Dezember - Aufbruch in Gemeinsamkeit
So spazierte der Fuchs seiner Wege, begrüßte den Hasen am Morgen "Hase wovon bist du frei?", begrüßte die Eule am Abend "Eule wovon bist du frei?"; verabschiedete das Reh am Abend "Träume mein Reh, du weißt wozu.", verabschiedete die Fledermaus am morgen "Träume liebe Fledermaus, du weißt wozu." Spazierte zur Regenstelle und betrachtete sich - die Ohren sind schick, die Schnurhaare genau richtig, die Augen leuchten, die Nase gar zauberbar; er stupst mit ihr ins Nass, alles verschwimmt. Die Ohren sind zerfetzt, die Schnurhaare gebrochen, die Augen schimmern still, die Nase gar zauderbar. Was schaust du mich so fragend an, Fuchs. Ich weiß, ich weiß, ich frage zu viel. Es gibt keine Antwort ohne Fragezeichen. Ich weiß es doch! Er stupst mit seiner Nase ins Nass, alles verschwimmt. Er betrachtete sich auf eine Weise, die ihm fremd ist - und erkannte, nicht nur ich bin es dort im Wasser, nein auch du bist es, lieber Hase, Eule, Reh und meine Fledermaus. Nicht nur ich bin dort im Nass, auch du. Der Fuchs spazierte seiner Wege, er wusste nun er kann gehen wohin und wann immer er wollte, er wusste wo er sie alle fand. Er wusste er mag niemals in die Wüste; er liebte den Regen und das Glitzern im Sonnenschein.
Er liebte den Wald im Winter; es ist doch immer zauberschön. Das Knirschen seiner Pfoten im Schnee, seinen Atem in der Luft, das glitzernde Weiß, fällt die Sonne darauf.
Er war viele Tage allein unterwegs; er wusste heute ist Heiligabend. Er hat gelernt, dass er verbunden ist; immer zu jeder Zeit, niemals allein. Aber er konnte es nicht gänzlich verdrängen; eine leise Wehmut, eine Sehnsucht und eine kleine Traurigkeit. Er ging langsam, in Gedanken versunken zum Fluss und traf sie. Ein Mädchen stand mit einem Regenschirm am Fluss und goss Wasser hinein. "Was machst du da, du seltsames Mädchen?". "Ich mag, wenn alles verschwimmt, es ist Veränderung, alles ordnet sich neu, Fuchs." Der Fuchs nahm die Worte und freute sich. Die Traurigkeit verblasste. Am 1. Weihnachtstag erwachte er mit einem leichtem Schmerz im Herzen. Er spazierte, etwas schneller als am Vortag zum Fluss. Ein wenig ängstlich, sie dort nicht antreffen zu können, aber auch aufgeregt. Es gab in ihm eine Zuversicht, die sich wärmend in seinem Bauch ausbreitete. Manche nennen es Intuition, manche die Hoffnung. Er konnte es noch nicht greifen. Er verlangsamte seine Schritte, verweilte hinter einem Baum, beruhigte sich und vernahm das Geräusch von Wasser. Sein Herz tanzte, er genoss das Gefühl für einen Augenblick und schaute um den Baum herum. Er betrachtete sie für eine Weile, dieses Mädchen, dieses Seltsame mit einem Regenschirm und einer kleinen Gießkanne mit der sie unaufhörlich Wasser in den Fluss goss. Er ging zum Mädchen und fragte wie soll ich deine Worte verstehen? "Das musst du nicht, lieber Fuchs, am Ende sind es nur Worte. Komm setz dich in meinen Schirm, du kannst dich treiben lassen, der Tag wird schön.
(...)
"Was wünschst du dir Fuchs?" fragte das Mädchen und füllte ihre Gießkanne dabei auf. "Ich wünsche mir, dass ihr eine Zeit, ein Jahr haben werdet in Gesundheit, ein Jahr mit Spannung und Stillstand zum Werden, zum Erinnern, zum Gehen und Bleiben. Ein Jahr voller Verblüffungen, Neugier und Zuversicht. Ein Jahr mit gehaltenen Händen." Das Mädchen schaute den Fuchs an, nahm ihn bei seiner Pfote, öffnete ihren Regenschirm und setze sich mit ihm hinein. Sie trieben Fluss aufwärts und betrachteten die Bäume im Vorbei, bestaunten die Vögel in den Kronen und die Libellen im Fluss; sie leuchten so schön, scheint die Sonne auf ihnen darauf. Sie sahen die Eule, das Reh, die Fledermaus und den Hasen - Die Tierfreunde standen am Ufer und winkten, sahen dem Fuchs und dem Mädchen hinterher; sahen wie das Mädchen Wasser aus der Gießkanne goss, immer zu.
Der Hase stellte sich auf und sagte zu seinen Freunden, "Eule, Fledermaus und Reh seht ihr das?
Was ändert sich dort vor unseren Augen?
Und wisst ihr noch um die Zeit mit dem Fuchs? Was fragte er uns am Morgen und am Abend?"
Die Eule spreizte ihre Flügel und gurrte leise, "wovon bist du frei?"
Der Fuchs drehte sich um, ein letztes Mal und sagte zu sich selbst, "ich mag kein Suchender mehr sein. Ich möchte offen sein, ein ewig Lernender; ankommen im Werden."
Manchmal sollte man vielleicht Worte einfach annehmen.