Zitat von jaqen_h_ghar:Ich sag es gerne immer wieder: Das ist ein Kontinuum zwischen "normal" und "Persönlichkeitsstörung" und in diesem Fall haben wir es definitiv mit einer Ausprägung im nicht mehr gesunden bzw. protektiven Bereich zu tun.
Was die Situation angeht:
Völlig klar, was wir hier hören: Der TE ist zutieft gekränkt, weil es in einem für ihn sehr sehr wichtigen Projekt überhaupt nicht mehr so läuft, wie er sich das vorstellt. Er ist zieht sich in sein Schneckenhaus zurück, sein Negativschema ist übergroß. Er leckt seine Wunden, suhlt sich in Selbstmitleid und sucht die Schuld - wie wahrscheinlich sonst auch - weit außerhalb seiner Person. Motto: Ich hab's doch nur gut gemeint und das ist jetzt der Dank dafür ...
Gleichzeitig kommen dann auch noch mehr oder weniger subtile Gehässigkeiten mozartianischer Art dazu - wie der in seinem Werben um Konstanze doch verschmähte Bassa Selim am Ende der "Entführung" sagen darf: "Mögen Sie es nie bereuen, mein Herz ausgeschlagen zu haben".
Hört hört, eine Diagnose aus der Ferne, die über ein paar Zeilen gestellt wird.
Alle Achtung, aber was erwarte ich auch, wenn hier der eine den seinen diagnostiziert.
Aber auch Sprache kann protektiv eingesetzt werden und auch das lässt Schlüsse zu, die im nicht gesunden Bereich liegen - könnten.
Zitat von LoveForFuture:Bin aber auch der Meinung, dass sein Eingangspost eine sehr deutliche Sprache spricht.
Ja natürlich tut sie das, aber ich denke schon, dass man tatsächlich auch die Situation bedenken, und auch zwischen den Zeilen lesen sollte.
Ich glaube, dass, wenn sich eine solche Situation ersmal etwas beruhigt und die Gedanken wieder klarer werden, sich die eigene Sicht auch langsam wieder klärt.
Klar kann man auch die letzten Beiträge noch zerpflücken und auch da erkenne ich sofort die Punkte und Aussagen, die tatsächlich etwas bedenklich wirken, aber es wird doch auch langsam etwas ruhiger und klarer.
Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass der TE sich wirklich auch echte Sorgen um seine Frau macht. Klar können wir hier mal ganz schnell aus "jammernden Aussagen" unsere Schlüsse ziehen, aber verletzen wir uns ein wenig in die Situation, können wir uns doch vielleicht auch vorstellen, wie es sein könnte, wenn man bemerkt, dass sich jemand in eine ungute Richtung entwickelt.
Würde der TE schreiben, dass sie täglichen abends eine Flasche Wein wegkippt, schreien alle laut auf "unternimm etwas!". Fängt sie an einem Schlankheitswahn zu verfallene, nimmt 20kg ab, überschminkt ihr Gesicht, wird aber gesagt "lass ihr ihre Freiheit!".
Wir stecken nicht drin, kennen keinen der beiden, auch die Beziehung nicht.
Würde meine beste Freundin sich so verändern, würde ich sie auch fragen was mit ihr los ist.
Vielleicht würde ich sie öfter als sonst anrufen, fragen was sonst so in ihrem Leben gerade anders läuft.
Ich würde mir Sorgen machen, da ich sie sehr lange und gut kenne.
Und ich hätte dabei kein schlechtes Gewissen, dass ich vielleicht ihre Entwicklung unterbinden wollen würde, da mir das völlig fern liegt.
Ich denke, man sollte sich da insgesamt bewusst sein, welche Rolle ein solches Forum übernehmen kann und welche Möglichkeiten wir hier haben.
Diese Stereotypegeschichten die da gerne rausgeholt werden finde ich immer ein wenig einfach.