Du hast jetzt nicht auf mir direkt geantwortet, aber ich schreibe dennoch mal.
Zitat von E-Claire: wäre es auch ein double bind, wenn jemand liebt und unzufrieden ist und darauf hofft, es würde wieder werden wie früher, das kommuniziert, die Kommunikation wenig gelingt und dann irgendwann kommt jemand des Weges, nur Freund, und sagt hey mir geht es genauso.
Vermutlich ist das der Punkt an dem wir hier aneinander vorbei reden. Du (und viele andere mit denen ich über das Thema bereits gesprochen habe) gehen ja fast immer davon aus, dass Person A ihre Probleme offen kommuniziert haben.
Aber das ist nicht immer der Fall.
Darum geht es ja.
Wenn mir meine Partnerin 4 mal sagt "mich stört X, ich sehe so keine Zukunft für uns", dann muss ich mir natürlich an die eigene Nase fassen und eine Trennung wäre absolut nachvollziehbar, wenn ich auf diese Kommunikation nicht eingegangen wäre.
Oft ist es aber so, dass überhaupt gar nichts angesprochen wird. (Vielleicht Vermeidender Bindungstyp). Bei mir war es sogar so, dass explizit gelogen wurde. Sprich zwei Tage vor der Trennung wurde noch über Thema X offen gesprochen und "sei ja alles kein Problem" und zwei Stunden nach der Trennung hieß es "Ja, und dann noch dein Thema X!" usw.
Darum geht es mir (und vermutlich vielen anderen) dabei.
Gefühle verändern sich. Das ist normal. Man kann sich auch entlieben. Man kann sich auch trennen.
Aber Beziehungen die lange Jahre dauern, die ein Fundament aufgebaut haben, gemeinsame Wohnung, Kinder vielleicht, sind doch für beide Menschen eine wichtige Säule im Leben...und dann reißt dir der andere diese Säule einfach weg, obwohl er gestern noch gesagt hat "ich möchte alt mit dir werden!" (Stell es dir exakt so plastisch vor). Und das hat er nur gesagt, weil er parallel sich den Warmwechsel bereit gelegt hat.
Es war also eine mutwillige Täuschung.
Frei nach Kant entscheidend ist die Intention der Handlung.
Es behauptet niemand dass Menschen in die Zukunft schauen können. Trennungen sind normal.
Aber es liegt in meiner Verantwortung anderen Menschen gegenüber anständig und ehrlich zu sein. Alles andere sind Ausreden.
Die radikale Konsequenz deiner Ansicht wäre ja, dass Menschen sich niemals ganz vertrauen sollten, weil man ja nie sicher weiß, ob der andere gerade (unbewusst) seine Gefühle ändert und somit am Ende eine "Gefahr" ist für mein Leben (Haus und Hof).
Zitat von E-Claire: aber was ist, wenn Du selbst nicht mal checkst, daß obwohl die eigenen Taten sich entfernen und Deine Worte nach wie vor voller Ernsthaftigkeit getragen sind, das Leben sich anders entwickelt?
Ganz hart gesagt: das nenn ich eigene Verantwortung und Reife.
Und ehrlich gesagt klingt das eher nach Ausrede. Mag ja sein, dass es Menschen gibt die sich selbst überzeugen wollen und dann ernsthaft Sachen sagen wie "ich liebe dich", eben WEIL sie es glauben wollen - aber da liegt ja schon der Fehler. Sie wissen ja, dass es Probleme gibt, wenn sie sich selber überzeugen wollen...warum dann nicht DAS kommunizieren?
Stattdessen wird das mit sich selber ausgerungen, obwohl es am Ende beide Partner betrifft.
Und als anderer stehst du am Ende da und der nun Ex sagt dir "ich habe lange mit mir gerungen!", obwohl in deiner Welt hat er ja gestern noch gesagt "ich liebe dich" - was eben einfach gelogen war. Wie oben: weil eben keine Kommunikation stattfand.
Deshalb halte ich auch dieses "ich habe es mir mir selber ausgemacht" für Schwäche und einfach unreif. Und komischerweise hört man sowas eben fast nur von Menschen die warmsechseln.
Würde der/die Ex wirklich entscheiden und sagen "ich kann das nicht mehr!" und sich trennen, um aus der Beziehung raus zu gehen - das wäre ja was
anderes.
Aber hier ist es oft "ich kann das nicht mehr, habe aber noch paar Monate ausgehalten, weil ich den Nachfolger bereit stellen musste...achja und nun wo er safe ist, fällt mir auf dass es doof in der Beziehung ist.". Das ist nicht ehrlich.
Zitat von E-Claire: Ich gehe so gar einen Schritt weiter, von anderen zu verlangen, daß diese immer super klar sein müssen, ist Ego getragen und hat nichts mit Liebe zu tun.
Ich finde es eher sehr egoistisch die eigenen Baustellen, das eigene Unvermögen sich seinen Gefühlen zu stellen an einen anderen Menschen auszulassen, weil es das am Ende ist.
Es geht ja nicht um die Trennung.
Gefühle gehen, alles gut.
Aber meistens sehen so Menschen nicht was sie den anderen damit antun. Haus. Kinder.
Das heißt nicht dass man sich auch dann nicht trennen darf! Aber es ist völlig unnötig grausam für den anderen und das nur weil man egoistisch gehandelt hat. Lieber erstmal selber in einen neuen Hafen einfahren - und DANN wird sich getrennt. Soll der andere halt zuschauen.
Und wir reden hier von Menschen, die man ja Mal geliebt hat. Den man in den meisten Fällen nichts böses möchte.
Dennoch sind sie am Ende die Leidtragenden des eigenen Egoismus. Nicht durch den Verlust der Gefühle! Sondern durch das bewusste anlügen.
Zitat von E-Claire: Willst Du eine Garantie oder Liebe, wäre meine Frage.
Alles was man will ist Ehrlichkeit.
Man kann sich auch nach 50 Jahre Ehe und 10 Kinder trennen. Dann ist es halt so.
Es ist aber ein gigantischer Unterschied sich zu trennen, weil man fühlt dass es gut für einen ist...oder ob ich bewusst einen anderen Menschen Monate, vielleicht sogar Jahre anlüge, etwas Vorspiele, nur weil gerade blöderweise noch nicht eine gute Alternative griffbereit ist.