E-Claire
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Zitat von hahawi:Das Problem der Wertschätzung ergibt sich wohl daraus, dass einer das anders empfindet als der Zurückgelassene.
Und dann gibt es ja auch noch das Umfeld.
Kinder, Eltern, Freunde.
Irgendeiner der 2 betimmt dann das Narrativ der Trennung.
Ist es derm, der mehr leidet, einfach weil er der ist der lauter gehört wird, dann gibt es keine Wertschätzung, dann gewinnt das Scheitern.
Das verstehe ich. Sehr sogar.
Aber, und das ist alles, was ich sage, wäre es nicht sinnvoll, wenn der Staat, in D heißt es nach wie vor "die Ehe ist gescheitert", da positiv ran geht.
All diese persönlichen Gefühle sind da und sehr berechtigt. Aber wäre es nicht schön, wenn es ein gesellschaftliches Klima gäbe, daß da nicht den Hund und das arme Opfer oder die Abzockerin und das arme Opfer sieht, sondern in dem zumindest im ersten Moment gesagt wird, Oida ur gemein grad, aber die Steuervorteile, wie ist denn die Wohnung und arg aber kudos, daß ihr den Mut hattet?
Natürlich sind Trennungen immer gesch*ssen und ja zumeist (nicht nur, aber überwiegend) gibt es einen, der sich trennt und einen der getrennt wird. Bleiben wir doch aber mal bitte ehrlich, ja, es gibt Ausnahmen, aber ab etwa 8 Jahren und Zusammenleben, gibt es einen, der, den Mut hat es auszusprechen und einen der nicht hinschauen mag. Vielleicht auch gern einen, der den Mut hat es auszusprechen, weil er (vorübergehend) jemanden anderen gefunden hat und der der gehofft hat.
Das ist total schlimm.
Aber es wird zusätzlich verzerrt, und zwar dadurch, daß die Beziehung gescheitert ist und es natürlich einen geben muß, der schuld ist. Was wäre wenn der Staat Trennungen so feiert, wie er Eheschließungen feiert.
Ernsthaft, ich check das nicht.
Abgesehen davon, daß ich jetzt eh nicht so der größte Eheschließungsbefürworter bin, aber an welcher Stelle bitte, ist Scheidung kein Familienfest? An welcher Stelle bitte, gibst da keine Karte (happy divorce), Kuchen oder eben eine Urkunde?
Und bevor jetzt wieder wilde Unterstellungen laufen, ich mir nen Tee kochen soll oder ähnliches, was mich daran so fertig macht, ist folgendes.
In Westeuropa gibt es einen scheinbaren Konsens, wir feiern Schwimmabzeichen, Schulabschlüsse, Meisterurkunden, Uni-Titel, die wir erreichen.
Wir feiern Erreichtes. Wir feiern aber nicht, daß zwei Leute es ein Zeitl miteinander ausgehalten haben und dann sagen naja. Selbst unter christlichen Maßstäbe ist die Hochzeit die Kindstaufe, denen Kommunion oder Konfirmation folgen muß.
Mag ja sein, daß ich Ossi bin, aber, wenn jede Leistung gefeiert wird, wieso ist dann ohne Leistung ja sagen der ultimative Erfolg und nach 20 Jahren (Meisterbrief) zu sagen, hm, das ultimative Scheitern?
Daß dies persönliches Scheitern hinterlässt, traumatisiert, jedenfalls mit vielen Zweifeln und widersprüchlichen Gefühlen versehen ist, verstehe ich total. aber wieso geht jeder hin und gratuliert, wenn du nach 8+ Jahren deine Ausbildung fertig gemacht hast und niemand, wenn Du nach 8+ Jahren sagst, puh, ach ich weiß nicht?
Natürlich bestimmt immer einer von beiden das Narrativ. Aber es ist getragen von einem, der andere hat aufgegeben. und zwar am Tod. des eigenen oder des anderen.
Erfolg wird durch Versterben definiert, daher ist das Narrativ des Aufgebenden, zwar völlig allgemein akzeptiert, aber logisch absoluter Blödsinn.
Logisch korrekt müßte es heißen, ich mag nicht, daß Du vor mir stirbst oder ich mag nicht vor Dir sterben, nicht in dieser Situation nicht so. Logisch heißt es, ich möchte einen anderen Tod. #MILC
Da wir eh nicht über Tod offen reden können, insbesondere nicht hier, gab es nicht gerade wieder hier im Forum eine Geschichte von gerade getrennt und dann Tod, die sehr viel semantische und rhetorische Ähnlichkeit mit einer Schmierbriefgeschichte von vor drei Monaten hatte, ist es eben auch nicht besonders sinnvoll, dies jetzt weiter auszuführen. Tod ist Tabu.
Ich behaupte nicht, daß ich die Gesellschaft anderweitig überzeugen könnte. Ich habe nur einen Appell an gewisse Stakeholder, zB Mutter Staat, wo ist der verd*mmte Glitzer?
Natürlich wird auf persönlicher Ebene, immer einer zum Nicht-Schuldigen stilisiert. Es wäre nur, was wenn es tatsächlichen keinen gesellschaftlichen Schuldigen gäbe?
Nie erlebt?
Wie wäre die Lektüre von Brigitte Reimann, nicht das Werk (eher mau) die Tagebücher?