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Wenig Beziehungserfahrung- Bindungsstörung?

Schappli

Eine Userin hier schrieb gestern Folgendes, das ich interessant fand und gerne zur Diskussion stellen würde. Es geht um wenig Beziehungserfahrung mit Mitte 30:

"Na ja, aber "normal" finde ich das nicht, ehrlich gesagt. Die meisten Menschen sollten mit Mitte 30 verheiratet sein und eine Familie gegründet haben oder gründen. Aber wenn man bis dahin nicht mal eine langjährige Beziehung (und 1,5 Jahre sind ja noch eine Beziehungsanbahnung) hingekriegt hat, dann stimmt da meiner Meinung nach etwas gewaltig nicht. Muss man nicht so sehen, für mich ist das aber eins von vielen Red Flags."

Ich habe selbst recht wenig Beziehungserfahrung (einige Jahre immerhin), war immer super gerne Single, da ich einen großen Freundeskreis habe und die Zeit mit diesem nicht einschränken möchte. Zudem bin ich sehr unabhängig und mir fällt es schwer, den Großteil meiner Zeit nur mit einer Person zu verbringen. Mir wird schnell langweilig in einer Beziehung, viele Männer wollen abends ihre Ruhe, auf der Couch sitzen und werden schnell träge in einer Beziehung. Als Single habe ich ein reges Sozialleben, lerne viele Leute kennen und das mag ich sehr!
Vielen Freunden von mir geht es ähnlich.

Ich möchte auch keine Kinder und heiraten, mir war bis dato nicht bewusst, dass man damit als unnormal gilt für viele.
Ich kenne viele toxische Ehen, einer geht fremd, der andere leidet. getrennt wird sich aber nicht wegen Haus und Kinder. beide gehen sich täglich an die Gurgel- nun frage ich euch: WER ist hier gestörter, die oder ich? Viele Eheleute sagen mir auch "du machst alles richtig".

Wie seht ihr das, sind langjährige Singles mit wenig Beziehungserfahrung für euch auch gestört?

10.10.2019 06:15 • x 2 #1


Kummerkasten007

Kummerkasten007


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Wenn man will, die Zeit und die Muße hat (oder den Drang), dann findet man für jedes Verhalten, welches außerhalb von irgendwelchen angeblichen gesellschaftlichen Normen liegt, immer ein Etikett.

10.10.2019 06:24 • x 1 #2



Wenig Beziehungserfahrung- Bindungsstörung?

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Butterkrümel

Butterkrümel


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Zitat von Schappli:
Die meisten Menschen sollten mit Mitte 30 verheiratet sein und eine Familie gegründet haben oder gründen.


Ich mag solche Schubladen gar nicht. Es gibt so viele Lebensmodelle wie Sand am Meer. Nichts davon ist richtig oder falsch, normal oder unnormal. Es passt nur nicht zum Lebensmodell des Schreibenden.

Diese Aussage passt zum Beispiel überhaupt nicht in mein Umfeld, da war mit Mitte 30 niemand verheiratet und alle haben sich auf Karriere und Reisen konzentriert. Ich hätte dir in dieser Zeit zehn Leute nennen können, die auf Weltreise waren (mit und ohne Partner) oder sie gerade planten oder die gerade befördert wurden oder neben dem Job noch promovierten. Keiner war verheiratet oder hatte das vor. In meinem Umfeld wäre die Schreiberin unnormal gewesen. Das macht es aber auch nicht richtiger, als ihre Schublade.

Zitat von Schappli:
Wie seht ihr das, sind langjährige Singles mit wenig Beziehungserfahrung für euch auch gestört?


Nein. Überhaupt nicht. Das heißt aber nicht, dass ich in einer Beziehungsanbahnung nicht doch vorsichtig wäre, ob dieser Mensch der Richtige für mich ist. Dieser Lebensentwurf ist schon sehr anders als mein eigener. Nicht jeder ist für eine Beziehung gemacht.

10.10.2019 06:41 • x 5 #3


Kaetzchen

Kaetzchen


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Du hattest also keine längere Beziehung, weil Du so gerne Single bist, rastest aber aus, wenn sich jemand den Du datest ein paar Tage nicht meldet und datest auch sonst so fröhlich in der Gegend rum?

Gut, wenn Du das normal (in Anführungsstrichen) findest ...

10.10.2019 06:48 • x 5 #4


T4U

T4U


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Zitat von Butterkrümel:
Nicht jeder ist für eine Beziehung gemacht.

Und nicht jeder für die Ehe

10.10.2019 06:51 • #5


Schappli


Zitat von Kaetzchen:
Du hattest also keine längere Beziehung, weil Du so gerne Single bist, rastest aber aus, wenn sich jemand den Du datest ein paar Tage nicht meldet und datest auch sonst so fröhlich in der Gegend rum?



Ich bin nicht ausgerastet. Und ja, ich bin lieber Single als in einer schlechten Beziehung.

10.10.2019 07:15 • x 1 #6


Femira

Femira


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Oh, danke für den Thread! Darüber denke ich auch gerade nach...

Zitat von Butterkrümel:
Es gibt so viele Lebensmodelle wie Sand am Meer. Nichts davon ist richtig oder falsch, normal oder unnormal.

Also, da kann ich nur zustimmen....Wenn Single sein und so weiter das selbst gewählte Lebensmodell ist, dann ist das super.

Interessant und diskutierwürdig wird es nur, wenn sich jemand ein anderes Modell wünscht...
Mein Exemplar, das mir durch den Kopf geht, ist auch um die 30, hatte erst ne 13monatige Beziehung. Grundsätzlich sieht er sich in seinem Leben früher oder später aber als liebender Vater. Er sagt, dass er lange Zeit glaubte, er könne nicht lieben und er auch für die kurze Beziehung keine tiefen Emotionen hatte...allerdings verliebte er sich vor einigen Jahren unglücklich in eine Frau. 4 Jahre versuchte er, mit ihr zusammen zu kommen...sie wollte aber nicht.

Oaky und jetzt bahnt sich mit mir was an und ich bekomme genau diese Geschichte nicht aus dem Kopf. Nicht lieben können, bzw unerrecihbare Frauen lieben. (Geschlechterzuordnung jetzt nur für mein Beispiel, ist sicherlich beliebig).
Ich denke auch, ist das nicht eine Red flag wie @Kaetzchen sagt?!


Zitat von Schappli:
Und ja, ich bin lieber Single als in einer schlechten Beziehung.

Japp, ich auch. Aber eine Beziehung bedeutet immer Wachstum und arbeit an sich selbst, weil einem die ganze Zeit ein Spiegel vorgehalten wird...drückt man sich da nicht n bisschen vor?

10.10.2019 08:33 • x 1 #7


T4U

T4U


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Zitat von Femira:
Aber eine Beziehung bedeutet immer Wachstum

warum bedeutet Singleleben nicht auch Wachstum? Immerhin lernt man sich und seine Bedürfnisse wieder besser zu verstehen

10.10.2019 08:35 • x 3 #8


Femira

Femira


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Zitat von T4U:
warum bedeutet Singleleben nicht auch Wachstum? Immerhin lernt man sich und seine Bedürfnisse wieder besser zu verstehen

In einer Krise wächst man meines Erachtens am allermeisten...wenn eine Beziehung beispielsweise zerbricht, ist man in einer Krise und da würde ich dir Recht geben.

Zitat von T4U:
Immerhin lernt man sich und seine Bedürfnisse wieder besser zu verstehen

Das muss man da...aber auch sich wieder völlig neu aufstellen, weil die alten Ziele und Gewohnheiten zerbrechen. Jedes Teil seines Lebens muss man betrachten, entscheiden ob man es noch will und wenn ja wie man es will. Das ist eine schwere Zeit mit viel Entwicklungspotenzial!

Ich dachte eher an jemanden, der keine oder nur sehr wenig Beziehungen eingeht.

Der Wechsel ist es doch, der uns wachsen lässt?

10.10.2019 08:52 • x 1 #9


Schappli


Zitat von Femira:
Mein Exemplar, das mir durch den Kopf geht, ist auch um die 30, hatte erst ne 13monatige Beziehung. Grundsätzlich sieht er sich in seinem Leben früher oder später aber als liebender Vater.



Finde ich völlig normal. Ich kenne einige Männer, die es während der Unizeit haben krachen lassen, dann in den 30ern geheiratet haben und nun gute Familienväter sind.

10.10.2019 09:56 • x 1 #10


Femira

Femira


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Zitat von Schappli:
Ich kenne einige Männer, die es während der Unizeit haben krachen lassen,

Aber krachen lassen hat er es auch nicht

10.10.2019 10:07 • #11


Isely

Isely


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Zitat von Schappli:
Ich kenne viele toxische Ehen, einer geht fremd, der andere leidet. getrennt wird sich aber nicht wegen Haus und Kinder. beide gehen sich täglich an die Gurgel- nun frage ich euch: WER ist hier gestörter, die oder ich? Viele Eheleute sagen mir auch "du machst alles richtig".


Ohne dir was zu unterstellen ....
Aber genau den Spruch von immer noch ledigen Frauen über 35 hab ich oft genug gehört.
Dann sind sie irgendwann 40 und stellen fest.. kein gescheiter Mann mehr da ....
Und gerade diese Frauen die jahrelang auf andere Ehen skeptisch geblickt haben , scheuen sich aber nicht mit jenen ach so unglücklichen Männern eine Affäre anzufangen.

Jahrelang das Single Leben genossen , keine Beziehungsarbeit geleistet, und plötzlich kommt die Torschlusspanik.

Ich meine wie gesagt nicht dich persönlich.

Aber genauso ist es doch oft !

10.10.2019 10:09 • #12


Schappli


Nene ich will keine Kinder, daher null Torschlusspanik vorhanden.

10.10.2019 11:09 • #13


HeartOfGold

HeartOfGold


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Interessantes Thema!

Ich kann sagen:
Ich bin glücklicher Single, aber auch glücklich in einer (funktionierenden!) Beziehung. Aber dann doch alle Male lieber Single als in einer "toxischen" Beziehung. Mittlerweile habe ich das Allein-Sein sehr gut gelernt. Vor ein paar Jahren habe ich mich sehr einsam gefühlt, wenn ich alleine war. Das ist nicht mehr so.
Aber auch ich muss sagen, als Single habe ich immer viel mehr Menschen kennengelernt. Das gefällt mir als eher extrovertier Mensch sehr gut!

Aber ich sehne mich auch nach einer tollen Beziehung, in der man ehrlich zueinander ist, Dinge offen ansprechen kann, gemeinsam verschiedene Sachen unternimmt usw.
Ich sehe es eher so, dass ich bei der Wahl meines Partners jetzt sehr viel genauer hinschaue. Mit Mitte 20 möchte ich schon gern, dass der nächste Partner mein letzter ist... Dagegen hätte ich jedenfalls nichts. Und für's "Och, einfach mal eine Beziehung probieren!" bin ich nicht.
Denn ich würde mir schon wünschen mal in den nächsten Jahren zu heiraten, Familie zu gründen etc.
Aber ich denke auch: Zwischen dem Wunsch und dem Zeitpunkt des Eintreffens können schon mal Welten liegen.

Ich habe hier im Forum auch schon öfter gelesen, dass über Menschen, die mit Mitte 20 noch keine (oder sehr wenige, kurze) Beziehungen hatten geurteilt wird. "Mit denen stimmt doch was nicht!" habe ich da auch schon gelesen. Da blieb mir offen der Mund stehen - auch wenn ich mich nicht angesprochen gefühlt habe, da ich schon langjährige Beziehungen hatte.
Das ist mir sehr suspekt. Alle trichtern einem ein: "Du sollst auch allein glücklich sein können!" Und dann lebt man mal einige Jahre als glücklicher Single und schon wird man als beziehungsunfähig abgestempelt. Das finde ich echt hart.

10.10.2019 11:24 • x 2 #14


Schappli


Zitat von HeartOfGold:
Das ist mir sehr suspekt. Alle trichtern einem ein: "Du sollst auch allein glücklich sein können!" Und dann lebt man mal einige Jahre als glücklicher Single und schon wird man als beziehungsunfähig abgestempelt. Das finde ich echt hart.


Korrekt.

Und "Beziehungsarbeit" bzw. einen Spiegel vorgehalten bekomme ich sehr wohl- vom Chef, Freunden, Kollegen. Man lebt nicht in einer Blase. Zumal die Wahrnehmung eines Partners oft verzerrt ist.

10.10.2019 11:30 • #15



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