Zum Beitrag #770 von Kattchen:
Wie kriegen Ehepartner das hin mit dem längerfristigen beisammenbleiben?
Diese Frage stellte ich mir als der betrogene Part auch. Mein Mann hatte sofort beim Auffliegen der Affäre diese beendet und seit ca. 4 Jahren "kämpft" er nun um mich. Seine Begründung für seine Affäre war, dass er in der Ehe zuwenig qualitativ hochwertigen S6 gehabt habe und er trotzdem er mich lieben würde nicht dauerhaft auf ein erfülltes Sexualleben verzichten mag.
Das erschien mir zuerst als Schlag ins Gesicht und dann als Ausrede. Ich habe schier krampfhaft nach Anzeichen gesucht, welche auf Liebe (nicht hormonell gesteuertes Verliebtsein) gegenüber der AF hinweisen könnten. Aber ich habe mittlerweile erkannt, dass er mit dieser Begründung ehrlich war. Es ging ihm tatsächlich nur um das eine.
Das sollte man wohl doch als Begründung ernst nehmen, auch wenn man es als zu pauschal und vordergründig gerne abtut. Da müssen wir auch mal akzeptieren, dass dies nicht nur eine billige Ausrede sondern der wirkliche Grund für eine Affäre ist. Erst über das dadurch dann erreichte körperliche Wohlbefinden stellt sich dann manchmal wohl auch eine menschliche Zuneigung ein.
Mir erschien das zunächst als zu einfach, ließ mich aber trotzdem darauf ein, die Fortführung der Ehe unter diesem Aspekt zu versuchen.
Als Vorwurf muss er (bis heute) allerdings stehen lassen, dass er an dem Einschlafen der ehelichen Lustbefriedigung eigentlich den größeren Anteil hatte. Er sah mich nur noch als Mutter seiner Kinder, quasi damit in einer anderen Liga spielend. Dass diese Mutter seiner Kinder an ihn durchaus gewisse Wünsche herangetragen hatte, die sie auch als Mutter immer noch besaß, hatte er ignoriert und vollständig ausgeblendet. Für ihn war das "total normal" dass er sich die im Ehebett abhanden gekommene Leidenschaft anderweitig verschafft.
Das ist aber genau der Punkt, worauf es wohl bei zufriedenen Langzeitehen ankommt.
Die einen haben bedingt durch ihren persönlichen Hormonhaushalt vielleicht generell weniger "Trieb", die haben es dann, wenn beide Ehepartner da zusammenpassen natürlich leichter.
Die anderen haben vielleicht gleichviel Verlangen, die müssen lernen auch als Ehepartner offen über das Thema und ihre Vorstellungen darüber zu reden und damit den gemeinsamen Spass aufrechterhalten.
Schwierig wird es wohl wirklich für die, bei denen die "Triebhaftigkeit" so gar nicht zusammenpasst. Da wird dann über kurz oder lang eine Trennung unvermeidlich sein (kamen dann wohl auch zu jung zusammen - bevor sie in ihrer diesbezüglichen Entwicklung " fertig" waren. Meine Meinung).
Wir haben nun gelernt über S6 offen miteinander zu kommunizieren und agieren auf dieser Ebene nun wie Affärenpartner. Man kann auch mit dem eigenen Ehepartner ein Date haben.
Ich bin also zu dem Schluß gekommen, dass ein harmonisches S6ualleben der Schlüssel für eine lange glückliche Beziehung ist. So kann man nämlich die anderen zwangsläufig im Alttag immer mal wieder aufkommenden Unstimmigkeiten wieder begradigen und nichts schaukelt sich da auf, im Gegensatz dazu wenn sich einer sein Trostpflaster in einer Außenbeziehung holt.
Das funktioniert bei uns nun seit 4 Jahren gut, ob das tatsächlich so bleibt - natürlich keine Garantie.
Aus meiner Sicht sollte man daher beim Betrachten der Affären es tatsächlich zugestehen, dass sie meist "nur" eine biochemische Angelegenheit sind.
