Shedia
Gast
Noch bevor irgendetwas konkretes mit dem Kollegen passiert war, erzählte ich meinem Mann von meiner neuen Liebe und bat ihn um die Trennung. Er fiel natürlich aus allen Wolken. Kurze Zeit später verreiste mein Mann mit unseren Kindern. Ich wollte diese Zeit nutzen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich lud den Kollegen zu uns nach Hause ein und es kam wie es kommen musste. Danach jedoch zog er sich sofort wieder von mir zurück. DIes schob ich auf seine unbewältigte Trauer und plante unverdrossen meinen Auszug von zu Hause. Ich suchte mir eine kleine Wohnung ganz in der Nähe und zog aus. Die Kinder blieben bei meinem Mann. Trotzdem wollte ich ja für meine Familie da sein. Meine Familie half mir sogar bei der Einrichtung der Wohnung. auch mein Mann half tatkräftig mit. Unser Verhältnis war zwar angespannt aber aus heutiger Sicht denke ich, dass niemand von uns die Tragweite dieser Entscheidung wirklich begriff. Ich zog aus und einige Tage später gab es einen kleinen Brand in der Küche meiner Wohnung. Die elektrischen Anschlüsse waren völlig marode und verursachten einen Schmorbrand. Die Wohnung war quasi nicht mehr nutzbar. In meiner Verzweiflung bat ich den Kollegen, der sich bis dahin weiterhin zurückhaltend verhielt, nun endlich Stellung zu beziehen und mich zumindest seelisch zu unterstützen. Fehlanzeige, er kam nicht, ging nicht ans Telefon, beantwortete meine Whatsappnachrichten nicht mehr. Mein Mann jedoch nutzte die Chance und bot mir an, wieder zurück in die gemeinsame Wohnung zu kommen. Dies nahm ich dankbar an.
Mein Kollege zeigte sich darüber überrascht aber er wirkte fast erleichtert über diese Entwicklung. Einige Monate später kam es jedoch erneut zum Flirt und leider auch wieder zum intimen Kontakt. Ich gebe zu, dass ich das diesmal forciert hatte, denn meine Gefühle für diesen Mann ließen sich leider nicht abschalten, zumal auch die Ehe nicht wirklich besser lief. Dieses Spiel von Anziehung und Abstoßung ging einige Male hin und her. Es war eine einzige Quälerei! Als ich erneut die Trennung von meinem Mann vollziehen wollte und der Kollege sich reflexartig wieder zurück zog, brannten auch meine Sicherungen endgültig durch. Ich informierte meinen Mann von der Affäre woraufhin dieser wirklich unglaublich reagierte. Er trauerte mit mir zusammen, fing mich auf und war liebevoll für mich da. Ich kann mein Glück wirklich kaum fassen. Jeder andere Mann hätte spätestens da seine Frau achtkantig raus geschmissen.Ich kündigte schweren Herzens meine Stelle um Distanz vom Kollegen zu bekommen.
Jedoch schrieben wir uns weiterhin Nachrichten per Whatsapp. Ich bildete mir ein, dies zu brauchen, um alles verarbeiten zu können. Anfang letzten Jahres eröffnete mir dann, er habe eine Freundin und wir dürften uns nicht mehr schreiben. Einige Tage später wusste ich, dass es eine andere gemeinsame Kollegin war, die auch die beste Freundin seiner Frau gewesen war. Die beiden hatten wohl schon lange privaten Kontakt. Sie war, wie ich heute weiß, die ganze Zeit über mit im Boot und wohl auch im Herzen meines Kollegen. Das war wohl auch der eigentliche Grund für sein zögerliches Verhalten. Ich war wohl einfach nur eine willkommene Abwechslung und vielleicht das Ventil für gewisse körperliche Bedürfnisse. Wie sehr mich das im Nachhinein verletzte kann ich nicht in Worte fassen. Von da ab nutzte ich das Handy für Beschimpfungen und Belästigungen aller Art. Ich wurde zur Stalkerin. Leider. Natürlich wurde ich von ihm blockiert. Einmal rief mich sogar die Freundin meines Exkollegen an, um mich zu bedrohen, falls ich nicht mit den Kontaktversuchen aufhören würde. Das war der Tiefpunkt meiner traurigen Geschichte.
Heute gelingt es mir meistens ganz gut, alles hinter mir zu lassen. Nur manchmal gibt es noch Umstände, die so genannte Flashbacks hervorrufen. Dann bin ich sofort wieder im damaligen Geschehen und empfinde wieder die Verletzungen und Qualen von damals. Unsere Ehe läuft zwar wieder sehr gut, vielleicht sogar besser denn je. Aber in manchen Situationen hilft mir das nicht. Das schlimmste ist, dass mein Selbstbild total zerstört ist. Ich hätte mich selbst niemals für ein solches A. gehalten, dass ich ja leider war. Dann spüre ich eine solche Wut auf den Exkollegen, der beinahe wirklich mein Leben und das meiner Familie zerstört hätte. Auch wenn er zugegeben nicht alleine verantwortlich ist. In großen Teilen war ich wirklich die treibende Kraft gewesen. Was kann ich tun, um mir selbst nun endlich zu vergeben und das ganze vollständig hinter mir zu lassen? Das Aufschreiben der Geschichte hat mir schon geholfen. Bitte seid gnädig mit mir und gebt mir nicht allzu strenge Kommentare. Vielen Dank für Euer Verständnis!