Zitat von Sommerzeit2020:Ja, ich habe ihm all das gegeben und es fühlte sich gut an. Sonderbarerweise war es eine Quelle in mir. Je mehr ich ihm positiv zur Seite stand, desto mehr Glücksgefühle hatte ich in mir.
Sieht für mich bei Dir nach Helfersyndrom aus. Du hast Dich trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf ihn eingelassen und wolltest das Beste für ihn. Du hast viel investiert und wenig zurückbekommen.
Ein Helfer hilft meist nicht ganz umsonst. Er will was dafür: z.B. eine Bindung, eine Beziehung mit gegenseitiger Verantwortung, Treue und nicht zuletzt positive Gefühle für sich selbst, für das eigene Ego.
Ein Helfer läuft immer Gefahr, ausgenützt und bevorteilt zu werden. Denn seine Hilfe ist ja selbstverständlich und selbstlos. Du kannst aber nie davon ausgehen, dass Du das im selben Maß zurück bekommst.
Außerdem entsteht oft eine Art Schuldgefälle. Der eine tut zu viel, der andere zu wenig. Das schafft ein Ungleichgewicht im Geben und Nehmen und das wirkt sich oft schädlich aus. Denn der, der mehr nimmt, hat möglicherweise unbewusst Schuldgefühle, was ein Anlass für eine Trennung sein kann.
Dabei hast Du ihn doch kaum gekannt. Ein paar Treffen, das meiste lief über Telefon oder Chats. Und kaum hattest Du ihn gesehen, warst Du gleich über beide Ohren verliebt. Das spricht für Deine innere Bedürftigkeit, die Dich übertölpelt. Bei fremden Menschen muss man immer vorsichtig sein, Umsicht und einen nüchternen Blick walten lassen. Denn der Hormonnebel der Verliebtheit ist trügerisch und vernebelt den Blick auf ihn.
Dass er charakterlich Deine Kriterien nicht erfüllt, siehst Du jetzt. Also ist er nicht halb so toll und halb so gut wie das, was Du in ihm sehen wolltest wegen Deiner Bedürftigkeit. Die Bedürftigkeit erfüllt sich, das ist das Werk des Partners, der dann haltlos hochstilisiert wird. Ganz normaler menschlicher Mechanismus, aber leider nicht gefahrlos.
Ich schätze außerdem, dass die Thai-Masseurin ihm wieder ein Gefühl von Mannsein geben konnte. Ob er bei ihr "funktioniert", weiß ja nun keiner. Aber vielleicht hat sie so Tricks darauf, die ihm gut tun. Und da wurdest zu einer Art Mutter und Betreuerin. So könnte ich es mir vorstellen.
Außerdem gibr es mir zu denken, dass er sich doch recht blöd anstellte. Die Rose, die er stehen ließ und dann diese plumpe Sache mit der Unterwäsche von ihr und mit dem Puder. Fast glaube ich, er wollte, dass Du das bemerkst und Deine Schlüsse ziehst und so die Trennung herbei führst. Auch kein unüblicher Mechanismus. Ich verhalte mich eigentlich unmöglich, dann geht sie, aber ich muss nichts tun. Eine Art forcierte Trennung.
Zitat von Sommerzeit2020: habe ich zu einhundert Prozent das Gefühl Alles gegeben zu haben.
Es hätten vlt. auch 50% gereicht. Dann hätte er vielleicht nicht die Achtung vor Dir verloren.
Zitat von Sommerzeit2020: Beide sahen es kommen, zwar nicht mit diesem Ende, aber vieles was hier geschrieben wurde hörte ich ebenfalls durch sie
Außenstehende haben einen nüchternen Blick und erkennen vieles besser als der, der drin steckt. Du hast in einer Illusion des Glücks gelebt.
Zitat von Sommerzeit2020: dass Mitarbeiter mir sagten dass ich so glücklich wie nie zuvor wirkte..
Das ist schlicht und einfach dem Hormonhaushalt der Verliebtheit geschuldet. Wer gerade verliebt ist, könnte Bäume ausreissen, sieht das Leben von der rosaroten Seite. Nichts ist zu viel und alles geht leicht von der Hand. Aber dieser Zustand hält nie ewig an. Wenn sich der Hormonhaushalt allmählich wieder umstellt, flaut das Glücksgefühl auch allmählich wieder ab.
Was mir bei Dir zu denken gibt, ist Deine Naivität und Gutgläubigkeit. Da werden nach kurzer Zeit weitreichende Pläne für einen Auslandsaufenthalt gemacht. So was macht man doch nicht, wenn man Jemanden gerade mal ein paar Monate kennt. Dabei hast du ja noch zwei Kinder, die Du mitnehmen müsstest. Da wird geträumt von einem gemeinsamen Haus in Spanien, da werden schon Sparpläne entworfen und da wird dann vom großen Glück geträumt. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das nichts wird. Ihr habt Euch wenig gekannt und dann werden bereits Pläne gemacht, die das Leben signifikant ändern. Wie konntest Du ihm das alles glauben? Wieso hast Du Dich davon einlullen lassen anstatt in der Realität zu Hause zu sein.
Quintessenz: zu viel gegeben, zu wenig dafür bekommen. Weniger Invest ist oft mehr.
Zitat von Bones:Dieser Kick hat dich dann aber auch sehr da reingezogen.Spornt ja immer mehr an,weil der Pegel gehalten werden will.
Stimmt genau, das ist Futter für das Selbstgefühl und spornt einen an, weil man das gute Gefühl ja auf einem Level halten will.
Klassisches Dilemma für Menschen mit Helfersyndrom. Sie wollen auch was für's Helfen. Wenn das honoriert wird, erfreut es einen und hält einen bei der Stange.Damit ist das Helfen auch wieder nicht ganz uneigennützig.
Du fragst, warum er doppelgleisig fährt und Dich belügt.
Wie gesagt, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er Dir die Botschaft verborgen mitteilen wollte, so plump wie er sich anstellte, damit Du die Bahn frei machst. Er ist wohl zu schwach, um Tacheles zu reden, dass ihn das thailändische Frischfleich mehr anmacht und reizt und dann greift er zu solchen Mitteln. Er hat wohl wenig Format und wenig innerre Stärke.
Lügen ist zunächst mal die bequeme Lösung, bis es auffliegt. Ist aber auch ein Indiz für mangelnde Achtung vor Dir. Die Ehrlichkeit warst Du ihm nicht wert. Er ging den anderen Weg, der hintenrum führt. Kein feiner Zug von ihm.
Du bist jetzt enttäuscht, denn Deine Träume sind nun den Bach runter gegangen. Wie gewonnen, so zerronnen. Ich denke, das Leben will Dir damit was sagen. Z.B. dass Du Dir einen neuen Mann erst mal genau anschaust und dann siehst, wie sich eine ernsthafte Beziehung mit ihm überhaupt anlässt, ehe Du Dich im Wolkenkuckucksheim festsetzt, aus dem Du wie jeder auch wieder eines Tages rausfällt. Denn das Heim ist nichts auf Dauer. Und wohl auch, dass Dein Helfen zwar gut gemeint ist, aber dass Du damit auch niemanden an Dich binden kannst.
Begonie
Begonie