leilani
Gast
Zitat von williams:Der Wunsch, überwiegend nur nach Methodenkompetenz beurteilt zu werden wird für einen Lehrer eher erfüllt, wenn er sich gleich nur an Erwachsene richtet, weil Kinder ungefiltert die Lücken in den social skills der Lehrkörper aufdecken.
Wenn kindgerechte Fragen an die Schüler über Lehrer mit Schulnoten beantwortet werden, zu Kompetenzen wie Freundlichkeit, Hilfsbreitschaft, Geduld, Umgang mit Lob bei guten Leistungen, interessanter Unterrichtsgestaltung, Durchsetzungsfähigkeit, Streitschlichtungskompetenz, Umgang mit eigenen Fehlern, Gleichbehandlung der Geschlechter usw., können auch 12-jährige vernünftig antworten und ihren Eindruck vermitteln.
In einem Gymnasium oder einer Realschule mit sozial unauffälligen Schülern ist sowas eventuell möglich, aber auch hier hat diese Einflussmöglichkeit ihre Grenzen.
Bspw. haben Kinder und Jugendliche in ihrem zeitlichen Fassungsvermögen und langfristigen Denkfähigkeit naturgegebene Grenzen.
Angenommen ein Termin für ein Feedback ist anberaumt, dann machste eine Woche high performance Unterricht, bist extrem zugewandt, super freundlich und berücksichtigt all die von dir angegebenen Aspekte, dann bekommst auch eine gute Bewertung.
Du kannst allerdings nicht ständig und stetig so arbeiten, dann haste nach kürzester Zeit burn out. Es gibt weder die zeitlichen noch finanziellen Kapazitäten, dermaßen intensiv und zugewandt mit den Schülern zu arbeiten. Jedes längere Gespräch mit einem Schüler bedeutet automatisch, dass du keine Pause hast und/oder du den Stoff nicht mehr schaffst. Wenn am Ende die Prüfungen anstehen und der Stoff nicht durch ist, die Schüler schlechte Ergebnisse haben spätestens dann interessiert die Freundlichkeit niemanden mehr und man steht, richtigerweise, in der Kritik.
Gleiches gilt auch als Negativbeispiel, zB für die Bewertung mündlicher Leistungen. Die mündlichen Noten werden zB über einen Zeitraum von alle 3 Monate vergeben. Schüler x macht 2,5 Monate gar nix, rappelt sich auf und gibt die letzten 4 Wochen nochmal richtig Gas. Bekommt am Ende dann die Note 3 und regt sich tierisch darüber auf, dass er keine 1 hat. Dem kannste 100x erzählen, dass die Note 1 nur für Leistungen gegeben werden kann, die über den gesamten Zeitraum gleichbleibend hoch ist.
Passiert dann oft, dass Eltern aufschlagen und sich über die ungerechte Bewertung beschweren mit dem Wunsch auf schriftliche Dokumentation der mündlichen Note quasi als Beweis. Was bei 120 Schülern pro Woche zeitlich nicht machbar ist. Du kannst nur begründen, aber es bleibt eine subjektive Bewertung. Interessanterweise habe ich aber nur selten erlebt, dass bspw. bei einem Lehrerwechsel die mündlichen Noten um mehr als eine halbe Note unterschiedlich war.
Arbeitest dann in einer richtigen Brennpunktschule mit 95% Schülern mit Migrationshintergrund, die mehr recht als schlecht Deutsch sprechen und mindestens 50% Schülern mit gravierenden persönlichen, familiären, psychischen Problemen, dann kannste deinen Bewertungsbogen gleich den Hasen geben. Da biste nämlich erstmal ne Stunde beschäftigt, den Bewertungsbogen zu erklären, weil der nicht verstanden wird, selbst wenn noch so einfach formuliert.
Fachlich bekommst immer top-Ergebnisse selbst wenn du den größten Mist verzapfst, weil das Bildungslevel so niedrig ist.
Da musst dir erstmal Respekt verschaffen und wenn das nach ein paar Wochen gut läuft, dann ist pro Stunde auch mal 20 Minuten intensives Lernen möglich. Aber im Sinne von es ist super leise, respektvoll usw., vergiss es. Da kommste in ne Klasse und dann beginnt das gleich mit "Frau Bla... der *beep* hat meine Freundin angetextet oder dies oder jenes gemacht", dann gehst mit denen kurz ins Gespräch, weil die sonst den gesamten Unterricht den Konflikt weiter besprechen und stören.
Zitat von williams:Und dann kann die Schulleitung auf auffällige Tendenzen bei der Wissensvermittlung aufmerksam werden - und handeln.
Dafür haben die Schulleitungen überhaupt keine Zeit. Glaubst du echt die schauen über die Feedbackbögen regelmäßig bei 50-90 Kollegen je nach Schule?
In krassen Fällen, wenn genug Kollegen vorhanden, was selten der Fall ist, gibt es einen Lehrertausch bzw. Schüler müssen die Klasse wechseln.
Es fehlt an allen Ecken und Enden Geld und vor allem an fachkundigem Personal. Es ist ein Unding, dass die Belastungen in den sozialen Berufen, inklusive dem Pflegebereich, dermaßen hoch sind.
Deswegen macht mich auch diese Diskussion im Elfenbeinturm über den richtigen pädagogischen Ansatz so sauer. Die Bedingungen stimmen einfach nicht.
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's am Tag.
?

Wie sieht das denn konkret aus? 
?!
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