Zitat von trauer37:
Alles andere macht halt keinen Sinn, wenn man bedenkt, dass ihr die Ehefrau 6 Jahre lang egal war. Schrieb ich aber auch schon. Zumal die TE selber schrieb, dass es zerstörend für die Ehefrau sein könnte.
Ok vielleicht ist es auch keine Rache sondern der Wunsch, nicht als Verliererin dazustehen, aber das macht es ja auch nicht besser. Verliererin ist sie eh so oder so. Ich finde es halt hinterhältig, über Jahre ein Verhältnis ohne Skrupel zu führen, um dann hinterher, nur weil sie selber den Mann nicht kriegt, so zu tun, als würde sie irgendeinen Gedanken an die Ehefrau verschwenden.
Ich mache mal den Versuch einer Erklärung - die TE hatte eine jahrelange Affäre mit einem Mann, offenbar in der Hoffnung, dass aus der Affäre eines Tages mehr wird. Diese Hoffnung hat einen Grund, der Mann wird also irgendwas gesagt/getan haben, was in ihr diese Hoffnung geweckt hat. Zumindest aber hat sie wohl geglaubt, seine Ehe sei am Ende und nicht mehr zu retten. Nun ist die Affäre beendet, und hätte der Mann sie beendet, um sich wieder seiner Ehe zuzuwenden und dieser eine Chance zu geben, hätte die TE wahrscheinlich Trennungsschmerz gehabt, die Entscheidung (für die Ehefrau) aber akzeptiert. Das ist nämlich bei den meisten AF, die ich kenne, nach einer gewissen Zeit der Trauer der Fall.
Nun ist aber das nicht passiert, sondern sie wurde als Affäre einfach abserviert und durch eine neue Affäre ersetzt. Natürlich ist das eine Demütigung, eine Verletzung, weil ihr dadurch klar wird, dass sie den Stellenwert, den sie für den Mann gern gehabt hätte, niemals hatte und auch nie erreicht hätte. In der "Logik" einer liebenden Frau bedeutet das also wohl, dass sie sechs Jahre ihres Lebens an eine Liebe verschwendet hat, die von seiner Seite aus keine war. Und ja, damit fühlt sie sich genauso betrogen wie die Ehefrau, und das gibt ihr einen Anlass, sich plötzlich mit dieser zu solidarisieren. Empathie ist nämlich eben oft auch eine Frage der gemeinsamen Erfahrungen, und so wie sie sechs Jahre lang wenig Empathie für die Ehefrau hatte, hat sie sie aber nun, denn sie fühlt sich jetzt mit ihr verbunden durch die ähnliche Erfahrung (beide wurden durch den gleichen Mann betrogen).
Das ist ein Entwicklungsprozess in Affären, den leider sehr viele Menschen nicht verstehen (weil sie ihn selbst nicht durchlebt haben). Ich finde ihn aber ganz normal, und er hat in meinen Augen wenig mit Rache zu tun, wenn auch vielleicht oft insgeheim noch der Wunsch nach "Gerechtigkeit" steckt, dass dieser betrügende Mann doch dann bitte auch endlich bezahlen soll - am besten, indem er "alles" verliert. Inwiefern diese Gerechtigkeit nun dem common sense entspricht oder eine subjektiv empfundene Gerechtigkeit der betroffenen AF ist, sei mal dahingestellt. Dennoch sind all dies Motive, die mit profanen Rachegelüsten wenig zu tun haben.
Ich habe es heute schon mal woanders geschrieben, aber gern hier noch mal - eine Frau, die sich geliebt fühlt, verzeiht alles. Eine Frau, die sich verarscht fühlt, wird zur Hyäne. Das mögen bitte auch alle mitlesenden Männer als "Warnung" verstehen .
