzustehen.

Weisst Du, wie er sich mit seiner Krankheit auseinander setzt? Wahrscheinlich ist da ein riesiges Schamgefühl auf seiner Seite.

x 1 #44


M
Zitat von Worrior:
Bis ich begriff dass ich manche Dinge einfach nur akzeptieren muss.
Manchmal ist es wie es ist, da gibt es dann nichts zu verstehen.

Das ist oft das Schwerste. Die Akzeptanz, dass man manche Dinge einfach nicht ändern kann und noch weniger Menschen. Akzeptanz bedeutet ja auch, dass ich in eine gewisse Distanz gehe und mir dann sage, gut, ich habe vieles probiert, aber ich bin machtlos. Und ehe ich mich deswegen fertig mache und schlechte Gedanken und Gefühle habe, lass ich das so stehen.

Manche Dinge kann man nicht verstehen. Z.B,. dass manche Menschen in eine Sucht geraten, die ja irgendwann ihren Anfang nimmt, ehe der Mensch mehr und mehr dort hinein rutscht, bis das Suchtmittel über den Menschen bestimmt, der manchmal sein Leben damit zerstört und unter Umständen das von anderen.

Ich kannte zwei Fälle von Alk.. Der eine war ein Kollege, der einer der liebsten Menschen war, die ich jemals kennengelernt habe. Er fing mit dem Trinken an, als ihn seine Frau verlassen hatte und mit den 3 Kindern sitzen ließ. Der andere war ein Onkel, der aber nicht mehr hier wohnte, verheiratert, zwei Töchter, guter Job.. Er begann irgendwann mit dem Trinken und zwei Entzüge änderten nichts. Er starb an einem Hirnschlag in Verbindung mit dem Sturz von einer Treppe. Ob ein Hirnschlag den Sturz auslöste oder der Hirnschlag eine Folge des Sturzes war, wurde wohl nicht geklärt.
Und der Kollege fiel im Suff von einer Treppe und starb dann. Er war auch auf einer Entziehungskur und war sich damals so sicher, dass er nie mehr trinken würde. Ich hätte es ihm gewünscht. Aber nach der Kur kam ja wieder der altbekannte Alltag mit seinen Problemen und da war der Griff zur Flasche naheliegend.
Die meisten Entzüge helfen nicht, weil die Sucht ja doch da ist.


Zitat von Bud:
Partner von Suchterkrankten sind mE gar nicht in der Lage zu helfen. Denn Sucht ist eine Krankheit. Er muss er erkennen, dass er krank ist. Und sich selber helfen bzw. professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das glaube ich auch. Ein Partner ist emotional mit dem Süchtigen verbunden und kann keine therapeutische Hilfe leisten. Er wird höchstens coabhängig oder grenzt sich rechtzeitig ab. Aber das würden viele als Verrat und unterlassene Hilfeleistung sehen und das nicht zu Unrecht. Man glaubt und hofft ja immer, dass man irgendwann doch was ändern könnte usw.
Bis man erkennt, dass man selbst mit runtergezogen wird, weil die Sucht der eigentliche Herrscher geworden ist, der das Leben des Süchtigen und des Partners bestimmt.

Solange der Süchtige nicht bereit ist anzuerkennen, dass er süchtig ist und keinen Willen zu einem Entzug hat, bleibt alles wie es ist. Deprimierend in jeder Hinsicht. Und selbst wenn der Süchtige bereit ist, so ist die Rückfallquote doch erschreckend hoch.
Ich meine, dass Alk. eines der schlimmsten Suchtmittel ist und auf einer Stufe mit Rauschgiften steht. Er wird oft nur verharmlost, weil er leicht zu bekommen ist und gesellschaftlich akzeptiert ist.

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A


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