Kurz vorab: ich möchte keine wissenschaftliche Arbeit darüber schreiben, mir nur Gedanken machen und nicht unreflektiert durchs Leben laufen. Die TE hat nun mal diese Frage gestellt. Und vorab: Mit den Videos von Hemschemeier kann ich nicht so viel anfangen...
Gefallen hat mir das Buch zu dieser Thematik
Jein! von Stefanie Stahl. Das hatte ich vor etwa 8 Monaten gelesen und eine Vorstellung darüber bekommen wie Beziehungsdynamiken entstehen. Ich fand darin sehr interessante Analysen und aha Effekte. Wer sich für das Thema interessiert, insbesondere die TE kann ich das Buch empfehlen. Ob man damit was anfangen kann, muss schlussendlich jeder für sich entscheiden. Alles kann nichts muss.
Zitat von Kaetzchen: Wie Du Dich selbst jetzt angeblich vom "Minus" (Verlustängstler) zum "Plus" (Bindungsängstler) umprogrammiert haben willst, würde mich mal interessieren dabei bist Du dann wohl über das Ziel der Mitte hinausgeschossen und selber zum "unerreichbaren Idioten" (siehe Threadtitel) geworden
Das klingt erstmal lustig ja- aber ganz so zustimmen kann ich dem auch nicht. Ich kann von mir sagen, dass alle meine Beziehungen ( insgesamt 3) alle unterschiedlich verliefen. Ein starres Schema gibt es nicht. Mein erster Partner mit dem ich drei Jahre zusammen war hatte z.B überhaupt kein Problem mit Nähe, eher mit Distanz, der zweite machte am Anfang auch den Eindruck, aber es war leider nur der anfängliche Eindruck und er entpuppte sich als Bindungsängstler. Naja und der dritte war eben der Master of Desaster , der verdeckte Narc, also die extremste Form die es unter den Toxen gibt. Was ich jetzt bin

Mein erster Partner wird wohl was anderes über mich sagen als die anderen beiden.
Ich kann nur sagen, dass die letzten beiden Beziehungen schwierig waren. Ich hatte das Gefühl, da
ist immer was los man kam nicht zur Ruhe. Aber die Anziehung war dafür stark ausgeprägt, beim Narc war es extrem.
Zitat von kuddel7591:es ist doch auch ein wechselseitiges Empfinden der Partner - mal hat er eine mehr "plus", mal
der andere!
Innerhalb der ein und derselben Beziehung glaube ich das nicht. Bei mir war das jedenfalls nicht so. Bei meiner zweiten Beziehung mit dem Bindungsängstler war es zum Schluss so jaaaa, dass ich mich immer mehr von ihm distanziert hatte, da ich merkte, dass ich auf keinen grünen Zweig mehr kommen werde und ab da fing er an, meine Nähe mehr zu suchen. Bis dahin waren wir schon 5-6 Jahre zusammen und retten konnten wir da nichts mehr. Ich hatte mich durch seine Art einfach schon zu sehr emotional distanziert, er hatte mich sehr verletzt und meine Gefühle starben mit der Zeit dann ab . Sein plötzliches Nähebedürfnis durch mein erstmaliges Distanzbedürfnis rettete natürlich nichts mehr, da ich wusste, dass
wenn er mich wieder hat er wieder in sein altes Beziehungsmuster fällt. Er ist bis heute ungebunden, hat neuerdings 2 Kinder mit einer Frau, mit der er nie eine Beziehung hatte und sich auch keine vorstellen konnte. Er sagt heute, er wollte kein Kind mit ihr, heute sei er froh, dass sie ihn anlog mit der Verhütung, sonst wäre er in diesem Leben nie Vater geworden, das zweite Kind planten sie dann, damit das erste kein Einzelkind bleibt, leben tuen sie bis heute aber getrennt, er ist nach eigener Überzeugung nun wohl nicht für eine Beziehung gemacht, auch wenn er sich das gerne immer anders vorgestellt hätte. Er versucht aber dafür ein guter Vater zu sein.
Das meine ich mit Dynamik. Wenn ein Mensch aus Selbstschutz- oder Abwehrmechanismen Nähe nicht wirklich zulässt und das trifft sowohl auf Bindungs- und passive Verlustängstlern zu, dann wird das kein Partner der Welt ändern können. Und um nicht
dieser Partner zu werden der letztlich mehr leiden wird, muss man sich eben über diese Dinge bewusster werden und Ausschau nach Personen halten, die bereit, willig und nicht ängstlich sind.
Ich kann mich nicht frei sprechen. Ich habe vor 5 Monaten einen Mann kennengelernt, er zeigte mir so viel Interesse dass ich mich oft erdrückt fühlte. Das lag auch daran, dass ich noch in mitten meines Traumas war nach dem Ende mit dem Narc. Ich bin sehr vorsichtig geworden und die Mauern reichen bis zum Regenbogen. Er ist immer noch da. Ich fühle mich aber nicht mehr erdrückt von ihm, die Anziehung war am Anfang Null da von meiner Seite, ich hatte sogar teilweise Fluchtgedanken.. so viel Nähe er ausstrahlte und Aufmerksamkeit er zeigte. Ich musste oft weinen, weil ich dachte, wieso ist das so, wieso empdindest du das als so befremdlich? Mit dem Narc konnte ich mir vorstellen auf 3 qm eingesperrt zu sein für 365 Tage und es hätte mir nichts ausgemacht. Er war mir NIE NAH. Das wusste ich UNBEWUSST. Ich bin mit dem neuen Mann sehr ehrlich, sage ihm dass da was fehlt. Er möchte mich aber immer noch nicht vergessen und wir haben sowas wie eine Freundschaft mittlerweile ( es lief auch nie was bis jetzt) Mit der Zeit empfinde ich seine Gegenwart aber als sehr angenehm, und fühle mich gar nicht mehr erdrückt, ganz im Gegenteil, ich fühle mich wohl, weil ich ihn eben in den letzten Monaten durch seine Taten besser kennengelernt habe und feststelle, dass er nach innen so ist, wie er sich auch von außen gibt, das ist ein sehr angehnemes Gefühl, wenn man voher so tieeef gefallen ist und getäuscht wurde-
Vor zwei Wochen lernte ich einen anderen Mann kennen, ähnlich wie er, viel Interesse zeigt, ich fühle mich wieder erdrückt und habe Fluchtgedanken... da will jemand Nähe, hat keine Mauern und ich spüre das.
Ich denke das Unterbewusstsein ist dafür ein gutes Messgerät. Meine Psycholgin sagte mir, dass wir anhand von Mimiken, Gesten und Körpersprache unser Gegenüber sofort unbewusst einordnen und uns eben zu den einen mehr zu den anderen weniger angezogen fühlen. Worte, Aussehen, Status spielen da nur untergeordet eine Rolle, auch wenn diese Dinge ein wenig Einfluss nehmen.
Diese Gefühle ( Fluchtgedanken) kenne ich ja jetzt und weiß dass sie vergänglich sind. Früher hätte ich schnell gesagt ist nicht mein Typ und Tschau.. heute sage ich nein, lerne ihn kennen, da kann sich noch so viel ändern... es muss nicht mehr das Feuerwerk sein, dieses Feuer und Flamme.. es kann auch der Richtige sein und man hat es erst später gesehen.. nachdem man den Menschen WIRKLICH kennengelernt hat..
Zitat von kuddel7591:Mit DER Einstellung zu einem Date zu gehen - mehr Voreingenommenheit geht nicht.
Es ist meiner Ansicht nach keine EINSTELLUNG, ich würde sagen, es ist vielmehr ein BEWUSSTSEIN.
Es schadet nicht sich bewusster zu werden, welche Faktoren beeinflussen können- vorher unbewusst- jetzt halt bewusst- Kann das schaden? Ich denke nicht.
Zitat von kuddel7591:zu überlegen, wie es geht, einen anderen Mensch kennenzulernen - wie wäre es damit?
Da bin ich ganz bei dir. Das ist das wichtigste. Man muss sich Zeit nehmen, beobachten, Ausschau nach Taten halten und auf sein Bauchgefühl achten. Auf Worte gebe ich nichts mehr. Das geht bei mir nur noch hier rein und da raus. Außerdem soll auch umgekehrt der andere die Chance haben, mich so kennenzulernen wie ich bin und nicht wie er mich vielleicht nur irrigerweise eingeschätzt hat. Es kann ja auch sein, dass wenn er mich näher kennenlernt, die anfängliche Anziehung abnimmt- Alles ist möglich. Wichtig ist, dass man versucht sämtliche Ängste abzulegen beim Kennenlernen. Das geht wenn man mehr Acht auf sich gibt und sich vielen Dingen einfach bewusster stellt.
Zitat von Karenberg:Lebe. Finde dich. Verliebe dich.
Ja das ist die gesündeste Einstellung , mit der man seinen Weg schon findet.