Liebe Flora,
ich möchte mich auch nochmals hier einklinken. Bei mir war es auch - wie eine Affäre. 8 Wochen ist die Trennung nun her, bei ihm war es so, dass er sich nie voll zu mir bekannt hat. Er wollte nichts aufgeben, weiterhin seine Freiheit, kein Zusammenleben (der Alltag in einer Beziehung wäre ihm ein Greuel), kein wahrhaftiges Interesse an meinem Leben, meinen Zielen, meinen Plänen. Er wollte nur eine Hobby- und Freizeitfrau, aber bitte mit guter Laune und allzeit bereit, wenn er bereit war. Es hätte genausogut ein gebundener Partner sein können, der Unterschied wäre nicht groß gewesen. Er hat sich jedenfalls genau so verhalten. Und trotzdem: mir gehen auch noch phasenweise die harmonischen Momente, die schönen Zeiten, die Zärtlichkeiten durch den Kopf ...... Doch auch das musste er niederreden, als ich sagte: und unsere schönen Urlaube? Tat er ab mit dem Worten: Ach, die Urlaube, ja. War ihm gar nicht so bedeutungsvoll wie mir. Offensichtlich bist Du mehr mit dem Herzen dabei als er. Auch ich habe ihn deswegen als Lebenspartner abschreiben müssen, um vielleicht irgendwann wieder einmal glücklich zu sein. Bei mir waren es die Umstände der "emotionalen Distanzierung", sobald es näher für ihn wurde, uns zwischendurch immer mal wieder latente diffuse Hoffnungmacherei. Komm her - geh weg. Ein grausames Spiel, an dem ich bald kaputt gegangen wäre.
Manchmal gibt es auch gute Tage, an denen ich besser damit umgehen kann.
Den Mangel bei sich zu suchen ..... bei mir wäre das: warum habe ich so lange in einer Beziehung verharrt, die mir nicht wirklich guttat? Warum habe ich nicht früher die Reißleine gezogen? Warum habe ich nicht in dem Moment den CUT gemacht, als es mehr als offensichtlich war, dass er nur Freundschaft plus haben wollte? Das vielleicht geringe Selbstwertgefühl. Die Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Zärtlichkeit, nach zusammen lachen, und doch habe ich mir war vorgemacht. Das war mein Mangel. Zu denken, ich könne nie im Leben wieder so einen Partner haben. Aber WAS hat er denn wahrhaftig gegeben? Was hat es denn mit Liebe zu tun, wenn der Partner selbst nicht den Wunsch und das Bedürfnis hat, den anderen um sich zu haben, damit der Alltag bunter wird? Nur Zusammensein, wenn er es einrichten konnte und wollte? Dann noch ein Mangel: Ängste. Befürchtung, doch keinen passenden Partner mehr zu finden. Ich mit meinen 56 Jahren sehe, dass die lieben und netten Männer schon gebunden sind, und diejenigen, die nicht gebunden sind und nett aussehen, möglichst noch alles mitnehmen wollen, was sie bekommen können. Und auf ihre 100%ige Traumfrau hoffen, wie mir jemand im Forum schrieb, und er hatte Recht, Frau ist dann nur 60%. Das reicht für den Übergang. Mein 17jähriger Sohn sagte vor 2 Jahren zu Beginn meiner Beziehung: es sieht so aus nach Sicherstellen und Weitersuchen. Ich wollte es nicht wahrhaben.
Aber die ganze Selbstzerfleischung nutzt nichts. Ja, wir müssen alle unseren Weg ohne den Partner weiter gehen, wie Gleichgesinnte geschrieben hat.
Ich hoffe nur, dass die schmerzhaften Zeiten mal bald weniger werden und die Abstände größer. Selbstreflektion ist gut, was könnte man selbst falsch gemacht haben, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen.
Ich denke, Du hast auch immer und immer wieder gehofft, dass er sich ganz auf Dich einlässt. Und das Hoffen ist manchmal eben nicht nur hausgemacht, nein, es gibt Äußerungen, Gesten, gesprochene Sätze, die Frau hoffen lassen, um ihre Illusion zu nähren und bei der Stange zu halten. Ich selbst bin emotional auch viel zu sehr engagiert und dadurch zu schwach, um gleich Schluss zu machen, wenn es aus dem Ruder laufen will.