Hallo!
VerzweifelteFra. (obwohl Du Gott sei Dank ja nicht mehr ganz so verzweifelt bist

), ich war einmal mit einem Ehepaar befreundet, bei dem der Mann sehr ähnlich getickt hat wie Dein Mann. Er war der Meinung, man dürfe eine Frau nicht einmal allein zum Friseur lassen, weil sie dann höchstwahrscheinlich gleich fremdgehen würde ... Und auch für ihn war das Schlimmste, was es überhaupt nur geben kann, das Fremdgehen. Aus einer solchen Einstellung kann sich durchaus eine Art von Paranoia entwickeln.
Jedenfalls stecken dahinter in aller Regel (war auch bei ihm so) enorme Verlustängste und Minderwertigkeitsgefühle. In gewisser Weise hast Du ja sogar noch Glück, daß Dein Mann offenbar zumindest kein solcher Extremist ist, der schon mißtrauisch wird, wenn Du nur allein aus dem Haus gehst.
Ich glaube, das, was Dir eigentlich zu schaffen macht, ist die Angst, Dein Mann könnte dahinterkommen und dann durchdrehen. Es wird auch kein Zufall sein, daß gerade nun, nachdem Du schwanger geworden warst, diese alte Geschichte plötzlich wieder virulent geworden ist.
Deine eigenen Einstellungen scheinen ja nicht so extremistisch und verkorkst zu sein, sondern ganz im Rahmen. Daher glaube ich nicht, daß Dir allein der Umstand, daß Du einmal gegen Deine eigenen Vorstellungen verstoßen hast, nun wieder gar so zu schaffen macht. Sondern was hier im Hintergrund heraufleuchtet ist eher die bange Frage: "Was, wenn er es erfährt?"
Nur - diese Sorge brauchst Du nach allem menschlichen Ermessen wirklich nicht zu haben! Also sei wieder entspannt und freue Dich auf Euer Baby, anstatt ganz unnötig zu grübeln.
@Ricky
Das Thema ist hier ja nicht Studien - aber dennoch möchte ich dazu noch etwas sagen.
Grundsätzlich haben alle Studien, die mit dem Menschen in Zusammenhang stehen, eine große Schwäche: sie fördern irgendeinen Mittelwert zutage, irgendein durchschnittliches Verhalten, eine durchschnittliche Ansicht usw. - aber negieren konsequent das Individuum, das der Mensch aber nun einmal ist. Es wird aus solchen Studien dann eine allgemeine Erkenntnis gemacht (oftmals ja rein zu Manipulationszwecken), von der man nicht einmal weiß, was man damit anfangen könnte. Ich würde wetten, daß es keine einzige Studie gibt (die mit dem Menschen zu tun hat), die sich nicht im Einzelfall falsifizieren läßt. Und sobald sich etwas falsifizieren läßt, ist es, ganz im popperschen Sinne, widerlegt bzw. wertlos und muß durch eine bessere Theorie ersetzt werden.
Ich glaube grundsätzlich nicht, daß das Menschlein mit seinen unbestreitbar begrenzten Kapazitäten je die letzten Wahrheiten ausgraben wird. Und ohne die letzten Wahrheiten sind auch die ersten Wahrheiten nur vage und unbestimmt und mit größter Vorsicht zu genießen. Noch dazu ist der Mensch ein "offenes System", das nie zu einem Ende kommen wird, falls es sich nicht selber den Garaus macht oder durch eine Katastrophe umkommt. Ich wüßte also nicht, welche "Wahrheit" sich hier definitiv jemals ergründen lassen sollte.
Studien sind zu einem Teil zwar wertvoll für ein gewisses Verständnis in ganz spezifischen Bereichen, zumindest als Momentaufnahme, aber gar so große Erkenntisse lassen sich daraus auch wieder nicht gewinnen, schon gar keine, die für jeden Menschen gültig wären.
Nur als kleines Beispiel, zu welchen Kuriositäten die Studiengläubigkeit führen kann: Bei uns (in Österreich) gibt es gerade Präsidentschaftswahlkampf. Einer der beiden Kanditaten raucht (seit ca. 60 Jahren und ist jetzt 72) und ist deshalb wahlkampfmäßig in Verdacht geraten, er habe Krebs. Daraufhin hat dieser sich von einem Spezialisten untersuchen lassen und den Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden, der ihm dann vor versammelter Presse eine tadellose Gesundheit und eine "Superlunge" bescheinigt hat. Mehr hat es nicht gebraucht! Ein großer Skandal! Aber nicht wegen des falschen Krebsverdachts, sondern weil dieser alte Raucher eine "Superlunge" haben soll. Das ist wirklich unerhört! Das darf es nicht geben, und selbst, wenn es wahr wäre, dürfte es nicht öffentlich gesagt werden, weil dies eben allen Studien und studienbasierten Kampagnen widerspricht.
Oder Nahtoderfahrung, um halbwegs beim Thema zu bleiben: Auch darüber gibt es ja zahlreiche Studien. Ich habe nun zwar zugegebenermaßen keine genauen Zahlen im Kopf, aber das tut nichts zur Sache. Wenn nun eine Studie zeigt, daß 20% der klinisch Toten eine Nahtoderfahrung gemacht haben - was läßt sich dann aus dieser Studie schließen? Daß es ein Leben nach dem Tod gibt? Oder daß es eben keines gibt (weil 80% diese Erfahrung ja nicht gemacht haben). Oder daß 20% ein entsprechendes Programm im Gehirn haben? Ich zumindest wüßte nicht, was man damit nun anfangen, welche Schlüsse man ziehen kann.
Mich interessieren vielmehr (und das seit 30 Jahren, auch in beruflichem Zusammenhang) die Motive hinter den Dingen, ob es lediglich um Studien geht oder um ganze Weltbilder. Ich glaube nämlich, daß die Motive viel mehr aussagen als die Meinungen und "Erkenntnisse" (zumindest sind sie für mich bedeutsamer).
"Wahrheit" (nicht Wirklichkeit) ist für mich nichts, das der Mensch erkennt, sondern das er erfindet und produziert. Zu bestimmten Zwecken, aus bestimmten Einstellungen, Ideologien, Vorstellungen heraus. Die Evolutionstheorie etwa wird in ihren Grundzügen der Wirklichkeit entsprechen - aber sage das einmal einem Kreationisten, der eine ganz andere "Wahrheit" hat.
Meine grundsätzliche Ansicht dazu ist: jeder Mensch sollte sich die "Wahrheiten", nach denen er lebt, die er sich zu eigen macht, auch kritisch ansehen, vor allem in dem Sinne, ob sie ihm im Leben helfen und ihn weiterbringen oder ihm schaden und hinderlich sind. Zu schlechter Letzt wird nämlich niemand "Brav!" und "Bravo!" rufen, niemand wird das abgelaufene Leben anhand von Studien und Kategorien überprüfen und Gut- und Schlechtpunkte verteilen, sondern jeder wird selber sein Resümee ziehen müssen, ob sein Leben ein zumindest halbwegs schönes und glückliches war.
Das Hauptproblem dabei ist allerdings, das gebe ich gerne zu, daß man das, was einmal im Kopf ist, nicht so leicht wieder herausbringt, auch wenn es noch so ein gewaltiger Dorn ist.
Wohin das in manchen Fällen führen kann, sieht man ja auch sehr gut in diesem Forum: Ich glaube nämlich nicht, daß es ein gar so schönes und glückliches Leben ist, wenn man alle möglichen Leute für Sch..mpen bzw. H.rensöhne hält, für "Nur-Lügner" und "Nur-Betrüger" und keine anderen Möglichkeiten hat, als mit Wut und Hass auf Dinge zu reagieren, die einem nicht gefallen. In solchen Fällen wäre es wohl besser, sofern möglich, sich die Dornen aus dem Hirn zu ziehen, ehe sie zur Dornenkrone werden (wenn es nicht bereits so weit gekommen ist).
Liebe Grüße