Arnika
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Zitat:ohne Geliebte/andere Leute gäbe es kein Fremdgehen - Fremdgehen gab es schon immer. Nur
die Befürworter von Affären werden immer ideenreicher, Affären "gute" Seiten abzugewinnen.
Ach, in guten alten Zeiten gehörte es zum guten Ton, sich Lustsklaven und Günstlinge zu halten, es gab den offiziellen Titel der Maitresse en Titre, Bord. sowieso, Orgien, Kuckuckskinder mehr als heute. In den meisten Zeiten der Menschheitsgeschichte wäre Fremdgehen niemals ein Trennungsgrund gewesen, weil sich die Ehe vor allem als Wirtschaftskonklomerat verstand - und versteht. Kurz: Nicht die "Befürworter" werden immer ideenreicher, im Gegenteil, man machte einfach nicht so ein Drama draus. Nachdem die Lebenserwartung ohnehin nicht sehr hoch war, musste man eine durchschnittliche Ehe auch nur maximal 15 Jahre aussitzen.
Es ist ja schon der Kausalzusammenhang recht dünn. "Ohne Geliebte gäbe es kein Fremdgehen." Das heißt aber noch lange nicht, dass ohne eine Geliebte oder einen Geliebten es nicht zur Trennung gekommen wäre. Vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt - aber sicher stand in den allermeisten Fällen ohnehin schon eine nicht mehr glückliche Beziehung inkl Trennungsgedanken im Raum. Bei Geliebten geht es ja nicht nur um 6 - den kann man einfacher haben - sondern um Gefühle und Defizite des Miteinanders, die in der Ehe oder Partnerschaft vermisst werden, manchmal vielleicht auch nur, nochmal verliebt zu sein, mit allem, was dazu gehört. Prinzipiell möchte ich aber keinen Avatar zuhause, der eigentlich nicht mehr mit mir zusammensein will, aber Hauptsache, ich kann meine Wohnmöglichkeit und Bequemlichkeit erhalten. Das käme mir wie eine sozial anerkannte Form der Prost. vor.
Natürlich tut es furchtbar weh und nagt vor allem auch am Ego, wenn man ausgetauscht wird. Keine Frage. Aber ob das die Schuld der Geliebten ist, lass ich mal dahingestellt. Mich haben im Laufe meines Lebens zig wenn nicht hunderte verheiratete Männer angegraben, durchaus beharrlich. Das lag wohl weniger an mir, als am "Bedarf", Liebes- oder 6-Entzug in der Primärbeziehung, vielleicht auch nur der Lust aufs Abenteuer. Von Seitensprung-Plattformen, wo sich auf die aktive Suche nach Affären gemacht wird, gar nicht zu reden.
Kurz und gut: Ich mache nicht die Geliebten dafür verantwortlich, wenn jemand innerhalb einer Ehe/Partnerschaft untreu wird - sondern jene, welche die Treue brechen, mit einem Blick darauf, dass sie allzuoft aus einer lieblosen Beziehung ausbrechen. Die Betrogenen sind nicht automatisch Engel, nur weil sie betrogen werden - und die Betrüger nicht automatisch Teufel. Und die Geliebten erst recht nicht.
Wie mich die Trennung von meinem Mann in den Ruin treiben könnte, sehe ich auch nicht - da habe ich vermutlich vorher schon einiges falsch gemacht. Und sorry, wenn ich dazu noch meine Freunde verliere und mein Ehrenamt, dann waren das sehr schwindliche Freunde und ein fragwürdiges Ehrenamt, und dann hat man mich vermutlich nur geduldet, weil ich die Frau von XY bin. An diesem meinem sozialen Versagen könnte aber die Geliebte nichts, aber auch gar nichts dafür.
Natürlich ist es leicht, anderen die Schuld für seine eigenen Probleme zu geben. Aber ich tendiere eher dazu, mich selbst zu reflektieren und meine Anteile der Misere zu erkunden. Das wichtigste ist wohl zu erkennen, es ist nicht jede Affäre gleich, es ist nicht jede Ehe/Partnerschaft gleich, nicht jede/r Betrogene, nicht jeder Betrüger und nicht jede/r, der eine Beziehung welcher Art auch immer führt und dabei Fehler macht bzw Liebe schenkt. So einfach ist das Leben nicht, und so gleichgeschaltet sind die Menschen - gottlob - nunmal nicht.
