Für mich liegt der Schlüssel darin, mich mehr auf das zu konzentrieren, was schön und gut war in meinen Beziehungen... dafür dankbar zu sein, dass ich das erleben und ein Stück meines Weges mit diesem Menschen gehen durfte. Und weniger auf den Schmerz und die Enttäuschung, die das Ende gebracht hat. Trotzdem offen und neugierig zu bleiben für das, was das Leben mir noch bringen kann - und bereit, mit wieder einzulassen auf einen anderen Menschen, auch auf das Risiko hin, dass es irgendwann wieder vorbei ist. Leben hat seinen Preis, aber die schönen Erinnerungen, die guten Erlebnisse, die kann mir keiner mehr wegnehmen - und dass es nicht ewig angehalten hat, macht sie nicht weniger wertvoll.
Das heißt nicht, dass ich es darauf "anlege", möglichst viele verschiedene Partner "durchzuprobieren" weil ja noch etwas besseres nachkommen könnte. Das heißt nicht, dass die Partner für mich beliebig austauschbar sind und es mir gleichgültig ist, wenn es zur Trennung kommt - nach dem Motto, dann eben her mit dem Nächsten. Wenn ich einen besonderen Menschen gefunden habe, mit dem ich meinen Weg gehen möchte, dann habe ich durchaus die Hoffnung, den Wunsch und das Ziel, das möglichst lange, möglichst gut zusammen hin zu bekommen. Bin bereit, dafür auch viel zu geben, auch Durststrecken durchzuhalten. Und empfinde es als schmerzhaft, wenn man dennoch an einen Punkt kommt wo einer sagt, es reicht mir nicht mehr, unsere Wege trennen sich. Trauere um das, was ich verloren habe.
Aber irgendwann ist es auch wieder gut. Ich will mich dieser Trauer nicht geschlagen geben, nicht zulassen, dass sie mich verbittert und verzweifelt zurücklässt. Mich nicht als Versager abstempeln, weil ich es "mal wieder nicht hinbekommen habe" oder "nicht (mehr) gut genug" war. Keiner von uns ist auf die Welt gekommen und konnte laufen... wir alle haben das mühsam lernen müssen, und haben es gelernt, weil wir es auch nach x-mal hinfallen beharrlich weiter versucht haben, uns immer wieder aufgerappelt haben. Wo wären wir hingekommen, wenn wir nach dem dritten oder vierten Sturz heulend auf dem Boden liegen geblieben wären: ich kann das nicht, ich lern das nie, ich will das nicht mehr, das tut zu weh?
Und noch ein paar Worte zur "grossen, einzigen, immerwährenden Liebe, bis dass der Tod uns scheidet". Wenn das passiert, wenn das gelingt, ist das wunderbar, ein seltenes, kostbares Geschenk. Der Hauptgewinn, der 6er mit Superzahl. Aber ist es nicht besser, sich auch über "3 richtige" zu freuen und das zu schätzen, als darüber zu verzweifeln, dass man nicht den Jackpot geknackt hat? Es schadet nicht, nach Idealen zu streben... aber wenn man mit nichts weniger zufrieden ist als nur mit dem Ideal, wenn das Ideal zur Vorausetzung für das eigene Glück gemacht wird, macht man sich selbst unnötig unglücklich.
Ich hoffe das war jetzt nicht zu plakativ... ich möchte wirklich niemandem zu nahe treten oder irgendwie abwerten, der für sich entschieden hat, dass es ihm reicht, dass er genug hat von Enttäuschung und Schmerz in der Liebe und sich dem nicht wieder aussetzen will. Jeder von uns hat seine Grenzen und jeder darf, jeder soll für sich Sorge tragen und sich schützen, wenn diese Grenzen erreicht sind. Und ich will damit auch nicht sagen, dass man ohne Partnerschaft nicht glücklich werden kann, kein erfülltes Leben haben kann. Das ist sehr wohl möglich und ein ebenso guter Weg. Ich finde es nur so unglaublich schade, wenn sich jemand zwar nach einer Beziehung sehnt, sich aber davor verschließt weil die Angst vor (erneuter) Verletzung zu groß ist.