Sommerzeit2020
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Im Oktober 2019 lernte ich (48) über eine online Dating Seite einen Mann kennen (54) , in den ich mich unbeschreiblich verliebte. Es kamen Gefühle in mir hoch, die ich nicht beschreiben konnte. Ich war bereits von seinen Fotos und seinem Text angetan und fühlte mich wie eine verliebter Teenie. Schmetterlinge im Bauch, verliebt bis über beide Ohren. Wir telefonierten und Video chatteten sehr häufig. Ich war so fasziniert, genau mein Typ Mann. Mir gefiel seine männliche Art, seine norddeutschen Eigenarten. Es passte - für mich passte es auf jeden Fall.
Er wohnt circa 80 Km von mir entfernt. Nach etwa 14 Tagen trafen wir uns das erste Mal. Er besuchte mich und ohne dass etwas lief verbrachten wir ein paar wunderschöne Stunden miteinander. Ich war Feuer und Flamme, er war auch nicht abgeneigt und wir telefonierten wie gehabt ständig weiter mit einander.
Das zweite Date sollte anstehen. Diesmal wollte er wieder zu mir kommen und sogar über Nacht bleiben. Einen Tag zuvor sagte er mir ab. Es würde ihm schlecht gehen und er könne kaum gerade gehen. Ich war enttäuscht und glaubte, es sei eine Lüge. Ich dachte er wolle kneifen und wäre lediglich zu feige mir die Wahrheit zu sagen.
Einige Zeit später erhielt ich eine Nachricht von ihm. Er sei in einem Krankenhaus mit Verdacht auf Schlaganfall. Ich konnte es nicht fassen und verurteilte meine zuvor gedachten Gedanken zutiefst. Ich fragte ihn, ob ich ihn besuchen dürfte. Er willigte ein. Unser zweites Date fand im Düsseldorfer Krankenhaus statt. Da lag er nun auf der Intensivstation in einem jämmerlichen Zustand. Ich nahm seine Hand und hielt sie fest. Ich wusste es, er ist mein Mann, ich wollte an seiner Seite sein, ungeachtet seines gesundheitlichen Zustands. Er war glücklich das ich bei ihm war und er wusste nun, dass ich ihn so nahm wie er ist. Er leidet seit seiner Kindheit an Diabetes und Bluthochdruck. Ich besuchte ihn wiederholt im KH. Nach der Entlassung hatte er noch große Einschränkungen. Ich versuchte ihn zu stärken und mental zu unterstützen. Es funktionierte, er regenerierte sich, nahm Unmengen an Tabletten ein und es wurde besser.
Er war eine längere Zeit bedingt durch diese Situation nicht mobil. Ich habe zwei kleine Söhne und konnte ihn leider auch nicht so häufig wie ich es mir gewünscht hätte besuchen. Dafür telefonierten und chatteten wir jedoch täglich mehrfach. Durch diese vielen Gespräche die wir führten merkte ich bereits relativ schnell, dass er eher der introvertierter Typ Mann ist. Es fiel ihm schwer über Gefühle zu sprechen, aber es war in Ordnung für mich. Ich selbst komme aus "komplizierten" Verhältnissen und habe ebenfalls so meine Eigenarten.
Nun gut, es kam der Tag an dem wir uns wieder trafen. Ich erlebten wunderschöne Stunden in meiner Stadt, aßen Eis. Ich genoss diese Zeit ungemein. Er erzählte mir, dass er sich für eine Auslandsposition bewerben wollte. "Aber Maus, ich werde das nur machen, wenn Du mit kommen würdest". Ich war überrascht und wertete dies als ein absolutes "Ja" für mich als seine Partnerin. Er würde mich mitnehmen wollen. Er meinte es wirklich Ernst!
Wir fuhren nach Hause und verbrachten noch einige Zeit im Wohnzimmer, bis er plötzlich sagte: Ich habe ein Problem." Ich verfiel ein wenig in Schockstarre. Was hatte er für ein Problem?
Er sah mich kurz an, und sagte: Seit dem Krankenhausaufenthalt leide ich unter einer erektilen Dysfunktion. Wieder war ich diejenige, die ihn in den Arm nahm und sagte: Ich nehme dich so, wie du bist. Mache dir keine Sorgen, wir werden eine Lösung finden. Somit schliefen wir ohne den Gedanken an Sex zu haben ein.
Nun begann meine aktive Recherche. Wie fühlt sich ein Mann, der nicht kann? Oh je gar nicht einfach. Wen sollte ich fragen? Hilfeforen gibt es wenige.
Nun ja, ich fragte sogar einen Arzt wie ein Mann sich fühlen würde der unter ED leidet.
Es war mir wichtig auf ihn einzugehen. Das Thema nicht zu häufig zu besprechen aber auch nicht zu ignorieren. Ich ließ ihn meinen Partner sein, ohne Druck auszuüben. Lernte das Männer häufig sehr distanziert sind, weil sie Angst haben das Frau mehr möchte. Sie haben Angst dass sie in einem Streit niedergemacht werden. Somit ging ich sehr sensibel mit diesem Thema um. Es war mir sehr wichtig, dass er weiß dass eine Partnerschaft mehr als einen erigierten P. ausmacht. Ich liebte ihn. Er versuchte es mit Tabletten, und anderen, alternativen Therapien, doch es kam zu keinem Erfolg.
Er stellte seine Nahrung um. Aus dem "Allesfresser" wurde ein Veganer. Dies hatte den großen Vorteil dass sein Blutdruck sank und er einige Tabletten absetzten durfte.
Er begann regelmäßig Mass. zu erhalten. Dafür besuchte er eine Thai Mass. in der näheren Umgebung. Er sagte, es würde ihm guttuen und seine Bewegungsfreiheit würde verbessert. Ich freute mich für diesen Erfolg.
Durch die regelmäßigen Besuche freundete er sich mit der Masseurin an. Er berichtete mir von ihr, erzählte mir über ihre private Situation. Durch den Lockdown war nun auch ihr Job nicht mehr ausführbar. Nun gut. Sie wurden Freunde. Ihr Ehemann verstarb und mein Freund half ihr bei den Formalitäten.
Letztes Wochenende besuchte ich ihn wieder in Düsseldorf. Wir starteten ein Projekt um in einigen Jahren ins Ausland zu ziehen. Wir wollten eine Wohnung in Spanien kaufen und diese dann später zu beziehen. Dafür erarbeiteten wir einen Sparplan und all das, was noch dazu gehört. Mir fiel eine kleine Rose auf, die im Flur stand. Es war wohl eine Geburtstagsrose, denn sie war schon etwas vertrocknet. Ich wollte ihn nicht direkt ansprechen, denn eifersüchtige Frauen können sehr dramatisch werden. Ich wollte die schöne Stimmung nicht zerstören. Aber wie gesagt, sie war in mir mit einem Fragezeichen gespeichert. Abends ging ich duschen. Neben meiner Lotion befand sich ein Puder. Nicht mein Puder, definitiv zu dunkel. Ich fragte ihn über die Herkunft des Puders. Er sagte es sei doch wohl mein Puder. Nein Schatz, ich schminke mich und
maskiere mich nicht. das ist dunkles Puder. erwiderte ich. "Ist das vielleicht das Puder deiner Thai Freundin?" Er: das weiß ich nicht, soll ich sie etwa fragen? Ich: ja, das ist eine gute Idee. Er ignorierte meine Antwort und die Stimmung kippte. Ich ging ins Bett und wir schliefen wortlos nebeneinander ein.
Am frühen morgen brachte er mir Kaffee ans Bett und fragte ob er etwas aus der Bäckerei holen sollte.
Ok, ich bejahte seine Frage. Er ging. Ich auch, aber in die Küche und ohne zu zögern öffnete ich die Tür der Waschmaschine. Ein Tanktop und rosa Söckchen fischte ich heraus. Ich steckte die Gegenstände wieder in die Maschine, ließ sie aber geöffnet.
Ich hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich zitterte und fühlte mich wie gegen eine Wand gelaufen. Er kam wieder und schloss als aller erstes die Waschmaschinentür. Ich öffnete sie wortlos und hielt ihm das Tanktop vor sein Gesicht.
Er: ja, sie hat halt hier geschlafen.
Ich: du belügst mich. Sie ist in einer Beziehung mit dir. Darum auch die Rose im Flur.
Er: du weißt, ich habe diese Probleme, wie soll ich mit ihr in einer Beziehung sein?
Es ging hin und her. Er versuchte es klein zu reden. Es tat so verdammt weh, er belog mich und betrog mich. Wie schrecklich. Ich stellte ihn vor die Wahl: Wenn es nur eine oberflächliche Freundschaft ist, dann wirst du sie jetzt und hier anrufen, und ihr von mir erzählen. Ich verließ den Raum um ein Glas Wasser zu holen. Als ich wieder kam, frage ich ihn: Wirst du sie anrufen?
Er: Nein, das werde ich nicht.
Ich: ok, dann werde ich nun meine Sachen packen und diese Wohnung verlassen. Du wirst mich nie wieder sehen.
Er: schweigen. Tränen in den Augen, aber schweigen.
Ich lief durch die Wohnung und sammelte alles ein.
Er: Wenn ich noch etwas finde, schicke ich es mit der Post.
Ich verließ seine Wohnung wünschte ihm noch viel Spaß und schloss die Tür.
So, das waren zusammen gefasst etwa 15 Monate meines Lebens mit diesem Mann.
Nun sitze ich hier und frage mich 1000 Fragen. Ich kann es nicht fassen, dass diese Beziehung so endete. Seit heute drei Tage später hat er sich noch nicht gemeldet. Kein Sorry, keine Entschuldigung, keine Klarstellung.
Es ist unglaublich schmerzhaft. Ich fühle mich so verletzt und kann diesen Schmerz gar nicht beschreiben. Ich weine ständig und fühle mich hilflos und verraten. Sooft hatte ich das Handy in der Hand und war versucht ihn anzurufen. Ich kann es noch gar nicht fassen. Wie seht ihr die Situation? Es kann doch nicht sein, dass er mich einfach so vergisst. .Warum fährt er Doppelgleisig, warum plant er mit mir ins Ausland zu gehen? Ich weiß, für Außenstehende ist die Antwort viel leichter, aber ich bin emotional noch so stark involviert, dass ich Hilfe brauche.
