Zitat von Zaungast: Ich finde diesen Gedanken im Hinterkopf sehr wichtig. Es ist nun mal naturgegeben, dass ab einem gewissen Alter eine neue Partnerschaft zu finden schwieriger wird.
Ich schaue meinen Vater an. Meine Mutter starb 1992 nach schwerer Krankheit, damals aber für uns doch überraschend. Dann stand er da und seine Pläne wegen eines behindertengerechten Umbaus des Hauses und einem frühen Abschied aus dem Arbeitsleben aufgrund eines für ihn günstigen Sozialplanes waren gegenstandslos.
Ein Jahr brauchte er auf alle Fälle, um mit dem frühen Tod meiner Mutter umzugehen. Seine Strategie waren lange Spaziergänge bevorzugt in der Nachtzeit, weil er eh schlecht schlafen konnte. Als Mann kann man auch nachts um drei in den Wald gehen. Er sagte, es ist unglaublich, aber er trifft immer wieder Menschen die wie er nachts im Wald unterwegs sind. Man grüßt sich und geht weiter. Als Frau würde ich das nicht machen.
Dann kam eine Phase, in der er sehr unternehmungslustig war. Er war Mitte 50 und hatte auf einmal viele alte und neue Kontakte. 'Da er immer am gleichen Tag in die Sauna ging wie andere Gewohnheitstiere auch, bildete sich eine Art Saunatruppe. Er fuhr dann auch ab und an einen Mercedes in die Niederlande weil er einen Händler kannte der ihm das vorschlug. Es bildete sich aus bekannten eine Männerrunde, die gemeinsam Rad fuhr. Und zum Kegeln ging er auch wieder und er begann sogar nochmals mit dem Fußball, denn diesen Sport liebte er besonders.
Und dann wurde es auf einmal etwas merkwürdig, denn er hatte auf einmal so seltsame Verhaltensweisen. Wenn wir zwei Töchter am WE zu Hause waren, las er nach dem ausgiebigen Brunch erstmal Zeitung. Das war normal. Aber dass er dann gegen 13 Uhr vom Tisch aufsprang und sagte, er müsse jetzt spazieren gehen, war doch etwas abnorm. Vor allem weil er davor noch im Bad rumpritschelte und es gehüllt in eine Wolke Pitralon (er mochte das tatsächlich gerne) wieder verließ. Hmm, da war wohl was im Busch ... Meine Schwester und ich sahen uns bedeutungsvoll an und stellten fest, da ist was nicht normal.
Es dauerte einige Wochen, wenn nicht Monate bis er mit der Wahrheit rausrückte. Verständlich, dass er erst Mal sehen wollte, ob das Aussicht auf Erfolg hat. Er hatte auf einer Geburtstagsfeier, auf der er mit anderen noch länger blieb, eine Frau wieder gesehen, die er schon seit seiner Kindheit kannte. Sie ist 6 Jahre jünger als er und hatte auch vor einigen Jahren ihren Mann wegen Leukämie verloren. Da die Familie meines Vaters dann in ein anderes Viertel zog, hatten sie keine Verbindung mehr. Und 6 Jahre sind für Kinder eine unendliche Zeitspanne.
Tja, er hatte also eine neue Partnerin, die wir akzeptierten und auch schätzen lernten. Und Ende der 90iger Jahren heiratete er nochmals und lebt heute noch glücklich und zufrieden mit ihr zusammen.
Ja, 62 sind keine 22 oder 32, aber Du weißt nie was das Leben noch bereit hält. Manchmal wird man vom Leben sehr überrascht - zum Positiven , aber auch manchmal zum Negativen.
Aber das Leben ist auch mit über 60 keineswegs vorbei, auch wenn es Dir jetzt so erscheint.