Zitat von PapaEmeritus: Irgendwann bin ich mit meinen Eltern aus einem Jugendstilviertel ins Ghetto gezogen, da hatte ich dann das erste Mal Stress, und bin auch in eine politische Ecke abgedriftet, aus der ich mich dann zum Glück irgendwann distanzieren konnte. War damals aber ziemlich schlimm unterwegs, inklusive dem dazugehörigen Kleidungsstil. Die Frisur hatte ich schon genetisch, da musste ich nix mehr machen.
Respekt Bruder Du bist ein mutiger Mann.
Dein Beitrag hat mir sehr zu denken gegeben.
Auch Du wurdest Durch die Straße geprägt.
Doch Du wärst heute nicht der wunderbare Mensch der Du bist, der so ergreifend schreiben kann.
Mit zwanzig kam ich zum Militär, ich verpflichtete mich für 4 Jahre.
Ich war Feldjäger, umgangssprachlich MP, Militärpolizei genannt.
Das erste mal richtig weg von zuhause, fremder Bahnhof, fremde Stadt.
Militäeischer Drill, Ordnung. Disziplin, Gehorsam, wieder hatte ich zu funktionieren, zu dienen.
Da war aber auch Kameradschaft, Loyalität, Respekt musste verdient werden.
Diese Aufgabe, die Verantwortung machte mir Spaß und brachte mir persönlich viel, ich würde es jederzeit wieder tun.
Nach 4 Jahren lockte aber die freie Wirtschaft, das Geld.
Doch mein Rückweg ins Zivilleben war nicht von Erfolg geprägt.
Mir fehlte der Zusammenhalt die Kameradschaft, klare Struktur und Hierarchien, Teamplay.
Ich lernte dass auf dem Arbeitsmarkt mit harten Bandagen gekämpft wird.
Zu erkennen wer dort Freund und Feind ist gelang mir nicht.
Ein junger Mann, desilussioniert, der nichts mit sich anzufangen wusste, von der Gesellschaft als Zivilversager angesehen wurde.
So war auch ich anfällig für gewisse Gruppierungen die ein Sammelbecken für Menschen wie mich waren.
Es hätte auch bei mir etwas politisches, vielleicht etwas religiöses sein können, doch es kam ganz anders.
Um es kurz zu machen, wir fuhren Motorrad, trugen die gleichen Abzeichen, nannten uns Brüder.
Kameradschaft, Fteundschaft, Loyalität, ein fragwürdiger Ehrenkodex.
Unsere Message war nicht "wir haben euch alle lieb" auch nicht "wir hassen alle Anderen" aber die Botschaft war "Wir sind jetzt hier, haltet euch aus unseren Dingen raus, wir haben unsere eigenen Gesetze".
Dorr konnte ich bestehen, mich beweisen und das wurde wahrgenommen.
Ich lebte dieses Leben mit allem was dazu gehörte.
Ich hatte Muskeln, ein Motorrad und eine Lobby.
Vorrübergehend fühlte ich mich wohl, das stützte eine Zeit lang mein geschädigtes Ego.
Doch auch hier ertappte ich mich, in den wenigen Minuten, dabei wie ich gewisse Dinge und Vorfälle, für mich in Frage stellte.
Ich dachte wie es wohl wäre ein "normales" Leben zu führen und zweifelte gleichzeitig ob ich dazu fähig wäre.
Auch dieser Abschnitt meines Lebens endete mit Verrat und Betrug, feindliche Übernahme.
Nicht mit Drama, Gewalt, Brutalität und Chaos.
Es floss viel Geld aber nur ganz oben, sch.... auf Ehre, Respekt und Loyalität wenn es um Kohle geht.
Die Werte für die ich lebte wurden verkauft aber mich und eine Hand voll Andere würden sie nicht verkaufen.
Wir waren ab dann Geächtete unter Geächteten, unerwünschte Personen, bad Standing.
Das hatte Folgen für uns, schlimme Folgen, aus Brüdern wurden Feinde.
In meinem Fall 14 Tage Krankenhausaufenthalt mit nicht unerheblichen Verletzungen wo ich heute noch meine kleinen Erinnerungen haben.
Doch alte Seilschaften und Beziehungen die noch galten verhalfen uns zu strategischen Schritten die uns Ruhe und Frieden verschaften.
Unser Preis war Schweigen, vetgessen, über gewisse Dinge niemals reden.
Denn urplötzlich hatten die Strafverfolgungsbehörden Gefallen an uns gefunden und erhofften sich wohl gewisse Informationen.
Doch das war keine Option für uns.
Doch ich will nicht klagen.
Ich habe dieses Leben gelebt und habe den Preis dafür bezahlt, das ist ok.
Sicher würde ich mich nicht nochmal für diesen Weg entscheiden, würde auch jedem davon abraten, doch ich habe dort viel über das Leben gelernt.
Ich wüsste heute viele Dinge nicht, würde sie gar nicht verstehen oder wahrnehmen wenn ich nicht diese Wege gegangen wäre.
Ich bin dankbar für diese Erfahrungen.
Wieder nach einer Zeit der Leere driftete mein Leben in ein anderes Extrem, doch das ist eine andere Geschichte und hier auch irrelevant.
Jeder geht seinen Weg, das formt ihn.
Vielleicht wäre ich heute nicht so zufrieden wenn es ein anderer Weg gewesen wäre.