Zitat von Nachtlicht:Aber was mich wirklich interessieren würde: ist der Schutz vor längerem Liebeskummer deine Hoffnung in der Theorie, oder ist das deine verifizierte, vielleicht sogar mehrfach praktizierte Erfahrung?
Meine Ex-Freundin hat mich vor etwa zwei Wochen verlassen, sie ist meine erste längerfristige Beziehung gewesen. Ich saß seitdem jeden Tag an meinem Schreibtisch und habe ein Buch über die Zeit mit ihr geschrieben, in dem ich alles verarbeite, was in dieser Zeit passiert ist. Dabei habe ich den Fokus weniger auf sie, sondern mehr auf mich und meine charakterliche Entwicklung bzw. Veränderung gelegt.
Ich hatte Anfangs große Verlustangst. Hab mich ständig an sie geklammert und wollte keine Sekunde ohne sie verbringen, was auch zu großer Eifersucht geführt hat. Nach einem halben Jahr lies dieses Gefühl bei mir nach, der "Alltag" hatte mich erwischt.
Ich habe lange überlegt, warum ich die erste Zeit so abhängig von ihr gewesen bin und habe jetzt festgestellt, dass ich ihren Worten einfach zu viel Glauben geschenkt habe. Sätze wie: "Ich will keine Sekunde mehr ohne dich verbringen" / "Ich kann nicht mehr ohne dich" sind mir so dermaßen zu Kopf gestiegen, so dass ich immer mehr Angst vor Verlust hatte, als die gemeinsame Zeit mit ihr einfach als ein großes Geschenk zu sehen.
Worte und Gefühle sind einfach vergänglich und ich finde das auch nicht schlimm, wenn man den Moment genießt und die Nähe, die solche Worte zu einem Menschen herstellen. Stattdessen habe ich daraus unterbewusst einen Vertrag gemacht, was mir dann zurecht auf die Füße gefallen ist.
Unsere Beziehung war das letzte halbe Jahr von sehr viel Streit und Ablehnung geprägt: Aber durch dieses neue Verständnis konnte ich die "Spitzen" die wir nach wie vor hatten (Urlaub oder ein Konzertbesuch bspw.)
in unserer Beziehung genießen und sie einfach als das nehmen, was sie gewesen sind: Ein Geschenk.
Denn in dieser schnellebigen Welt heutzutage ist Zeit für mich das größte Geschenk, das ein Mensch machen kann.
Inwiefern dieses "Drehbuch" zukunftstauglich für mich ist, weiß ich nicht. Ich denke, mit 21 werde ich noch viele Erfahrungen sammeln.
Aber es hilft mir, diesen Menschen jetzt gerade loszulassen. Nicht anhänglich oder sauer zu sein, sondern Dankbarkeit für die Zeit zu empfinden, die sie mir geschenkt hat.
Statt Trauer bin ich dankbar: Und das hilft ungemein.