Liebe TE,
Ich versuche nochmal halbwegs wertungsfrei auf deine Geschichte einzugehen und mich nicht im Klein-Klein des Ganzen zu verlieren.
Zitat von EmmaPeeling: Seit einem halben Jahr bin ich himmelhochjauchzend frisch verliebt in einen großartigen Supermann.
Wir haben denselben Humor, machen coole Musik zusammen, haben gemeinsame Hobbys, eine ähnliche Lebensgeschichte und dieselben politischen und spirituellen Überzeugungen. Außerdem ist er ein überaus erfolgreicher Extremsportler, Erfinder und Liebhaber, so dass ich ihn erbarmungslos anhimmle und bewundere.
Das hat mich an eine Beziehung erinnert, die ich selbst in meinen 20ern hatte. Ich war mit dem Mann sechs Jahre zusammen und nach einem grandiosen Beginn wurde die Beziehung zunehmend zu einem furchtbaren Gefängnis aus endlosen Diskussionen und Abhängigkeiten und es brauchte einen immensen Energieaufwand um mich aus der Sache zu lösen.
Ich kannte ihn bereits aus der Schule. Er war der attraktivste Junge der Schule und Mitglied einer recht erfolgreichen Band. Ein Mensch, dem die Anerkennung von außen unglaublich wichtig war. Umso überraschter war ich, dass er ausgerechnet Interesse an mir zeigte. Wir wurden ein Paar als ich Mitte 20 war und ich konnte mein Glück kaum fassen.
Da er im oberflächlichen Kontakt sehr nett und positiv war und wir die Jahre bevor wir zusammen kamen locker befreundet waren, war ich vollkommen verwundert als ich merkte, dass er im engen Kontakt überaus egoistisch und selbstfixiert war.
Im Zweifelsfall war er sich stets der nächste und Kritik oder Ansprüche meinerseits wurden gerne als Unlockerheit bzw. Egoismus abgetan.
Eine halbwegs entspannte Beziehung war nur dann möglich, wenn ich mich seinen Aktivitäten, Plänen usw. komplett angepasst habe mit einer gleichberechtigten Beziehung hatte das nichts zu tun.
Ich merkte, dass er eigentlich gar keine Partnerin suchte, sondern einen Fan, der ihn in seiner Grandiosität kritiklos bestärkte.
Da es mir damals noch wichtig war über so einen begehrten Mann in meinem eigenen Selbstwert gestärkt zu werden habe ich mir vieles gefallen lassen und bin oft über meine Grenzen gegangen bzw. tatsächlich an Selbstverständlichkeiten gezweifelt, die in einer gesunden Beziehung völlig normal sind, zB, dass man seinen Partner nicht betrügt, außer man hat im Vorfeld anderes abgesprochen.
Bei Menschen, die sehr nach außen gehen, die eine Bühne suchen und brauchen, die Sportarten extrem betreiben, die sehr leistungsorientiert sind usw. bin ich inzwischen sehr vorsichtig geworden.
So leistungsorientiert zu sein, bedeutet nämlich oft, dass man dafür einen sehr großen Preis zahlen muss, zB genügend Zeit und Verständnis dafür zu haben, dass die nächsten ein eigenes Leben und Bedürfnisse haben, die zu berücksichtigen sind.
Der eigenen Herrlichkeit wird alles andere untergeordnet.
Oft ist es auch so, dass nach der Grandiosität gestrebt wird, weil es charakterliche Defizite bzw. ein gravierendes Selbstwertproblem gibt, dass nur dadurch vorübergehend gelöst wird in dem man von außen beklatscht und hofiert wird.
Ich spreche natürlich von Extremen, aber so in die Richtung scheint es bei deinem Partner zu gehen.
Meine beiden besten Beziehungen hatte ich mit ganz normalen Männern, keine Supermänner. Zwar gab es da nicht diese extremen positiven wie negativen Gefühle, aber die Grundlage hat gestimmt und Grenzen wurden respektiert.