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Verlustangst durch Trennung

WillyWichtig

WillyWichtig

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Mal ein Gedanke zu seinem Verhalten:

Das Thema „Nice Guy“ und „White Knight“ fällt mir zu Deiner Geschichte als erstes ein.

Nice Guys denken, sie könnten über gute Taten und immer sehr lieb sein gefallen.

Dazu noch das Rettersyndrom.
(White Knight)

Innerlich sieht es aber oft anders aus!
Diese Männer merken irgendwann, dass sie immer nur geben, geben geben und es trotzdem nicht besser wird.
Geliebt und wertgeschätzt zu werden, als Preis für die ganzen guten Taten.

Aber irgendwann schlägt das in Frust um!
Nicht wenige Nice Guy werden ihre Situation irgendwann regelrecht hassen.
Sie hassen es sich selbst zu verlieren und fühlen sich beengt.
Die vormals so umsorgte Frau, wird auf einmal zum Grund für die verfahrene Situation!
Irgendwann platzt der Knoten und die Reißleine wird gezogen.
Und so kann es passieren, dass genau solche Nice-Guy Männer von jetzt auf gleich verschwinden und sich trennen.
Zum völligen Unverständnis der Partnerin. Weil, er war doch vorher so lieb…

Zu der Familie:

In deinem Fall verlierst du mit diesen Partner auch seine Familie.
Oft ist das auch ein Problem, wenn man einen Partner mit Kindern hat.
Auch zu diesen Kindern wird ja meist eine Beziehung aufgebaut, die dann plötzlich weg ist.
Doppelter Schmerz sozusagen.

Ich persönlich halte es so, dass ich mich nicht zu sehr irgendwo einflechten lasse.
Die Beziehung führe ich ja schließlich auch mit der einzelnen Person und nicht mit der ganzen Sippschaft.
Das ist sicherlich auch zum Selbstschutz bei mir so.

Willy

04.11.2022 14:35 • #31


Lilly22

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@Klio erstmal wirklich Danke von Herzen, dass du dir immer die Zeit nimmst, so ausführlich zu antworten
Zitat von Klio:
Es ist gut, dass du deine Anteile beleuchtest. Aber es ist nicht gut, dass du denkst, dass du dir Vorwürfe machen solltest. Euer Leben stand die letzten beiden Jahre Kopf; was für ein Übermensch sollst du sein, da auch noch die gesamte Beziehung nur im Positiven kontrollieren zu können? (Und das würde ich auch schreiben, wenn du nicht krank gewesen wärst).
Was wäre gewesen, wenn du immer alles heruntergeschuckt hättest und er somit nicht in seinem Schuldproblem gelandet wäre? Vielleicht hättest du dann alles in dich hineingefressen, hättest eine unbewusste Säuerlichkeit ihm gegenüber bekommen und dich dann selbst getrennt oder er hätte es getan, weil er gespürt hätte, du bist ihm nicht mehr so zugeneigt (nur ein quasi Beispiel, damit du bitte aufhörst die Vorwürfe zu machen. Du hast nicht viel besser machen können und vielleicht hätte sich dieses Besser doch negativ auf die Beziehung gelegt, weil du eventuell in zu große Anpassung, zu viel Kontrolle gekommen wärst. Man weiß es nicht).


Ich danke dir für den Zuspruch! Ich denke, das Problem ist, dass man sich nach so einer Zeit selbst grundsätzlich in erster Linie als Belastung wahrnimmt. Auch unabhängig von der Partnerschaft hat man ja irgendwann das Gefühl, seine Persönlichkeit in Teilen zu verlieren, weil man sie nur noch sehr eingeschränkt ausleben kann. Und ich bin eigentlich ein sehr unternehmungslustiger, spontaner und sozialer Mensch. Es war und ist also schwer für mich, mich mit dem Zustand zu arrangieren und mein Ex-Partner hat mich natürlich ursprünglich als ganz andere Person kennengelernt. Da er wie gesagt aber der introvertierte und ruhige Part ist, habe ich mir hier wegen ihm keine so großen Sorgen gemacht.
Wenn man aber nach der Trennung von außen eigentlich ständig hört ja, du musst auch verstehen, dass er nicht mehr konnte und eigentlich kaum Mitgefühl für die eigene Position erhält, ist das schon hart. Denn ich verstehe ihn ja in diesem Punkt absolut - darum geht es überhaupt nicht. Dass das Wie bei einer Trennung entscheidend sein kann, scheinen die meisten gar nicht auf dem Schirm zu haben.
Er hat mir am Anfang dieser seltsamen Trennungsphase (als er noch halbwegs der war, den ich kannte) gesagt, dass ich mir keine Vorwürfe machen soll. Aber daraufhin hat er mir mit allem was er noch gesagt und getan hat im Grunde die komplette Verantwortung und Schuld zugeschoben. Das ärgert mich einfach mit am meisten, dass er nicht die Verantwortung für seine Fehler übernimmt. Dass er sagt wär halt nicht früher gegangen, wenn man ihn fragt, warum dieser Umzug denn noch sein musste. Er flüchtet einfach vor allem, weil er vermutlich sonst nicht aushält - aber ich halte es genauso wenig aus und flüchte nicht vor meiner Verantwortung.

Zitat von Klio:
Glaubst du wirklich so viele hätten so gehandelt? Es sind natürlich alles nur Bruchstücke aus euren letzten Jahren. Aber wozu geht der Mensch Bindungen ein? Verbundenheit, Gemeinsamsein, Freude, schöne Zeiten usw. aber auch damit jemand in schweren Zeiten da ist. Es geht nicht darum jemanden für sich zu benutzen oder dass jemand gezwungen wird an der Seite zu bleiben, weil es einem nicht gut geht. Wenn wir davon ausgehen, dass wir Menschen Verbundenheit brauchen, dann brauchen wir auch jemanden, der für einen da sein kann und selbstverständlich umgekehrt. Wenn wir uns jemanden vertraut machen, sind wir für ihn verantwortlich. (Große Worte, die direkt eine gesamte Debatte auslösen können). Zumindest sehe ich das so; ich wünsche mir von mir jemandem gegenüber so zu handeln, ich wünsche mir dies von meinem Gegenüber zu erfahren; ich weiß ich kann es nicht erwarten, aber ich darf darüber enttäuscht sein.

Hier finde ich deine Einstellung auch sehr schön. Ich sehe das genau wie du - wer sich tief auf einen anderen Menschen einlässt und ihn an sich bindet, trägt Verantwortung. Selbstverständlich hat jeder das Recht, sich jederzeit zu trennen, aber dennoch die Verantwortung keinen völlig kaputten Ex-Partner zu hinterlassen, wenn das irgendwie möglich ist. Vermutlich hängt meine Sicht da auch wieder mit meiner fehlenden Familie zusammen und dementsprechend damit, dass mir Bindungen überdurchschnittlich viel bedeuten. Mir ist einfach sehr bewusst, dass der jeweils andere Part mit dem weiterleben muss, was ich ihm zum Abschluss mitgebe und das nehme ich sehr ernst. Egal wieviel Streit und Schwierigkeiten es in der Beziehung gab, bei einer Trennung möchte ich einen guten Abschluss finden und meine Zeit mit der anderen Person wertschätzen. Und ja, darüber, dass mein Ex offensichtlich darauf schei., wie ich damit weiterleben muss - das enttäuscht mich unsagbar doll.

Zitat von Klio:
Geht er generell in Extreme?
Kennst du da sonst noch ein Beispiel für dich?
Erklärungen mag es auch hier viele geben - Selbstschutz, schlechtes Gewissen verdrängen, eventuell auch Rache (unbewusst) - ich habe die Jahre so viel für dich getan und zurückgesteckt, immer alles auf mich genommen, jetzt bin ich endlich Mal dran...

Ganz ehrlich: extrem wäre zu jedem Zeitpunkt unserer Beziehung das allerletzte Wort gewesen, was mir zu ihm eingefallen wäre Außer vielleicht extrem ehrlich und aufrichtig - da hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt.
Deswegen ist das ja alles so unfassbar. Wie er sich während der Trennung und danach verhält, ist einfach nur fremd und besonders die dafür nötige Klarheit und teils auch Gnadenlosigkeit, die er an den Tag legt, killt mich.

Zitat von Klio:
Sieht er die gesamte Beziehung nur noch so negativ?
Sicherlich wirst du auch Fehler gemacht haben, aber ich finde aus ein paar Zeilen geht auch hervor, dass er von eurer Beziehung in seiner Entwicklung profitiert hat - Verringerung des Alk.konsums, Möglichkeiten/Unterstützung zur Reflexion und Selbstannahme und sicherlich noch einiges mehr.

Ich habe keine Ahnung, weil er zu unserer Beziehung nicht mehr viel gesagt hat. Das was er gesagt hat, war durch die Blume ein Infragestellen der letzten zwei Jahre (Ich glaube ich habe einen Teil von mir abgespalten etc.), was ich für sich genommen schon heftig finde. Würde mir nie einfallen, jemandem bei ner Trennung auch noch Zweifel an der Vergangenheit um die Ohren zu ballern.
Während der Beziehung hat er mich wirklich immer sehr wertgeschätzt und mir das auch oft gesagt - aber eben auch in den letzten zwei Jahren. Und dadurch fühlt sich alles das nun nicht mehr besonders echt an.
Sein Abschlussfazit Du wirst immer Teil meiner Lebensgeschichte bleiben war das Maximum was da kam. Wertschätzung kann man das wohl nicht nennen.

Der Klopper für mich ist, dass ich die ganze Zeit versucht habe, ihm Verständnis entgegenzubringen und es ihm scheinbar trotzdem nicht genug ist. Ich habe bei jedem Kontakt meinen Standpunkt ruhig dargelegt. Ich habe nicht geschrien, nicht um mich geschlagen, war keine creepy Ex und bin ohne Diskussion ausgezogen. Ich weiß halt echt nicht, was man von mir in meiner Situation noch verlangen will. Trotzdem hat er mir bei unserem letzten schriftlichen Kontakt wieder mangelndes Verständnis vorgeworfen. Es wirkt auf mich auch, als wäre er wahnsinnig beleidigt, dass ich ihn nie nach seinem Befinden und seinen Plänen frage. Dass das für mich gerade die Konsequenz aus seinem Verhalten ist, versteht er nicht. Er jammert unheimlich viel über seine Lebenssituation (weiß wohl nicht, wohin mit sich nun), aber was soll ich dazu bitte sagen?
Zuletzt bin ich auf eine Sprachnachricht (wir mussten noch was Organisatorisches klären) umgestiegen, weil ich die schriftlichen Missverständnisse satt hatte und eben einfach kein Interesse an Gezicke zum Abschluss. Ich habe ihm in dem Zuge dann auch gesagt, dass es bei mir zuhause gerade wirklich sehr schwer ist, weil wir alle erneut Covid hatten und meine Mutter mit ihren schweren chronischen Vorerkrankungen das fast nicht überlebt hätte. Natürlich habe ich ihm auch gesagt, dass das nun nicht mehr seine Baustellen sind, aber dass es mir einfach darum geht, dass bei mir das Leben auch weiterläuft und im Hintergrund Dinge passieren, die mich zusammen mit allem anderen was zwischen uns vorgefallen ist, nicht immer super freundlich und zuvorkommend reagieren lassen. Gerade weil ich nun eben allein mit allem zurechtkommen muss.
Auf diese Nachricht hat er bis heute nicht reagiert. Eineinhalb Wochen lang. Ohne Worte, denn er kennt meine Mutter extrem gut und sie hatten immer ein gutes Verhältnis.

06.11.2022 12:37 • #32



Verlustangst durch Trennung

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Lilly22

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@WillyWichtig Danke für deine Erläuterung! Das ist total interessant und ich bin ganz sicher, dass mein ex ein Nice Guy ist bzw. war.

Zitat von WillyWichtig:
Innerlich sieht es aber oft anders aus!
Diese Männer merken irgendwann, dass sie immer nur geben, geben geben und es trotzdem nicht besser wird.
Geliebt und wertgeschätzt zu werden, als Preis für die ganzen guten Taten.

Aber irgendwann schlägt das in Frust um!
Nicht wenige Nice Guy werden ihre Situation irgendwann regelrecht hassen.
Sie hassen es sich selbst zu verlieren und fühlen sich beengt.
Die vormals so umsorgte Frau, wird auf einmal zum Grund für die verfahrene Situation!
Irgendwann platzt der Knoten und die Reißleine wird gezogen.
Und so kann es passieren, dass genau solche Nice-Guy Männer von jetzt auf gleich verschwinden und sich trennen.
Zum völligen Unverständnis der Partnerin. Weil, er war doch vorher so lieb…

Ja, ich denke das ist eine perfekte Beschreibung des Sachverhaltes. Bei meinem Ex hatte man das Gefühl, dass er sich auch innerlich bis zum letzten Moment dagegen gesträubt hat, dass ich sein Problem sein könnte. Und dann schlug das plötzlich darin um, dass nur noch ich das Problem sein sollte.
Ziemlich bitter auf jeden Fall für solche Nice Guys, dass sie mit ihrem Verhalten bei Frauen ja per se nur erreichen können, dass sie nicht wirklich wertgeschätzt werden. Sie graben sich ihre Grube mit dem bedingungslos lieben Verhalten immer tiefer und wenn sie nicht mehr können, ist die Frau schuld. Na toll...

Zitat von WillyWichtig:
In deinem Fall verlierst du mit diesen Partner auch seine Familie.
Oft ist das auch ein Problem, wenn man einen Partner mit Kindern hat.
Auch zu diesen Kindern wird ja meist eine Beziehung aufgebaut, die dann plötzlich weg ist.
Doppelter Schmerz sozusagen.

Ich persönlich halte es so, dass ich mich nicht zu sehr irgendwo einflechten lasse.
Die Beziehung führe ich ja schließlich auch mit der einzelnen Person und nicht mit der ganzen Sippschaft.
Das ist sicherlich auch zum Selbstschutz bei mir so.


Ja, es ist unwahrscheinlich bitter! Anfangs dachte ich auch, dass ich nie wieder so eine enge Beziehung zur Familie des Partners aufbauen werde. Mittlerweile denke ich aber, dass das für mich persönlich keinen Sinn ergibt. Zwischenmenschliche Beziehungen machen mich glücklich und wenn es am Ende nur temporäres Glück ist, dann war es immerhin welches. Ohne Verletzbarkeit gibt es nunmal keine tiefe Verbindung....

06.11.2022 12:46 • x 1 #33


Klio

Klio

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Hallo Lilly,

Zitat von Lilly22:
Dass das Wie bei einer Trennung entscheidend sein kann, scheinen die meisten gar nicht auf dem Schirm zu haben.

Das trifft genau den Punkt. Es geht um die Wertschätzung der gemeinsamen Zeit, auszuhalten, sich einzugestehen dem anderen weh zu tun und sich seiner eigenen Anteile zu bekennen. Einige verstehen dies nicht. Sieh es einmal anders - was sagt das über deine Bekannte aus, die das nicht nachvollziehen können? Ein anderer Gedanke ist, dass viele auch erst etwas auf der Gefühlsebene nachvollziehen können, wenn sie etwas Ähnliches erlebt haben.

Zitat von Lilly22:
Mir ist einfach sehr bewusst, dass der jeweils andere Part mit dem weiterleben muss, was ich ihm zum Abschluss mitgebe und das nehme ich sehr ernst. Egal wieviel Streit und Schwierigkeiten es in der Beziehung gab, bei einer Trennung möchte ich einen guten Abschluss finden und meine Zeit mit der anderen Person wertschätzen. Und ja, darüber, dass mein Ex offensichtlich darauf schei., wie ich damit weiterleben muss - das enttäuscht mich unsagbar doll.

Es ist schwer zu akzeptieren, dass man dem anderen vermutlich, vermeintlich nicht so viel wert ist, wie andersherum. In uns besteht ein großer Wunsch, dass wir jemandem so viel wert sein können; wird dieser gebrochen entsteht Verletzung. Nur was ist er sich selbst wert? Wäre er sich selbst genug wert gewesen, hätte er seinen Unmut dir gegenüber äußern können. Wie soll er dich ernsthaft auf bedingungsloser Art und Weise wertvoll behandeln können, wenn er selbst über sich hinwegsieht?

Zitat von Lilly22:
Würde mir nie einfallen, jemandem bei ner Trennung auch noch Zweifel an der Vergangenheit um die Ohren zu ballern.

Mhm das habe ich auch erlebt und es ist schwerlich zu begreifen. Man macht sich nur noch mehr Vorwürfe, wieso man das nicht vorher bemerkt hat. Es ist Rechtfertigung, Verteidigung seiner Taten und Entscheidung und Nachtreten (feige, unreif und noch viel bösere Worte...) Er gräbt sich damit selbst eine Grube. Wenn für ihn vor 2 Jahren die Beziehung bereits stark im Zweifel stand und er nicht agiert, es am Ende alles auf dich abwälzt ist er irgendwie auch ein Lappen. Verzeih diese lapidare Bezeichnung. Dies Art und Weise sich so zu trennen taucht anscheinend recht häufig vor.

09.11.2022 22:07 • x 1 #34




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