paulaner
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Das wollen aber doch die meisten Betrüger gar nicht. Sie wollen doch beides. Und zwar nur für sich. Ihrem Partner würden die meisten Betrüger das gleiche Verhalten ja nicht zugestehen. Sie wollen den sicheren Hafen zu Hause, den Alltag, usw. und sie wollen das, was ihnen zu Hause fehlt, aber auch haben, und "holen" sich das dann einfach bei jemand anderem.
Für mich gibt es zwei Begriffe, die das Fundament einer gesunden Beziehung sind.
Offenheit und Ehrlichkeit.
Natürlich gibt es noch viele andere Gesichtspunkte, aber diese beiden sind für mich die unabdingbaren Säulen.
Das eine bedingt übrigens das andere. Ohne Ehrlichkeit keine Offenheit. Ohne Offenheit keine Ehrlichkeit.
Wer fremdgeht, wer seinen Partner belügt, wer ihm eine falsche, heile Welt vorspielt, wer ihn sich warmhält für die Zeit danach, der trägt genau das Gegenteil in die Beziehung. Unehrlichkeit und Unoffenheit.
Das ist wie ein Krebsgeschwür, das bildet Metastasen. Das erzeugt eine extreme Schieflage, die nicht gesund sein kann.
Und diese Un ehrlichkeit, die Geheimnisse, das Verschweigen, geht niemals mehr ganz weg. Es sei denn man arbeitet das Ganze wirklich vollständig auf.
Leider "gelingt" das den meisten aber nicht.
Die meisten Betrüger schaffen es einfach nicht, danach in aller Ehrlichkeit zu ihren "Schandtaten" zu stehen. Das ist ja auch schwer, sich seinem Partner gegenüber, dem man das alles ja angetan hat, vollkommen zu öffnen. Man will sich so nicht mehr "sehen". "So bin ich nicht" ist ein Satz, der unausgesprochen wohl vielen Fremdgehern durch den Kopf geht.
Meiner Meinung nach kann eine Aufarbeitung nur gelingen, wenn der Betrogene irgendwann das Gefühl hat, nein, sicher sein kann, dass es eben keine Geheimnisse mehr zwischen den beiden gibt.
Erst dann kann man einen Neuanfang, eine Beziehung 2.0 überhaupt angehen. Alle "Metastasen" müssen vollständig zerstört werden.
Und dann kann man die Grundlagen der Beziehung neu ausmachen.
Wenn zu viel offenbleibt, wird es irgendwann doch den großen Knall geben. Auf jeden Fall wird es nie mehr eine wirklich tiefgehende Nähe zwischen den beiden geben.
Reflexion ist hier ein Stichwort. Der Betrüger muss sich selbst reflektieren. Er muss sich sozusagen gnadenlos im Spiegel betrachten. Und das auch aushalten.
Genau das habe ich aber von den wenigsten hier im Forum gemerkt. Es gibt einige, die bereit sind. Wenn ich darf, nenne ich mal @shediaa. Da findet sehr viel Reflexion statt.
Allerdings glaube ich, dass es ihrem Mann nicht so viel hilft, wenn er versteht warum das alles geschehen ist, also den Grund versteht. Das reicht mE nicht. Die Schieflage muss weg.
Ich sage immer, dass irgendwann beide die deckungsgleiche Sicht auf das alles haben müssen. Beide haben den gleichen Film gesehen. In zwei verschiedenen Kinosälen. Und dummerweise auch in zwei verschiedenen Versionen. Der eine den vollständigen Film, der andere einen Film, aus dem die entscheidenden Szenen herausgeschnitten wurden.
Und irgendwann müssen sie beide eine "Erinnerung" an die gleiche Version des Films haben. Sonst fehlt dem betrogenen Partner bis an sein Lebensende ein mehr oder weniger großer Teil seines Lebens.
Eine Beziehung, die, egal wie stark, von Unehrlichkeit und Verschweigen durchzogen ist, ist aus meiner Sicht vollkommen wertlos.
Sind Affären "Dreck"? Mir egal wie man das ausdrückt.
Aus meiner Sicht sind sie unfair, respektlos, rücksichtslos. Die Gefühle des betrogenen Partners spielen für den Betrüger ganz einfach keine Rolle. Und das hat mit liebevollem Verhalten, was ja Liebe u.a. auch bedeutet, ganz einfach nicht, in Worten NICHTS, zu tun.
