Gast_Bonn
Gast
Ich glaube, die Menschen finden weniger und nur für kürzere Zeit zueinander, weil Männer ihre Bedeutung und ihre zwingende Funktion verloren haben.
Deion nennt es weibliches Anspruchsdenken. Es ist eher ein "es nicht nötig haben".
Meine Mutter konnte noch ohne (Ehe-)Mann weder eine Wohnung anmieten, noch in Ruhe Kinder bekommen und erziehen, noch neben der Zeit für Kinder auch für sich und ihre Kinder finanziell aufkommen. Gleichzeitig hatte sie die Sicherheit, dass sie das auch nicht können muss, wenn sie mal geheiratet hat. Da konnte sie über viele Unarten unseres Vaters hinwegsehen und er hatte einen integralen Platz in ihrem Leben und hat ihn noch. Schließlich ernährt seine Rente sie beide.
In meiner Generation können 40% der Männer keine Familie mehr ernähren, 20% wollen das von vorne herein nicht und die übrigen 30% fallen als Versorger aus, wenn die Ehe nicht mehr glücklich ist. Als Frau allein oder allein mit Kindern zu leben, ist kein gesellschaftliches Todesurteil mehr. Wir können selbständig Wohnungen anmieten und kündigen. Bekommen als Alleinstehende keinen Vormund mehr für die Kinder. Uns stehen jetzt Jobs offen, mit denen wir uns und die Kinder ernähren können. Also kann man sich auch gegen ein Leben mit einem Mann entscheiden, was vorher hier (und andernorts noch immer) nicht möglich war, ohne komplett am Ar*** zu sein.
Daher kommen dann die gefühlten "überzogenen Ansprüche". Früher ging es nur darum, irgendeinen halbwegs netten, halbwegs unversehrten, arbeits- und zeugungsfähigen Mann, der nicht trinkt und schlägt, abzubekommen. Das war absolut nötig für ein halbwegs anständiges Leben als Frau und reichte oftmals auch aus. Fragt mal eure Großmütter, nach welchen Kriterien sie ihre Männer "ausgesucht" haben und wofür sie sie "lieben gelernt" haben. Diese Sehnsucht, dass eine Frau sich mehrere Dates, Wochen und Monate Zeit nimmt, um die guten Seiten des Mannes zu entdecken und sich für ihn zu entscheiden, gibt es ja auch noch bei Männern in diesem Thread. So hat das eben bei unseren Vätern funktioniert. Und bei uns muss jetzt von Anfang an Neigung da sein, um zu einem Paar zu werden. Und ob ich jemanden in dem Sinn attraktiv finde, weiß ich nach 3 Sekunden, maximal 3 Minuten.
Bei allen, die ich länger date, muss etwas hinzukommen, das mein Leben besser macht als es zuvor war. Das war viele Jahre der Aspekt "potentieller Vater" und "Lebenspartner, mit dem gemeinsame Ziele umgesetzt werden können". Das "Versorgerthema" spielte bei mir nie eine Rolle, weil ich selbst gut verdiene und nach der Gesetzesänderung ja auch keine Versorgungssicherheit post-Scheidung mehr besteht, wenn man seinen Job zugunsten des Mannes reduziert oder gar aufgibt. Da wäre ich ja irre, wenn ich mich auf einen Partner oder Ehemann verließe, was meine Finanzen angeht.
Dass ihr Potential als Vater eines ihrer größten Pfunde auf dem Datingmarkt sind, verkennen viele Männer meiner Generation. Sie bestehen geradezu darauf, nur um ihrer selbst Willen geheiratet zu werden und sich bzgl. Kinder nicht festlegen zu müssen. Groooßer Fehler. Allein deshalb bleiben so viele Männer Dauersingle. Ist so, als würde ich mir als Frau bewusst schlimme Klamotten anziehen und die Haare abrasieren, damit ich "um meiner selbst Willen geliebt" werde. Hehres Ziel - aber völlig an der Realität vorbei.
Jetzt mit über 40 spielt die Vaterfähigkeit der Männer überhaupt keine Rolle mehr. Sie müssten also auf andere Art mein Leben bereichern. Und da wird's echt dünn.
Da viele Männer es gewohnt sind, in ihren Plänen unterstützt zu werden, statt die Partnerin auch selbst in eigenen und gemeinsamen Plänen zu unterstützen, gibt es auch in dem Bereich keinen Grund, sich mit einem Mann als Paar zusammen zu tun.
Bleibt also nur "Neigung und Nähe". Die bekommt man von Männern aber auch ganz ohne sich danach Geschichten von ihrem bösen Chef anhören zu müssen, sie pflegen und bekochen zu müssen. Männer gehen mit 6 sehr freigiebig um und sind emotional am aufmerksamsten und am kooperativsten, wenn sie sich in der Friendzone befinden oder sich Hoffnung auf eine Partnerschaft machen. Sobald sie in einer sind, nimmt das Engagement stark ab. Das spricht ebenfalls gegen eine Partnerschaft und für ein paar gute platonische männliche Freunde und eine Handvoll (andere) Männer, die abends kommen vor dem Frühstück wieder gehen.
Ich habe nichts gegen Männer und verbringe gerne Zeit mit ihnen. In einer Paarbeziehung zahle ich jedoch nur drauf, da eben keine zwingende Funktion bzw. Erfüllung einer wichtigen Funktion durch den männlichen Partner mehr gegeben ist, die mir irgendwas im Leben leichter oder schöner machen würde.
Ich fahre einfach besser, habe mehr Lebensfreude, Spaß, Zeit, erfüllte Träume und Geld, wenn ich Männer nur noch als Freunde oder Liebhaber in mein Leben lasse und nicht mehr als Partner.
Würden die Männer in diesem Thread mich aus Versehen treffen oder daten, würde ich sie frustrieren, weil ich "überzogene Ansprüche" an einen Partner hätte, sie als Liebhaber innerhalb von Sekunden auswählen oder ablehnen würde und sie "nicht für ihre inneren Werte als Mann lieben", sondern in die Friendzone einsortieren würde.
Das mag für Männer, die nach einer klassischen Partnerschaft (sie kümmert sich stets um mich, nimmt mich wie ich bin, meckert nicht, baut mich auf, liebt mich vorbehaltlos, hat keine festgelegten Erwartungen) mit modernen Freiheiten (Kinder, Versorgung und Beziehung sind optional) suchen, frustrierend sein.
Ein Mann an meiner Seite ist aber jetzt eben weder Lebensnotwendigkeit (wie bei Oma und Mama), noch ein Garant dafür, dass ich mich um bestimmte Aspekte des Lebens (wie Beruf, Einkommen, Rente und Auto) nicht mehr zu kümmern brauche und Kinder eine Selbstverständlichkeit sind (wie noch bei Oma und Mama).
Und -ganz ehrlich- ich hatte noch nie so viel Spaß und Liebe und Freundschaft und finanzielle Sicherheit und Möglichkeiten und harmonisches, Kraft spendendes Familienleben wie jetzt, da dies ohne einen einzigen Mann und statt dessen mit vielen männlichen und weiblichen Menschen stattfindet.
Die Frauen um mich herum mit klassischer Ein-Mann-Ehe und Kindern müssen sich immer "me-time" und stundenweise Auszeiten herausnehmen, um eigene Hobbies und Interessen nicht völlig von den Bedürfnissen von Mann und Kindern begraben zu sehen. Die fragen mich, wie ich das denn alles "schaffe" und wann ich "Zeit für mich" hätte. Da kann ich nur erwidern, dass die Kinder gar nicht das Aufwändigste in einer Familie sind und ich jetzt mit ihnen mehr Zeit "für mich" habe als mit Ehemann. Insofern ist, seit die Einzelpartnermänner in meinem Alltag nicht mehr stattfinden, 24 Stunden am Tag "me-time". Ich muss mich nicht mehr gegen jemanden im eigenen Haus abgrenzen und durchsetzen, sondern kann Gemeinsamkeiten mit einer Vielzahl von Menschen genießen, ohne dass dort Monopol- oder Anspruchsdenken entsteht oder es auf eine Leistungseinbahnstraße hinausläuft.
Es würde mich sehr wundern, wenn ich all das nochmal für einen einzelnen Mann aufgeben würde. Der müsste ja Superman sein.
Ohne es ausdrücklich zu wollen oder zu deklarieren, stehe ich also dem klassischen Betiehungs- und Partnermarkt wohl auch nicht mehr zur Verfügung oder bin eine von den "beschädigten, zu viel verlangenden" Frauen. Dabei will ich nur nicht mehr meine Lebensqualität einbüßen.
Wenn ein Mann nicht Außergewöhnliches (Charme, Körper, Lebensfreude) bietet oder eine Frau (emotional oder finanziell) gar nicht für sich selbst und ihre Familie sorgen kann, ziehen nach wie vor nur die früheren Alleinstellungsmerkmale (nachhaltiger Versorgungswillen und -fähigkeit, Kinderwunsch). Oder eben mit sich selbst zufrieden sein, allein leben und Frauen als Freunde und Liebhaberinnen gut behandeln.
Und da werde ich auch gar nicht erst anfangen zu spekulieren, weil da alles mögliche sein könnte. Bringt ja auch nichts. Ich denke/vermute, ich war wohl mehr ein "Ersatzdate" oder so, weil von ihr ja kein richtiges Interesse ausging und sie die ganze Zeit in ihr dämliches Handy starrte. Eine Unsitte, wie ich finde, aber okay.
