Zitat von Michi1970: Kann das jemand nachvollziehen und mir Tipps geben, wie ich dieses einzige "negative" Gefühl überwinden kann
Ja, total nachvollziehbar.
Eure Beziehung und letztlich auch euer Plan für eine Trennung und ein gutes Zusammenleben nach der Trennung, scheinen zu einem guten Teil auf Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit beruht zu haben.
Dieses heimlich über Monate einen neuen klar machen verletzt dieses Fundament massiv.
Weiter seid ihr ja beide als Unternehmer offensichtlich Macher. Da ist es wichtig, dass ihr für Entscheidungen grundsätzlich alle wichtigen Informationen auf dem Tisch habt. Jetzt hat sie einen sehr vorteilhaften Deal nach exakt ihren Vorstellungen ausgehandelt, auch indem sie dir eine sehr wichtige Information vorenthalten hat.
Also ich kann absolut nachvollziehen, dass das ein Vertrauensbruch ist und dir negative Gefühle gibt.
Und schlussendlich, Vertrauensbruch hin oder her, dass man der Tatsache nicht neutral gegenübersteht, wenn der Partner jemand neuen hat, das finde ich ganz normal. Schließlich hat man sich mal sehr geliebt, schließlich hat man eine sehr starke Verbindung, selbst wenn die Liebe geganen ist, schließlich geht es auch um das gemeinsame Leben, das man sich mit sehr viel Herzblut aufgebaut hat, das plötzlich auf wackeligen Beinen steht. Dass da "negative Gefüle" kommen, ist doch auch total normal. Es wäre komisch, wenn nicht.
Wie kannst du das negative Gefühl überwinden.
Das kommt darauf an, worauf genau deine negativen Gefühle beruhen. Wenn ich so ungefähr recht habe mit dem, was ich oben geschrieben habe, würde ich
1. Mir Gedanken machen, ob du den Deal so auch eingegangen wärest, wenn du von dem neuen Partner gewusst hättest.
2. Ob du ihr noch genug vertrauen kannst, um eure Leben/ das Familienunternehmen weiter so eng verflochten zu lassen, oder ob du Anpassungen brauchst, um dich sicher zu fühlen.
3. Was du von ihr brauchst, um das negative Gefühl zu überwinden. Hier ist es natürlich die Frage, ob zwischen euch grundsätzich Einigkeit besteht, dass das ein Vertrauensbruch war. Mir wäre es wichtig, den Standpukt klar zu machen, dass ich mich in diesen Deal hineinmanipuliert sehe, ohne alle Fakten zu kennen, und dass deshalb der Deal für mich erst mal geplatzt ist, und neu verhandelt werden muss, und geschaut werden muss, ob ich überhaupt noch genug vertrauen zum anderen habe.
4. Die Chancen in der Sache sehen: Weiter eine Familie sein und in unmittelbarer Nähe zueinander zu wohenen, ist durchaus ein wackeliges Konstrukt. Da sind erst mal die eigenen Gefühle: will man das überhaupt dauerhaft? Will man sich noch so eng miteinander absprechen? Oder bringt jede Diskussion, wer jetzt was und wie die Gemeinschaftsbereiche putzen sollte, sämtliche Gefühle von Trauer und Enttäuschung wieder hoch? Und dann sind da eventuelle neue Partner, die sich in den meisten Fällen ebenfalls mit diesem Konstrukt schwer tun werden. Was wird man im Fall der Fälle priorisieren und warum? Und schließlich siehst du hier sehr genau, dass viele Details zu besprechen sind. Was sollte man dem anderen trotz Trennung erzählen, wo und wie hat jeder seine Privatspäre usw. Die Chance wäre also, hier vielleicht nochmal genauer hinzuschauen, wie dieses gemeinsame Leben nach der Beziehung gestaltet werden könnte.
Auch der Satz: "Wir wollen unseren Kindern nicht den Glauben in die Liebe nehmen" hat mich sehr aufhorchen lassen. Da scheint sehr viel normatives dahinterzustehen, sehr viele Erwartungen an die Liebe und an den Expartner. Vielleicht magst du das (für mich oder für dich selber) nochmal aufdröseln, was das genau heißt, und was daraus genau folgt.
Btw. Mein Exmann und ich wohnen nach wie vor in unmittelbarer Nähe zueinander auf dem gleichen Grundstück, und für uns und unsere Kinder funktioniert es sehr gut. Der Prozess war allerdings auch bei uns nicht immer einfach. Ich denke, soweit alles "normal" bei euch. MIch irritiert eher, dass ihr so "unemotional" seid. Wo sind Trauer, Enttäuschung, Wut, usw, darüber, dass ihr nicht geschafft habt, was ihr euch so sehr vorgenommen hattet? Wenn ihr diese Gefühle nicht zulasst, und trotzdem schon Entscheidungen mit großer Tragweite trefft, dann könnte euch das mE ganz schön auf die Füße fallen.