@YsaTyto :
Was die reine Leistungsfähigkeit anbelangt, muss man sich ja nur die PISA-Studien der letzten Jahre anschauen.
Soweit ich das noch erinnere standen in allen 4 abgefragten Bereichen fast nur asiatische Länder auf den ersten 3 Plätzen.
Ich glaube vor allem Singapur und China, deren Schulsysteme sicherlich nicht dafür bekannt sind individuelle Freiheiten zu lassen.
Dort herrscht zum einen ein sehr großes Gemeinschaftsdenken in Verbindung mit Leistungswillen und Pflichtbewusstsein.
Und ein Erziehungsstil, der unbedingte Disziplin einfordert und Respekt.
In diesen Extremen bin ich davon kein großer Fan, natürlich finde ich es gut wenn Pädagogen einfühlsam mit ihren Schülern umgehen und sie in ihren Begabungen fördern, aber in unseren Breiten geht diese Tendenz genau in die andere Richtung.
Nebenbei bemerkt sind die deutschen Bundesländer mit den besten Leistungen Bayern und Sachsen (beide CDU regiert), Schlusslichter Berlin und Bremen (SPD regiert). Früher war auch noch BA-WÜ mit vorne, aber seit das Land grün regiert wird nicht mehr.
Also Länder mit einer eher konservativen leistungsbetonten Bildungspolitik.
Den Lehrkräften wird immer mehr aufgeladen, das eigentliche Unterrichten erfolgt nebenher. Gerade in Brennpunktschulen sind Lehrer im Grunde Therapeuten bzw. Sozialarbeiter. Im Rahmen der Digitalisierung, die auch dazu führt, dass sich der Unterricht komplett verändert, müssen sich die Lehrer dementsprechend umstellen, allerdings erfolgt das nicht in durchorganisierten Schulungen sondern über ausgelagerte Weiterbildungsmaßnahmen, die nur an der Oberfläche kratzen. Was wiederum heißt, dass der Lehrer sich im Grunde alles selbst beibringt.
Fachfremder Unterricht und und und.
Davon abgesehen, dass man permanent unter Beobachtung steht, kaum Ruhepausen hat und auch keine äußeren Unterstützungssysteme wie bspw. Supervision bei Psychotherapeuten.
Ach so... die Flüchtlingsklassen nicht zu vergessen. Da kann die Hälfte weder schreiben noch lesen, sind traumatisiert und viele Lehrer helfen dann noch nebenbei den Papierkram zu erledigen.
Ich kenne wirklich viele Lehrer und keinen einzigen (!) der es geschafft hat die gesamte Arbeitszeit von ca. 35 Jahren mit vollem Deputat durchzuziehen. Die meisten flüchten sich über kurz oder lang in Teilzeit und/oder Zusatzaufgaben, um das eigentliche Unterrichten mit allen Nebentätigkeiten zu minimieren.
Um unser Schulsystem zu verbessern bräuchte es in erster Linie viel mehr Geld, um mehr Lehrer einzustellen (die Abbruchquote unter Referendaren wird immer höher wenn der Praxisschock kommt), Klassen von maximal 20 Schülern, mehr Geld um digitale Einrichtungen auszulagern (das machen nämlich auch die Lehrer, wenn sie ein bisschen was von Informatik verstehen), Psychotherapeuten und Sozialarbeiter und vor allem Unterstützungsmöglichkeiten für die Lehrer.
Zitat von YsaTyto:nach Precht haben eben auch Lehrer und Professoren wegen schlechter Methodikausbildung keine Ahnung von sinnvoller Methodik. Nur ein Bsp., das Precht nennt: sich im 45 Min. Takt mit jeweils anderen Fachgebieten zu befassen, sei schon allein hirnphysiologisch (weiß nicht mehr, ob er genau diesen Begriff verwendete) völlig widersinnig und kontraproduktiv.
Die Lehrerausbildung läuft völlig verkehrt, da gebe ich dir recht. Das, was am Ende unterrichtet wird kommt im Studium kaum vor und der Umgang mit Konflikten oder anderen sozialen Aspekten kommt im Grunde gar nicht vor.
Allerdings gibt es auch nicht "die sinnvolle Methodik", es gibt auch nicht "ein perfektes pädagogisches Konzept". Wichtig sind Flexibilität und Vielfalt. Weswegen ich es auch total wichtig finde, dass Schule nicht zunehmend vereinheitlicht wird.
Manche Kinder passen perfekt in eine Regelschule, weil sie Notendruck und gute Strukturen benötigen, andere entfalten sich besser in einer alternativen Schulform wie der Walldorfschule.
Deswegen ist es auch super wichtig, dass Kinder unterschiedliche Lehrertypen haben.
Precht sagt viele clevere Sachen, aber Leute, die in ihrem Leben keine Stunde unterrichtet haben, sollten sich mit klugen Ratschlägen etwas zurückhalten. Bspw. gibt es an den meisten Schulen, die ich kenne mittlerweile die 90 Minuten Taktung mit langen Pausen und regelmäßigen fächerübergreifenden Projektunterricht..
Allerdings gibt es an der Stelle das Problem, dass sich heutzutage kaum ein Schüler noch länger als 30 Minuten wirklich konzentrieren kann.
Zitat von YsaTyto:aber jedenfalls gibt es eines, ohne Noten, ohne Leistungsdruck und schon die kleinen Kinder dürfen wählen, welche Themen sie vertiefen. Ergebnis: extrem konzentriertes Lernen und sehr gute Leistungen.
Sorry das ist in dieser Allgemeingültigkeit nicht richtig.
Das kommt immer auf den Schüler an. Viele, gerade die kleineren Kinder, wollen unbedingt Noten bekommen. Für viele ist eine Note auch etwas dass sie in der Hand halten und eine Belohnung für ihre Mühen.
Keine Noten zu bekommen wirkt auch auf viele total demotivierend.
Lässt du Schüler weitgehend ohne Anleitung (was auch zusehends propagiert wird) lernen also nach dem Spaßprinzip, gibt es auch genug die gar nix machen bzw. nach dem Minimalprinzip arbeiten.
Lernen braucht Druck. Viele Kinder entdecken erst dann wenn sie quasi dazu gezwungen werden sich mit einer Sache zu beschäftigen, dass sie diese interessiert.
Zitat von YsaTyto:Dabei fällt mir noch eine These von Precht ein (hoffe, dass ich sie nicht verfälsche): dass es viel sinnvoller Sei, je nach Gaben und Talenten schon früh einen Bereich auszubilden, statt von allem nur ein bisschen zu wissen/zu können.
Das stimmt tendenziell auch. Dennoch muss jeder Schüler um überhaupt in unserer Gesellschaft lebensfähig zu sein bestimmte Grundfertigkeiten erlernen. Die Diversifizierung erfolgt doch bereits schon in der Mittelstufe, wenn die Schüler verschiedene Zweige wählen, je nach Schule: also sprachlich, naturwissenschaftlich oder musisch zB.
Gerade aus dem von dir genannten Grund war ja auch die Empfehlung für die Schüler in Bayern bspw. nach der vierten Klasse gar nicht so verkehrt wie immer dargestellt, nämlich je nach Fähigkeiten/Fertigkeiten zur Haupt-Realschule oder Gymnasium.
An den Haupt-Realschulen wirst eben auch im Kochen, Handwerk etc. unterrichtet, bist du eher intellektuell begabt gehst du aufs Gymnasium. Und selbst wenn du nach dem Hauptschulabschluss gemerkt hast, du willst noch Abi machen - auch kein Problem!
Das deutsche Bildungssystem ist sehr durchlässig.
Zitat von Sohnemann:Das Engagement und die finanziellen Mitteln die nötig sind, um das korrekt zu bewerkstelligen liegen schätzungsweise um das fünffache höher als momentan.
Vielleicht auch eher das zehnfache .
Da gehe ich vollkommen d´accord.